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!" – "E u c h , gerade Euch also reden zu hören ...?" hob Rudolph an: "Wie reim' ich das?"

"Reimt's wie Ihr wollt;" antwortete der Komtur: "aber ich bin ein reifer geworden in der Welt, seit wir uns nicht sahen. Ich bin ein wildes Blut gewesen, und die Leute sagen, ich wär' es noch, obgleich der Säbel eines verfluchten Polen meinen Schädelseht diese Narbein der Feldschlacht also zugerichtet hat, dass mir mit den Haaren auch der Satan darunter hätte ausgehen müssen, wenn Alles mit rechten Dingen zuginge. Aber meine Wildheit reicht noch lange nicht an die Schlechtigkeit der Dame von Baldergrün. Nachdem meine Wunde geheilt worden war, und der Heermeister im Kapitel den Komtursstab als Pflaster darauf gelegt hatte, als ich wieder auf meiner Fahrt hieher durch meine Heimat wieder auf meiner Fahrt hieher durch meine Heimat und Türingen kam, wo man mich allentalben anstaunte wie einen todtgeglaubten Mann, ... was hörte ich nicht von Wallraden? Wie manchen wackern Mann nannte man mir nicht, der sich zeiter in den Schligen der Hexe gefangen und sehr übel darnach befunden hatte? War sie früher nur ein Spiel meiner leidenschaft gewesen, so wurde sie jetzt ein Gegenstand meines Abscheus. Ich wusste wohl, dass sie sich hier befinde, aber tausend Jahre hätte sie leben können, ohne mich zu sehen. Vetter Issing ist für sie nicht mehr auf der Welt. Noch einmal: wohl bekomme ihr der gähe Tod. Was aber ist aus Euerm Johannes geworden, von der Rhön?" – "O, Ihr reisst eine Wunde auf, deren ich in dieser unglücksschwangern Stunde ganz vergessen hätte;" rief Bilger ausser sich, und erzählte nun dem aufmerksamen Komtur seiner Leiden bedauernswürdige geschichte, wie er geglaubt, Weib und Tochter verloren zu haben, wie er seine einzige Hoffnung auf den Knaben gesetzt, und wie ihm das grausame Verhängniss die Tochter wieder in die arme geführt habe, um ihm sie, ihre geliebte Mutter, den von fremder Gnade lebenden Sohn, und überhaupt alles Glück, alle Freude des Lebens durch einen im Zorn verübten Mord unerbittlich zu rauben.

"O ich bin ein sehr unglücklicher Mensch!" schloss der arme Mann mit jener starren Verzweiflung, die auch im höchsten Schmerz keine erleichternde Träne in das trockne Auge lässt: "und besser fürwahr wäre es, Ihr übergäbet mich alsobald den Händen des Halsgerichts, das vor der tür lauert, und dem ich nach kurzer Frist ohnehin zum Raube werden muss. Das Elend, in welchem ich vergehe, beschreibt keine Zunge, und wenn ich mich über den Verlust meiner irdischen Freude trösten möchte, so kann ich's nicht, denn mein Bewusstsein ist voll Schuld, denn auf mir lastetausser der blutigen Tat, die mir vielleicht der Barmherzige vergäbeeine Sünde wider Ihn und seine Gebote, die nicht Er, die nicht seine Kirche verzeiht und erlässt; die Sünde der Doppelehe, gleich zu rechnen der Blutschande und sträflichen Unzucht. Wer hilft mir aus diesem Gewirre von Freveln, und werde ich sie denn auf dem Blutgerüste sogar abbüssen können?" – Der Komtur blickte unter seinen buschigen Augenbraunen hervor auf das zerstörte Gesicht des jammernden Bilger's, und er sagte mit roher Gutmütigkeit: "Denkt doch nicht jetzt schon an's Sterben und den unehrlichen Henker. Noch habt Ihr Frist genug dazu, und die Bullenbeisser auf unsers Hauses Schwelle mögen sich vor der Hand die Nase stumpf wittern. Erholt Euch; aus einem Scheinfreunde bin ich Euer wahrer Freund geworden, und will Euch Gutes tun, wie ich nur vermag. Weib und Kind kann ich Euch nicht wieder schaffen, und Euern Hals nicht sichern vor dem Schwerte der Frankfurter, aber lustiger und gemächlicher sollt Ihr die Zeit hinbringen, und erwarten, ob nicht etwa ein Cardinal oder der heilige Vater selbst, oder der Kaiser diese Strasse ziehe; das sind Leute, deren Anblick allein Gnade bringt und Freiheit. Hofft, auf was Ihr wollt; auf ein Wunder, auf des himmels Einsturz sogar; das gilt mir gleich! aber h o f f t nur, und schlagt Euch den Stöcker aus dem Sinne. Werdet wieder ein Mensch, der Alles hinter sich wirft, und glättet die Stirne. Wir im deutschen haus sind keine Kopfhänger, und lieben Tafel, Wein und Scherz. Selbst mit den Weibern nehmen wir's nicht genau, – sind sie uns gleich verboten. Anlässe genug um fröhlich zu sein mit den Fröhlichen. Vier Wochen sind eine Ewigkeit für den zuversichtlichen Grillenfeind. Euer Trübsinn hilft nicht; darum jagt ihn weg, und lasst für die Zukunft den Herrgott sorgen!"

Fussnoten

1 Auf dem Liebfrauenberge. 2 Ein Mörder war in dem haus der deutschen Herren eine Frist von vier Wochen hindurch vor dem Blutrichter sicher.

Achtes Kapitel.

Wenn auch kein Balsam mehr des Leibes Wun

den heilen mag, so nehmt von der Zunge des

Scheidenden die Schuld, und legt darauf den

süssen Balsam der Vergebung, dass er fröhlich

hinscheide.

W ...

So wie der Haufe des neugierigen Pöbels vor dem haus der deutschen Herren stand und die geschlossene tür angaffte, sammt den Söldnern des Rats, die vor der derselben auf der Lauerwache standen, also auch die Menge des Volkes vor dem Klostertore der weissen Frauen, nachdem man Wallraden hineingetragen hatte, blutig und entstellt, eine erbarmenswerte Leiche. Wie ein