, selbst die Hand dazu zu bieten. Ich konnte nicht zurück, fühlte ich gleich die ganze Hölle, selbst den Segen über die Geliebte und den verhassten Nebenbuhler sprechen zu müssen. Aber meine Arglist verfiel auf eine Auskunft. Ich wollte Euch binden, aber nur vor Euern Augen; und einst euch niederdonnern mit dem grimmigsten Hohne, Euch erniedrigen vor meiner Verachtung. Der Kirche Segen durfte nur ein Possenspiel sein, und ein Ordensknecht, der dem Noviziat im Bettelkloster davon gelaufen war, stellte den Mönchspopanz vor, der Euch verband mit ruchloser Spottrede und entweihter Stola." – "Wie?" stammelte von der Rhön, zurückfahrend. – "Wie die Dinge nachher wurden," sprach der Komtur weiter, "so war mir's nicht gelegen Euch den Irrtum zu benehmen, denn ich sah Euch unglücklich seufzen unter dem eingebildeten Joche, und meiner Rache Ziel war erreicht. Dieses Stückleins habe ich mich stets gefreut, und Ihr mögt es jetzt meinem weichen Herzen und der Rührung Eures schönen Weibes danken, dass ich Euch den Aufschluss gab. Der vorgebliche Mönch ruht aber längst schon in der Erde. Ein ungeheuerer Polacke hieb ihn neben mir zusammen, in demselben Kampfe, der mir die kahle Stirne eintrug." – "Komtur!" rief Bilger ausser sich vor Freude: "nimmer hat ein Teufel dem Menschen so viel des Übeln zugefügt, als Ihr, schwerverirrter Mann, mir des Guten getan habt, in böser Tücke. Weib, Gattin, Katarine! erwache und freue dich mit mir. Ich bin D e i n , nur einzig und allein D e i n Gatte. Keine Fremde hat teil an mir, und unverletzt ist Deine Ehre, unsers Kindes Herkunft. Mag man mich nun auch von hinnen reissen, mich foltern, und mein Haupt vom Rumpfe trennen, weil ich in blindem Wüten meinen Feind zu erschlagen begehrte, ... ist doch diese Schuld, die grässliche Gewissensschuld von mir genommen." – "Ich bin ein gnädiger Beichtiger!" lachte der Komtur, wieder in seinem Gleichmut zurücksinkend: "seid Ihr hingegen ein k l u g e s Beichtkind, und tödtet nicht durch vorlaute Rede die arme, die jetzt erst mühselig aus der Ohnmacht wiederkehrt. Sie weiss noch nicht, was Ihr begangen, warum Ihr Euch hier befindet. Mitleidig verschwiegen ihr's die Oberin des Weissfrauenklosters, und Wallradens Freunde, damit sie gelinder und gemildert die Unglückspost aus Eurem mund höre."
Der Herr von der Rhön schreckte heftig bei dieser Eröffnung zusammen. Das Schwerste war ihm demnach noch übrig, und langsam musste er das geständnis seiner Tat, die blutige Hoffnung seiner Zukunft den dringender und dringender werdenden Aufforderungen Katarinens entgegensetzen, welche begehrte, er möchte alsobald mit ihr und dem kind dies Haus verlassen, und niemals wieder von ihnen weichen.
Die Tiefen des Gemüts, zumal des weiblichen Gefühls, sind unergründlich. Ungleich weniger als der Name Wallradens in obiger Beziehung Katarinen erschreckt hatte, erschütterte sie die Nachricht von Bilger's Schuld und gefährlicher Lage. Trotz ihrem weichen versöhnlichen Herzen fühlte sie eine Art von schreckhafter Freude da sie hörte, dass der Arm des beleidigten, verhöhnten, getäuschten Rudolph's das Werkzeug der Vergeltung gewesen war, dass durch ihn das gerechte Verhängniss die Frevlerin in den Staub gestürzt hatte. Denn ihre Leichtgläubigkeit hoffte aus diesem blutigen Vorgange Wallradens Besserung erwachsen zu sehen, und ihre Unerfahrenheit übersah spielend das drohende Schwert, das über ihres Gatten haupt hing, an einem leisen Faden hing. Hatte er doch nur im gerechten Zorne das Schwert entblöst, und gebraucht; war doch Wallrade nicht an der Wunde verschieden, und sogar die Hoffnung da, sie wieder herzustellen. Die kindliche Frau glaubte, es müssten recht bald dem Flüchtling die Tore geöffnet werden zum Auszug in die Freiheit; sie dachte schon daran, wie sie vielleicht durch eine Fürbitte die Frist abkürzen könne. Bilger hingegen, welcher wohl wusste, dass der Bruch des Stadtfriedens, das Beginnen des Mordes die strengsten Richter finden würde, und dass die gesetz der Reichsstadt für den Fremden mit Blut geschrieben waren, schwieg trübe und düster bei den Vorsätzen und Hoffnungen, die Katarine in ihrem wachsenden Mute an den Tag legte, und konnte es nicht über sich gewinnen, durch ein beifälliges Lächeln die arme zu täuschen. – "Gute Katarine!" sprach er bewegt: "ich danke dem Himmel aus vollem Herzen, dass er mir das Glück gewährt hat, Euch noch einmal zu schauen, meine Lieben, die ich jetzt mit allem Recht mein nennen kann. Mehr zu begehren geziemt jedoch nicht meiner Schuld, nicht meinem jetzigen Zustande. Ihr habt selbst von den Soldwachen gesprochen, die des Hauses Pforte belagern; Ihr habt mir selbst ihre Wachsamkeit geschildert, die Strenge, mit welcher sie Euch befragten, und den Argwohn, mit welchem sie Euch nachsahen, da Ihr mit erlaubnis des Komturs durch dieses Tor eingingt. Diese Wachsamkeit wird sich nur von Tag zu Tag verdoppeln; begierig werden sie die Stunden zählen, nach deren Verlauf ich ihnen verfallen bin, und – ist die letzte verronnen, mir fürder keinen Augenblick mehr schenken. Ihren Ketten entgehe ich nicht, wie mein Haupt dem Spruche des Blutgerichts. betrüge Dich darum nicht mit eitler Hoffnung, gute Katarine. Wir haben uns wiedergefunden, um uns in Kurzem wieder zu verlieren, denn also ist's beschlossen im Himmel, und die Erfüllung dieses Beschlusses schreitet schnell auf Erden." – "O