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wird; ... und somit, Freundin, Oberin, lass die Kirche schmücken zum Empfange einer neuen Braut, raube mir die Lokken, in welchen sich schon manch Gewaltiger hing, ziere mich mit dem Kranze, und dann: Salve Regina!" –

Elftes Kapitel.

Die weite Stadt fasst nicht die Zahl der

Gäste, .....

Schiller.

So sehr lieblich auch der Lenz gewesen war, so stellte sich doch der Sommer ein, als ein glühender Gast, der Fluren und Matten versengte, Bäche austrocknete, und den verschmachtenden Menschen und Pflanzen kaum einige kühle Nachtstunden zur Erholung gönnte. Indessen, je mehr er andauerte, je mehr liess er wieder nach, von seiner brennenden Strenge, und ein heiterer gewitterleerer Spätsommer entschädigte für des Augustmonats entsetzliche Hitze. Darum strömten auch, wie neubelebt, aus allen Gegenden des Vaterlandes und der Fremde, zahlreiche Schaaren zu der alten Herbstmesse, die zu Frankfurt wieder eingeläutet wurde, und sie versprach, weit glänzender zu werden, als in vielen vergangenen Jahren. Die Züge der Kaufherren, die nach einander unterm Geleite der Reichsstadt, des Erzbischofs von Mainz und des Pfalzgrafen bei Rhein eintrafen, überboten sich an Zahl und Reichtum. Nicht bloss die Städte am mächtigen Rheinstrome, von Basel beginnend bis gegen Cöln, sandten ihre besten Handelswaren, nicht aus gewerbfleissigen Niederlanden allein eilten die Fürsten des Handels herzu, sondern auch aus weit entlegnern Landen fanden sich Käufer und Verkäufer ein. Wälschlands Werkherren, die Gevertschen aus der Lombardei, und die Wechsler aus Burgund, die Stahlarbeiter und Wollentuchhändler aus Engelland, die Pelzverkäufer aus den nördlichen Reichen, dem fernen Polen, und dem noch fernern Reussenland, der mächtigen Stadt Neugart, füllten die Gewölbe Frankfurts mit ihren Waaren, und genossen freundliche Aufnahme in der von Menschen aller Völker wimmelnden Stadt. Bis unter die Lucken der Dächer lebte und webte jedes Haus, und dennoch schien die Zahl der Gebäude zu klein, um all die Gäste zu fassen, denn auf dem Fischer- und Klapperfelde standen Lager von lustigen Zelten, und auf den Gassen drängte sich unaufhörlich ein rastlos tobendes Menschenmeer. Stolzer als sonst wohl, sah nun jeder Frankfurter Bürger aus seinem Fenster in das Gewühl vor demselben, und pries glücklich sich und seine Heimat, auf deren Markt das fernste Ausland seine Erzeugnisse brachte, und sein klingend Geld, oder seine gültigen Wechselbriefe. Durch alle Tore rollte der Seegen des Handels, durch alle Pforten zogen heitre Menschen mit lebenslustiger Stirne und schwergefülltem Beutel; den Mainstrom herab kamen die überfüllten Marktschiffe aus Franken unterm Knall der zum jubel losgebrannten Donnerbüchsen und dem Gesange der Mannschaft; den Strom herauf zu Berg steuerten die reichbeladenen Fahrzeuge vom Neckar und vom Rhein. Und welche Fröhlichkeit entfaltete ihr Panier, fanden sich in der weiten Stadt Landsleute zu Landsleuten, Bekannte zu Bekannten. Die Glockenschläge und Trompeterstücklein, die vom Turme den Ankömmlingen entgegenschallten, stimmten zur Freude, denn nun war sie ja überstanden, die gefahrvolle Reise, auf welcher schon manch Unglücklicher Leben und Habe verlor, unter den Mordklauen des räuberischen Gelichters, das Heerstrasse, wie Strom unsicher machte. Nun befanden sich ja die sicher Geleiteten unter dem Schutze eines wohlgeordneten Gemeinwesens, hinter schirmenden Mauern, und im Schoosse geregelter gesetz, die den Messfremden gar günstig waren, und insonderheitlich keiner Freude wehrten. Darum schwang sich auch das Rad des ernsten und eifrigen Gewerbes scheinbar leicht wie das Spielrad einer Knabenmühle; die Wichtigkeit des Geschäfts gewann den Anstrich eines sorgenlosen Tauschvertrags, und über den düstersten angefülltesten Gewölben und seinen emsigen Dienern und Schreibern wehte die Wimpel der Heiterkeit. – Welch ein reges Leben in allen Teilen der Stadt, und längs dem Flusse, wo sowohl die zweckmässigste Lage, als auch Gewohnheit die Hauptsammelplätze der Kaufmannschaft geordnet haben. Still und besonnen treiben die Tuchhändler aus den flandrischen Städten, die reichen Antwerper, die stolzen Genter und die verschmitzten Herren von Brügge ihr Werk, ohne viel Geräusch, aber mit sicherer Geschäftigkeit. Neben ihren Niederlagen preisen die Schleierhändler von Strassburg den vorüberziehenden Frauen ihre dünne und köstliche Waare, sammt den Gold- und Silberspitzen, die sie lockend und prahlend zugleich am hellen Sonnenlichte durch die feinen Finger gleiten lassen. – Während auf der Schwelle einer einladenden Weinschenke feurig glühende Weinhändler aus dem Elsass den Kauflustigen das duftende Öl ihrer Fässer rühmen, und mit Schwank und Scherz ihren Handel richtig zu machen suchen, rufen an ihrer Seite die Kaufleute vom Rhein ihre Hüte und Handschuhe zum Verkauf, und nicht fern davon die Schweizerhändler in ihrer rauhen Mundart die Teppiche und Zeuge von seltner Güte, die sie aus ihren Bergen zu Markte bringen. In der Bude des Böhmen klingelt die zerbrechliche Glaswaare, wie in des Steuermärkers Laden das dauernde Eisen rasselt. Gegenüber jedoch wiegt der kluge Kaufherr aus Sachsen schweigend und bedächtig die Silberstangen, um welche die Münzwardeine und der Silberschmiede gelehrte Schaar prüfend steht; nicht minder vermisst nebenan der Ulmer seine schöne Leinwand mit geräuschloser Fertigkeit, und spart die freundlichen Worte nicht, um die ehrsamen Hausfrauen, die sein Gewölbe füllen, zu seinem Vorteil zu stimmen. Mag immerhin der Krämer aus Pisa oder Lukka aus vollem Halse sein Gewürz, seine wohlriechenden Salben ausschreien, ... lächelnd und still erwartend lehnen unfern die Kaufleute der Hansee an ihren Ladentüren, durch welche blankes Schiessgewehr, köstliche Nordfelle auf die Strasse sehen. Des Zuspruchs holder Frauen sind die schweigsamen Männer nicht gewärtig, ausgenommen vielleicht die Verkäufer der gesalzenen und getrockneten Seefische, und nur Männer suchen in diesen entlegenen Buden und Kellern ernstere Waare, die Metalle