bestes Kleid gehüllt, eilte er nach dem hof, den dieser reiche und prachtliebende Fürst mit seinem Gefolge einnahm. Der Herzog empfing ihn in einem einfach aber edel gezierten Gemache. – "Wie gefällt's Euch zu Costnitz, junger Degen?" fragte er den Jüngling mit heitrer Miene: "Wie behagt Euch das lustige Treiben und die bunte Menge, die einen Jahrmarkt eher verkündet, als eine ernste Kirchenversammlung?"
Dagobert bekannte, dass er noch wenig getan, um sich mit dem Gewühl der vielen Ausländer und fremden vaterländischen Gäste vertraut zu machen.
"Bei Eurer Jugend nimmt mich das höchlich Wunder!" sprach der Herzog: "Jesus Christus! wenn ich daran denke, wie ich in Euerm Alter das Leben betrachtet habe! Es kam mir nicht anders vor, als wie ein grosser Pokal, den ich verbunden sei, Tag für Tag auszuleeren bis auf die Neige, nach guter alter Trinkersitte. Wo es recht toll herging, war ich mitten darunter, und nirgends fröhlicher als wo gescheite Leute und Narren um mich schwärmten wie ein Bienenvolk. Ihr, lieber Freund, seht aus wie ein lockerleichtes Blut, und müsst wohl Eure Gründe haben, wenn Ihr nicht gleich Andern Eures Schlags über die Schranken haut, wo es angebracht ist. Ihr habt Euch doch nicht etwa schon vergafft zu Costnitz? Nehmt Euch in Acht. Es gibt der Schönen viele in dieser Stadt, aber die meisten sind fremde Zugvögel, die ihr trüglich Gefieder hier ausspreiten, weil es in der Heimat den Wert verloren hat; Hexendirnen, die sich anstellen, als ob sie Herzen fischten, während sie doch nur das Netz nach dem Golde unerfahrner Lüstlinge auswerfen."
"Die Art und List dieser Meerweibchen ist mir – wenn gleich nur aus Berichten – nicht unbekannt;" versetzte Dagobert lustig: "Ew. fürstl. Gnaden ist daher im Irrtum. Nicht einem rotwangigen Mägdlein jage ich nach, sondern einem graubärtigen mann, der mich hieher berufen, und nun Versteckens mit mir spielt; meinem oheim nämlich."
"Euer oheim?" fragte der Herzog aufmerksam werdend: "Sein Name?"
"Ist der meine;" antwortete Dagobert: "aber der Träger versteckt sich im Sumpfe."
"Wäre das der Prälat von dem Stifte des heil. Bartolomäus bei Cesena?"
"Derselbe, gnädiger Herr. Der Bruder meines Vaters: Hieronymus Frosch."
"Ei, der ist freilich hier;" lachte der Herzog: "ist mit mir gekommen, da ich den heil. Vater hieher geleitete."
Dagobert stand, steif vor Erstaunen, da.
"Ihr könnt mir's glauben, auf Fürstenwort;" fuhr der Herzog fort: "sein Logement wurde ihm eingerichtet im Paradiesgässlein, in dem haus, zum Pfauen geschildet."
"Bin ich denn blind gewesen?" fragte sich Dagobert halb ärgerlich; "war ich denn taub? hab ich nicht umhergespäht mit auge und Ohr wie die Frommen am Pfingsttage in. der Kirche, da der heilige Geist aus dem Schalloche hernieder zu schweben hat?"
"Seid zufrieden;" versicherte der Herzog: "Ihr seid nicht blind, nicht taub gewesen. Ihr habt aber beständig nur nach dem Unrechten gefragt; der übelklingende Name Frosch ist nicht mehr der Euers Ohms. Er hat sich in's Wälsche übertragen, und wenn Ihr nach dem ehrwürdigen Monsignor Ranocchia Euch erkundigt, wird er Euch sicher nicht entgehen."
"Wie ist mir denn?" rief Dagobert: "Unsers ehrlichen Namens, berühmt geworden durch den Hauskaplan Kaiser Karls des Vierten, schämt sich der Oheim?"
Der Herzog zuckte die Achseln. – "Ich habe Euern Vaterbruder nie als einen Deutschen gekannt," sprach er, "und immer nur den Italiäner in ihm gesehen. Macht es auch so. Man weiss, ja ohnediess nicht mehr, was heute zu Tage Deutsch ist oder nicht. Wer findet hier unter dem bunten wöllisch, englisch und böhmischen Geplauder das Vaterland heraus? Jede Nation, nur die unsre nicht, spielt hier den Herrn, vorab die französische. Ein schnackisches Völklein das: singt höher dann genotirt, liest anders, denn geschrieben, spricht anders als ihm um's Herz ist, und steckt uns durch seinen gelehrten Kanzler Gerson gewisslich in den Sack. – O! setzte er mit bitterm Spotte hinzu: diess Concilium ist des Luxemburgers Meisterstücklein!"
Heftig schritt der Herzog einige Schritte vor sich hin, blieb dann stehen und wandte sich mit einem Male rasch und kurz zu Dagobert.
"Ihr wisst nun, wo Euer oheim zu finden, junger Mann;" sagte er, wie man einem Besuche gern ein Ende machen will: "es wird ihn freuen, Euch bald zu sehen, wie es mir angenehm sein wird, Euch nicht aus den Augen zu verlieren. Das Pferd, das Ihr bei Eurer Heimkunft im Stalle finden werdet, tut Ihr mir wohl die Liebe, als Geschenk für Eure hülfe anzunehmen. Es ist ein polnisch Tier und gerade wild genug für einen derben Jungen, so wie Ihr."
"Gnädigster Herzog ..." stammelte Dagobert dankend, aber Friedrich unterbrach ihn schnell, indem er lächelnd sagte:
"Kein Wort für die schlechte Gabe. Wär' ich Kaiser, sollte sie besser sein. Hätte ich Euch nicht aufrichtig lieb, und wollte Euch ablohnen, sollte sie auch besser sein. – Ich stehe aber gerne noch ein wenig in Eurer Schuld