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Sohn des alten Jochai, der Eures Schutzes genoss, Gelder zu entrichten, die er mir vorgeschossen. Ungern musste ich hören, dass der Mann sich nicht mehr in hiesiger Stadt befindet, wie auch niemand seiner Angehörigen." – "Er hat sich flüchtig gemacht;" versetzte Achselzuckend der Oberstrichter; "und uns mangelt Kunde, wo er hingeraten." – "Das ist schlimm, ihr Herren;" entgegnete Friedrich ernst: "wir dachten, in Gnaden uns des Mannes anzunehmen, und ihn nach Innsbruck zu setzen, als unsern Hofwechsler; denn wahrlich, er ist der Erlichsten einer, und mit Bedauern erfuhr ich, dass man ihn allhier unredlich beklagt, übel gehalten, und seinen ganzen Wohlstand zertrümmert habe."

Der Oberstrichter zuckte wieder mit verlegnem gesicht die Achseln; der Schulteiss aber, den des Herzogs Rede spitzer traf, antwortete: "Mag sein, gnädiger Herr; allein der Schein war wider den Mann, und noch hat er sich vor u n s e r m S t u h l e , vor welchen er doch m i t L e i b u n d L e b e n g e h ö r t , nicht vollkommen gereinigt." – Die Betonung, mit welcher der Schulteiss diese Worte vorbrachte, verfehlten ihren Entzweck nicht. Der Herzog furchte die Stirne, und sagte: "Gar wohl, mein Herr Ritter und Schulteiss. Ich habe nicht Befugniss, mich in Eure Gerechtsame zu mischen, welche von Kaiser und Reich bestätigt und verbürgt sind. Ich meine jedoch, dass Recht und Urteil Jedem gleich sein soll, sei er nun getauft, oder nicht. Ihr habt hier, wie ich höre, einen Judenarzt, dem Ihr Euren Körper anvertraut, sonder Furcht und Angst; warum schenkt Ihr dem, der vor Euern Schranken steht, nicht gleiches Vertrauen? Doch, geschehen ist geschehen, und ich bin bereit, die fraglichen Gelder einem berühmten hiesigen mann zu übergeben, damit der Jude, kehrt er jemals wieder, oder wird uns von ihm Kunde, wieder zu seinem Eigentum komme. Ich glaube zu diesem Entzweck keinen bessern aus Euch wählen zu können, ihr Herren, als den Schöffen Dieter Frosch; einen biedern, ehrlich strengen Mann, den ich bitte, sich mir vorzustellen." – Dieter trat aus den Reihen der Schöffen, und verneigte sich ehrbar vor dem Herrn. Der Herzog liess eine Weile den blick auf ihm ruhen, wendete sich dann zur Seite, und sprach zu Dagobert, den er aus der Schaar seiner Umgebung zu sich winkte: "Dieser also ist Dein Vater, Dagobert?" – Dagobert bejahte freundlich, und grüsste den Vater. – "Mich freut's, ihn kennen zu lernen;" fuhr der Herzog fort, dem Altbürger die Hand reichend: "seid mir willkommen, alter Herr, und empfangt meinen Glückwunsch zu Euerm wiederhergestellten Hausfrieden, wie zu Euerm Sohne. Ja, lieben Freunde!" setzte er hinzu, dem jungen mann vertraulich und wohlwollend auf die Achsel klopfend, "einen bessern Mann als diesen hier, hat Frankfurt sicher nicht aufzuweisen, und vielleicht nicht allzuviele die ihm gleichen. Es macht mich froh, die Tugenden und seltnen Eigenschaften des Junkers vor Euer Aller Augen würdigen und preisen zu können. Er ist der treuste, redlichste und heiterste Mensch, den ich kenne, und Schade wäre es, wenn so viel Gutes in einem Kloster verkümmern sollte, wie es den Anschein hat. Nicht wahr, liebe Herren und Meister?" – Der Schulteiss kaute an den Lippen, über des Oberstrichters Stirne flogen trübe Wolken, aber beide bückten sich gleich den Andern, und stammelten ein: "Freilich, gnädigster Herr, ... aber ... Beweggründe ..."

"Schon gut"; meinte der Herzog mit einem verächtlichen Blicke auf sie: "ich weiss bereits Alles. Vielleicht kenne ich aber auch ein Mittel, diese Ungerechtigkeit des Muttergelübdes wieder gut zu machen. Ich wertze heute noch an den hochwürdigen Dechant Herdan, der am heftigsten, wie der oheim des jungen Mannes, auf dessen Weihe besteht, einen pergamentnen Brief senden, in welchem der heilige Vater, Martin V., die Freilassung die der abgetretne Pabst dem Dagobert Frosch erteilte, im Ganzen bestätigt, mit dem Vorbehalte jedoch, dass ein anderes Glied der christlichen Gemeine, sei es nun ein Mann, oder sei es ein Weib, an s e i n e r S t a t t das kirchliche Gelübde ablege. Ich zweifle nicht, dass eine fromme christliche Seele zu diesem Berufe bald sich finden werde, und ermahne sowohl den Vater Dagobert's, als auch sämmtliche Herrn vom Rate, wie vom Kapitel, denselben von dem Gelübde, das er durchaus ablegen w i l l , abzuhalten; bedenkend, dass Gott kein Gefallen hat an einem Diener, der sich ihm nur opfert, weil er mit der Welt zerfallen zu sein glaubt. – Stille, guter Freund," flüsterte er nach diesem dem Sohne Dieters zu, welcher einige Worte der Weigerung auf der Zunge hatte: "Montfort hat mich nicht früher an diese Pflicht gemahnt, als mein Herz es schon getan hat. Erlaubt mir daher, den Weg zu Euerm Besten, – sei's auch für Heute Euerm Wunsche zuwider, – kräftig fortzusetzen." – Dagobert verstummte ehrfurchtsvoll; dagegen ward es an dem Hoftore laut und geräuschvoll. Die Blicke aller Anwesenden flogen durch