und Erze des Nordens, das gefährliche Pulver, die schweren Brandweine in den ungeheuren Tonnen. Hier vorüber geht es aber wieder in das dicke Gewühl des Gewerbes hinein. Die langen Reihen von Fässern, die aus Türingen herbeigeschafft werden, und Pech, T h e e r und Kienruss entalten, ziehen das Volk der Schiffer an; die Färber und Wollenhändler strömen dagegen zu den Niederlagen der Erfurter, welche den nicht genug herbeizuschaffenden Waid feilbieten. Hier spielen die Waidträger mit ihren Körben und Tragen den Herrn und Meister; die Messerschmiede, eine unhöfliche Zunft, schliessen sich mit ihren Kramstellen an die Türinger, an diese die Holzwaaren- und Messinghändler von Nürnberg, die Seidenweber von Augsburg, und überall dieselbe Regsamkeit, allentalben derselbe Eifer, von dem Lehrjungen an, der auf eine Kiste das Zeichen seines Kauf- und Lehrherren pinselt, bis zu dem Ostfriesen, der vor Rittern und Herren die ausgesuchten Rosse tummelt, die er auf den bedeutenden Markt gebracht. – Doch nicht allein für das Nützlichste ist allentalben im Überfluss gesorgt, ... auch das Lustige und das Seltsame will sein Recht behaupten. Nicht im Handel und Wandel allein sollen die Beutel geleert und gefüllt werden; das abenteuernde Volk der Kunst will auch, dass man der Torheit seinen Zoll entrichte, und an Wunderlichkeiten der natur nicht ohne Spende vorübergehe, .. besondere Geschicklichkeit nicht unbelohnt lasse. Hat die Handelwelt ihre Trone auf dem Römerberg, im Saalhofe und am Ufer des Mainstroms errichtet, so baut dagegen die Kunst, die sich zur Schau stellt, anderwärts ihre luftige Bühne, oder durchzieht wandelnd die Gassen, Bürgern und Fremden vor die tür bringend, wonach, sie a u s der tür keinen Schritt tun würden. Wandernde Dichter und Sänger ziehen umher, von Herold und Pickelhäring begleitet, und halten Wettkämpfe der Begeisterung oder possenhaften Reimerei. Häufig ist der blaue Himmel das Dach ihres Schauplatzes, und aus den Fenstern der Häuser und den Türen der Laden fliegen die heller, die ihre Anstrengungen belohnen sollen. Öfter jedoch ziehen sie es vor, die heimlichen gewölbten Stuben der Küfermeister zu besuchen, die in der Messe niemals leer werden, weil ihr Kranz und Busch immer grün, und der dadurch verheissene Wein immer duftig und kühl ist. Der Sänger liebt der Rebe Gold, der wohlgenährte Bürgersmann ist freigebig; die Fässer laufen über, und in der Laune des Trunks fliegt aus der Gäste Hand oft das Doppelte dessen in des Herolds Mütze, das der Geber zu steuern sich vorgenommen. Auf dem Rossmarkte bereitet sich indessen ein ernsterer Wettkampf vor, obgleich im grund auch nur Posse und Spielerei. Ein hohes Gerüste besteigen so eben zwei Fechter, die das Volk unter lautem jubel herbeigeführt. Die Schelme, die so fremd gegeneinander tun, und sich drohend messen mit den Blicken, und die Nase rümpfen, dass der gewaltige falsche Schnurbart sich in die Höhe zieht, – sie kennen sich recht gut, und sind nur zu verschiedenen Toren eingezogen, um das leichtgläubige Volk zu täuschen, ihre Fertigkeit in höhern Wert zu setzen, und ihre Rechnung dabei doppelt zu finden. Eine Bürgerfreude ist solch ein Fechteraufzug; die grösste Wonne des Pöbels zwei fremde Kämpfer aneinander zu hetzen. Die lederne Sturmhaube auf dem kopf, geschmückt mit einer langen Feder, die schon bei manchem Strauss gewesen, ein ungeheures Schlachtschwert auf der Schulter tragend, ... seltsam aufgeputzt mit farbigen Bändern, erklimmen die Klopffechter die Bühne, um dort zu siegen oder zu unterliegen, je nachdem gerade die Reihe an einem oder dem andern ist. Das Volk klatscht sich die hände wund, schreit sich die Kehle rauh, und aus den, bis zum Gibel mit zahllosen Zuschauern besetzten Häusern des Rossmarktes regnet reiches Schaugeld, von einem kecken Hannswurst erbettelt, in den Seckel der Schalksgesellen, die in's Fäustchen lachen, und vielleicht, um dem Schauspiel ein glänzendes Ende zu verleihen, sich gegenseitig den Doctorgrad des langen Schwertes unter albernen Gebräuchen erteilen.
"Ich will doch des Donners und des Hagels sein," – sprach Gerhard von Hülshofen zu Dagobert, mit welchem er durch das Gewühl schlenderte, – "wenn ich nicht die beiden angeputzten Hasenfüsse auf jenem Gerüste, so barsch und reckelhaft sie sich auch haben, mit einem Pfannenstiele in die Flucht jage, so weit der Himmel blau ist. Das sollen Fechterhiebe sein? Buffelei, weiter nichts, mein guter junger Herr. Was meint Ihr dazu?" – Dagobert blickte den Frager mit der Miene eines Mannes an, der so eben aus einem tiefen Schlaf erwacht, und nicht eine Sylbe von dem gehört hat, was man ihm seit Stunden vorgeredet. – Gerhard schüttelte unwillig den Kopf. "Seid wieder in Eurer besten Laune, mein Lieber;" brummte er: "Ich rate Euch, löscht Eure Lampe aus, und sagt der Welt 'Gute Nacht;' s'ist eine Schande für alle Junggesellen des römischen Reichs, dass Ihr, der Wakkersten Einer, Euch geberdet, wie ein träumend Kind. Ihr helft der ganzen Welt aus dem Eisen, wie die Historia mit dem Wildmeister erst kürzlich bewiesen, obgleich der Herzog Alles getan haben musste; ... aber Euch selbst könnt Ihr nicht helfen. Schämt Euch, und kommt zu bessern Gedanken. Dass Ihr nicht heiraten wollt, wie es Euer Vater wünscht, ist gut, ... denn nur der unbeweibte Mann ist ein ganzer, – aber der Grund, w a r u m Ihr's nicht