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, was sagst Du, mein Rudolph?" seufzte Katarine aus bangem Herzen: "Du willst mir jede Hoffnung rauben? Du verzweifelst an jeder Rettung?" – "Warum mich hinhalten mit trügerischer Ahnung, mit falschem Vertrauen?" – entgegnete von der Rhön: "Ich bin nur reich durch Euch, meine Lieben! Gold und Silber habe ich nicht; und wo findet der arme einen uneigennützigen Retter?" –

Der Komtur, der bisher geschwiegen hatte, lächelte hierbei halb spöttisch, halb gutmütig, und rief: "Bei Kreuz, Dorn und Wunden, Herr! Ihr wisst die Waffen zu führen, habt gekämpft und die Wildbahn beritten wie ein erfahrner Jägersmann, und wollt nicht vertrauen auf das Glück, das so oft da hilft, Wo weder Klinge noch Pfeil noch der Arm ausreicht? Ich bleibe dabei: noch lange habt Ihr Frist, und wer weiss, ob nicht in diesem Augenblicke schon Euer Retter Euch nahe steht?"

Rasche Schritte kamen den gang herauf, und auf die tür des Saals zu. – Mehrere Stimmen wurden laut. – "Ei, zum Donner!" fragte de Komtur: "wer stört uns denn noch am späten Abend?" – Die Antwort auf diese Frage gab der eintretende Oberreiter, der einen Boten des Herzogs Friedrich von Österreich meldete, und welchem auch der bemeldete Bote auf dem fuss folgte. Von der Rhön fuhr bei seinem Anblick zusammen, denn Dagobert, Wallradens Bruder, war es in leibhafter Gestalt. Mit ungezwungnem Anstande, ohne kaum einen blick auf den Unglücklichen und dessen Gattin zu werfen, näherte er sich dem Komtur, und redete ihn an: "Zuvörderst, edler Herr, hab' ich Euch zu berichten, dass Se. fürstliche Gnaden, der Herzog dich hinter mir einherzieht, und von Eurer Gastfreundschaft eine willige Aufnahme in Euerm haus erwartet, wo er, die kurze Zeit, die er zu Frankfurt zu verweilen gedenkt, wohnen will." – "Ehre und Schuldigkeit;" erwiderte der Komtur, und sandte den Oberreiter sogleich an den Trappierer, um die nötige Vorbereitungen treffen zu lassen: "Se. fürstlichen Gnaden sind ein lieber Gast, und sollen gut gehalten werden in unsers Ordens haus, das der Freigebigkeit der österreichischen Fürsten viel verdankt. Wie aber nenne ich Euch, mein Herr, der mir die frohe Kunde bringt?" – "Mein Name ist nicht wohlklingend für diese Mannes Ohr," entgegnete Dagobert mit einem Seitenblick auf Bilger: "er möge aber wissen, dass ich nicht als sein Feind erscheine, sondern lediglich als des Herzogs Vorläufer, zu dem mich der Zufall gemacht hat, da ich diesen Nachmittag, eine gute Strecke vor der Stadt lustreitend, unversehens auf des Herzogs Geleite stiess. Ich heisse Frosch, des Altbürgers Dieter Sohn." – Issing biss sich betroffen in die Lippen; sammelte jedoch seine Fassung schnell wieder, und nickte bewillkommend mit dem kopf. Judit ersah aber den Augenblick, welchen das tiefe Schweigen, das nun auf allen Lippen herrschte, ihr gönnte, um Katarinen zuzuflüstern: es sei nun die höchste Zeit nach dem Kloster zurückzukehren. Seufzend wand sich die arme, den Gesetzen der Ehrbarkeit gehorchend, aus Rudolph's Arm, und gelobte hoch und teuer, morgen sicher wiederzukehren, wenn der Komtur es erlauben würde. Verbindlich antwortete dieser: er wisse sich nur weniger Fälle aus seinem Leben zu erinnern, wo er gegen Frauen unerbittlich gewesen sei, und er finde vollends keinen Willen in sich, der leidenden Schönheit zu wiederstehen. "Geht mit Gott, edle Frau," sprach er zum Abschiede: "und mit Gott kehrt wieder, so oft Ihr wollt. Dieses Haus ist eine Zuflucht für den Verfolgten, und wird durch solche liebliche Unschuld doppelt geheiligt, wie durch des Priesters Spruch. Euern Gatten sollt Ihr unverletzt wieder finden, verlasst Euch darauf." – Der Herr von der Rhön geleitete Katarinen, vor welcher ein Diener des Hauses mit einem Windlicht zu schreiten befehljgt war, bis zur Pforte, und während dessen hob Dagobert freimütig und zutraulich zu dem Komtur an: "Erlaubt, gestrenger Herr, dass ich ein billig Wort zu Euch rede. Ihr seid noch nicht lange an diesem platz; die Stadt hat Euch indessen als einen unbeugsamen strengen Mann kennen gelernt, und fürwahr, man darf Euch nur in das Gesicht sehen, um dasselbe zu glauben. Sollte ich mich denn wohl täuschen, wenn ich bei Euch auch einen unbeugsamen Willen zum Guten voraussetze? Ihr habt der gelegenheit manche, Gutes zu üben, und gerade jetzt wäre eine herrliche vorhanden. Dieser unglückliche Mann, der bei Euch Schutz und Schirm gesucht und gefunden, – soll er denn aus diesen Pforten endlich doch wieder in die hände der Schergen gelangen, welchen er mit genauer Not entkam? Wollt Ihr ihm nur auf dreissig elende Tage das Leben gerettet haben, damit es nach dieser Frist dennoch des Henkers Beute werde? Rettet ihn für immerdar, Herr, und werdet der Wohltäter von drei dankbaren Menschen." – Der Komtur mass lächelnd den vor ihm stehenden Jüngling, in dessen Auge das reinste Feuer strahlte, die Begeisterung für Barmherzigkeit und Milde gegen das Elend. – "Ich soll mich über Eure Reden wundern," begann er hierauf, "und Euch für einen leidigen Versucher halten, der gern enträtseln möchte, was ich im Schilde führe. Ihr seid Wallradens Bruder, und Blutrache zu üben wäre E u r e erste Pflicht,