, – denn das Frühjahr bringt Euch wieder Messleute und Marktschiffe, die Euch das kleine Darlehen reichlich ersetzen, – kann ich's bis dahin nicht erstatten."
"Ich schwöre einen körperlichen Eid, dass ich nicht helfen kann!" beteuerte der Herr von Hyrzenhorn, und der Eppsteiner holte eine in vergoldetem Kupfer gefasste Reliquie des heil. Marcellinus aus seinem Wamms, auf welche alle drei Edelleute in aller Eile und bester Form den teuersten Schwur leisteten, dass sie ausser Stand seien für ihren gemeinsamen Freund das Geringste zu tun. – Gerhard, wohl wissend, ein solcher Eid mache ein unwiderrufliches Ende, – sei er auch noch so falsch, – wendete sich alsdann zu dem vierten Freund, der bis jetzt ein stummer Zuhörer des Auftritts gewesen war. "Werde ich auch bei Euch vergebens anhalten, lieber Trautwein?" sprach er zuckersüss: "Ihr habt des Vermögens viel, habt mir gestern erst im Rosengarten all mein Klingendes abgenommen, und werdet wohl nicht anstehen, mich der unverdienten Schmach zu entreissen."
Der Goldschmid lächelte aber eiskalt, zuckte die Achseln, und erwiderte: "Gestrenger Herr; im Handel und Wandel braucht man sein Geld, und dass des letzteren nicht zu viel werde, sorgen schon treulich Kaiser und Reich, die Ehewirtin und ihre Kinderlein, und die Herren vom Stegreif. Deshalb bin ich ausser stand etwas zu tun, als Euch die fünf Schillinge nachzulassen, die ihr mir noch gestern auf Euer Wort schuldig wurdet."
"Ich wollte, alle Martinsfeuer, die gestern brannten, um Wetterschaden zu verhüten, schlügen über Euch alle zusammen, und kochten Euch zu Brei und Muss;" rief Gerhard in hohem Unmut: "Mein Gaul, mein armer Gaul!"
"Uebermorgen soll ich in Costnitz sein. Ich hab's den Schöffen Holzhausen und zum Braunfels in die Hand geloben müssen. Der Kaiser gibt ein Turnier, auf dem ich zu Frankfurts und des Reichs Ehre mitstechen soll. Ich bin ewig beschimpft, erschein ich nicht auf diesem Rennen. Und ohne meinen Roland, ohne mein gutes Pferd komme ich nicht hin, kann ich nicht mitkämpfen."
"Schlimm! sehr schlimm!" meinten die adelichen Herrn, und machten Miene zu gehen. "Willst Du einen Römer Würzwein annehmen, so komm' mit uns!" sprach der Horaberger gutmütig, aber Gerhard verweigerte alles mit Ungestüm, und liess die adelichen Brüder und Freunde ohne Widerrede ziehen. Trautwein blieb an der tür zurück.
"Hört noch ein Wort, lieber Herr," sprach er mit einiger Teilnahme: "Ob es gleich grimmig kalt in Eurer stube ist, bin ich doch hinter jenen rohen Gesellen zurück geblieben, um Euch einen Rat zugeben."
"Nun?" fragte Gerhard unwirsch auf und niedergehend. "Der Kaiser gibt wohl übermorgen kein Rennen zu Costnitz, indem er noch in Aachen auf seiner Krönung verweilt," sagte Trautwein; "allein Eure Lage ist doch misslich, und liegt ausser meinen grundsätzen und Kräften, Euch zu dienen; aber es gibt noch andere Leute, die es vielleicht gerne tun, wenn einiger Gewinn dabei zu verspüren ist."
"Wer sind diese Leute?" fragte Gerhard aufmerksam werdend.
"Ei nun," sprach der Goldschmid zögernd: "Es sind unsers heil. römischen Reiches liebe Kammerknechte" ..
"Was?" fuhr Gerhard auf: "Juden? Hebräer? Seid Ihr toll geworden mit Einemmale?"
"Wie so?" fragte Trautwein gleichgültig: "Hebräisch Geld zählt wie das unsere; es kommt ja ohnehin nur aus christlichen Taschen. Fürsten und Herren wissen das wohl."
"Hm!" sprach Gerhard überlegend: "Mein ganzes Leben hindurch habe ich mich gehütet den Galgenvögeln in die hände zu fallen, und in meinem fünfzigsten Jahre ... indessen ... wer weiss ... damit ich nur fortkomme ... wo gelangt man zu dem Gesindel? Ich will gleich ..."
Der Goldschmid hielt ihn zurück. "Ihr werdet doch nicht am hellen lichten Tage ...?" sagte er missbilligend: "In eigener person ...?"
"Ihr habt Recht;" antwortete Gerhard: "Es ist wegen des Geredes ... also will ich mich gedulden ... diesen Abend, sobald es dunkel ..."
"Behüte;" fiel Trautwein ein: "Es ist bei zehn Pfund heller Strafe verboten, bei Nacht in ein Judenhaus zu gehen, um zu leihen oder zu zahlen."
"Aber beim Donner! was soll ich d e n n tun?" fragte Gerhard ärgerlich.
"Abwarten, bis ich Euch einen vertrauten Mann schicke, mit dem Ihr alsdann handeln könnt;" versetzte Trautwein.
"Einen vertrauten Mann, durch den es die ganze Stadt erfähret, von welchem Rocken ich spinne, nicht wahr?" –
"Gerade im Gegenteil. Ich weiss einen, der, wenn ich nicht irre, in der Nähe von Frankfurt zu haus ist. Ein verschwiegener Mann, mit dem ich selbst manch Geschäft gemacht. Ist er gerade hier, kann er vielleicht bewogem werden, Euch zu helfen. Mich dünkt, ich sah ihn gestern unweit von dem Dalbergschen haus in der Kämmererstrasse. Ich sende ihn Euch, und will besorgen, dass mein Gevatter Rebstockwirt Euch zum mindesten ein Feuer anmache in dem Ofen."
"Nun, so geht, so geht, und