– Wie wurde ihm zu Mute, da er dieses Haus wieder sah, geschmückt mit der alten gediegenen Pracht, die nur bei den feierlichsten Anlässen hervorgeholt würde aus den bergenden Schreinen. Schon die Flur, die Treppe verkündete Festlichkeit, und aus den Mienen der, dem Sohne des Hauses entgegeneilend Diener leuchtete das Behagen, den willkommensten Gast, zu empfangen. Der alte Dieter, von der guten Botschaft erfreut, umarmte den Sohn auf der letzten Treppenstufe, und Frau Margarete trug in ihren zarten Händen den aus silbernen Münzen kunstfertig zusammengefügten Pokal herbei, um ihn, mit duftendem Weine gefüllt, dem lieben Dagobert zu kredenzen.
"O, meine Ältern!" sprach der überraschte und gerührte Jüngling, ihre Liebkosungen dankbar vergeltend, ... "wie macht Ihr mir es doch so schwer, dieses Haus wieder zu betreten, da ich es ja doch wieder meiden muss? Aber Euers Vermählungsfestes Jahrstag, der zugleich meiner wackern Mutter Geburtstag ist, forderte meine Gegenwart, obgleich noch in diesen unheiligen Kleidern dabei erscheinen muss."
"Vor dem Herrn ist der reine unbescholtne Sinn das hochzeitlichste Gewand," sprach dagegen der Predigermönch Johannes, der, Wallradens Söhnlein an der Hand, zu den Umschlungenen trat: "Ein drolliger Schalk hat Dich der Klause entlockt, guter Dagobert, in welcher ich Dich ungerne sah. Möge ein guter Engel es fügen, dass Du nicht mehr dahin zurückkehrest." – Der junge Mann sah ihn betroffen an. Während dessen aber ergriff Dieter ihn bei der Hand und führte ihn in die stube ein, um deren Tafel ein bunter Kranz fröhlicher Gäste sich reihte. Die Männer, grösstenteils nahe Freunde des Hauses, begrüssten den Sohn mit dem gewichtigen Handschlage; die geladenen Frauen mit sittiger Kopfneigung, und er rieb sich verwundert die Augen, als ihn der Vater zu seiner Rechten setzte, und er in seinen Nachbarinnen die Edelfrau von Dürning und ihre anmutige Tochter Regina erkannte. Beide Frauen, seine Überraschung gewahrend, teilten sie gewissermassen, in einer Befangenheit verharrend, die sich in Mutter und Tochter gleich aussprach, obschon von verschiedenen Beweggründen erzeugt. "Ihr staunt, ehrsamer Junker," begann endlich die Edelfrau, "Ihr staunt, uns hier anzutreffen. Allein die Ursache, dass wir seit kurzer Frist in diesem haus fast heimisch geworden, ist zugleich die Ursache der Beschämung, die mir es schier verwehrt, ohne Rückhalt mit Euch zu reden. Es ziemt jedoch dem Fehlenden, zuerst den Mund zum Vergleiche aufzutun. So mag ich Euch denn nicht bergen, dass mir schon lange in der Seele leid getan, was ich damals in bitterm ungerechten Verdachte Euch gesagt vor unserm Scheiden. Meine Regina, die kein geheimnis mehr vor ihrer Mutter hat, hat mir erklärt, wie die Dinge zusammenhingen und wie ehrenwert Euer Schmerz um Ester, wie rein Euer verhältnis zu Regina gewesen. Glaubt mir, dass ich einen Anlass herbeiwünschte, um gut machen zu können, was ich verbrach, und wider Vermuten fand sich dieser. Da Eure überhand nehmende Schwermut Euch gewaltsam aus dem haus Eurer Ältern riss, so wurde der Sinn Euers Vaters also erweicht, dass er seine Habe darum gegeben hätte, Ester wieder aufzufinden und in Eure arme selbst zu führen, wofern sie nur zum Bund der wahren Kirche treten wollte. In dem Bemühen seiner Vatersorge wendete er sich auch an mich, ob ich denn von keiner Spur des Mädchens je gehört. Leider musste ich verneinen. Diese Zufälligkeit jedoch hat uns mit den Euern bekannt gemacht und mich veranlasst, der Einladung Eurer Mutter zu dem heutigen Tage nachzukommen, weil ich mir die Möglichkeit dachte, vielleicht Euch sehen und von mund zu mund sagen zu können, dass ich herzlich meinen Argwohn gegen Euch bereue, und Euch um Vergebung bitte." – "Ich müsste wohl jetzt ein recht harterziger unversöhnlicher Feind sein," entgegnete Dagobert lächelnd, "um solche Bitten aus hochgeehrtem mund tagelang mir wiederholen zu lassen. Leider aber erfordert mein zukünftiger Stand Friedensliebe und Versöhnlichkeit, und somit erteile ich Euch, edle Frau, von Herzen die gewünschte Absolution, ob mich gleich noch nicht die Weihe des Bischofs dazu befugt hat." – "Also ist es doch wahr?" fragte Regina ein wenig vorschnell und ein wenig erschrocken: "Ihr wolltet wirklich in's Kloster gehen, edler Junkherr? einen weissen Rock anlegen, wie der lange Mönch dort, der Euch immer so freundlich anlächelt? Tut das ja nicht, Herr. Das ritterliche Kleid steht Euch viel besser an, und Ihr seid für das Kloster viel zu ... viel zu jung."
"Ei, Regina!" unterbrach die Mutter die Stockende mit verweisendem Blicke: "Was soll das heissen, was soll der Junker von Deiner Frömmigkeit halten, wenn Du also unehrerbietig von den heiligen Klöstern sprichst?" – "Eure Tochter hat s e l b s t die Frömmigkeit einer Heiligen," versetzte Dagobert: "Diese bindet sich nicht an ein Kloster oder einen Wallfahrtsort, sondern an den lieben Herrgott selbst, und die Seinen. Rechtet aber mit der heiligen Kirche desshalb nicht, mein fräulein. Dringt gleich der feiste Herr dort oben, mein oheim, der Prälat, auf meinen Profess, fordert ihn gleich der würdige Herr Dechant, – derselbe, der so eben nach der Pfeffertunke langt, als eine unerlässliche und unaufschiebbare Pflicht, .... so zwingen mich doch die Genannten nicht, und nicht der Bischof, und nicht der heilige Vater