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Johannes über diese Sache, oder mit Reinhold, wenn Ihr meint. Ich liebe raschen Entschluss, und denselben rasch zu vollführen." – "Geh', wohin Dein Herz Dich zieht;" versetzte Dieter: "die Mutter wird vom Himmel herab Dich segnen, und Dein Bruder Johannes Deiner Tugend huldigen. Ich gehe, um den Dechant und den Vater Reinhold von Deinem freien Willen zu unterrichten. Im Barfüsserkloster wartet meiner ohnehin eine andre Pflicht. Der Mönch, der mir von Wallrade Kunde brachte, ist genesen, und soll meinen Dank empfangen. Reinhold, der ihn in der Krankheit oft gepflegt, beteuert, der Mann sei nicht Priester, sondern von ritterlicher Herkunft, wie er aus Worten vernommen, die seinem mund in der Hitze des Fiebers entwischten. Wie dem auch sei, – ob eine Ordensregel, ob Unglück oder ein Gelübde den Mann in diese Kutte zwang; ich will ihm vergelten, so gut ich's vermag; denn er war mir ein froher Bote, und seine Botschaft darf nichts gemein haben mit meinem Zwiste mit Wallraden," – "Wallrade! die Unglückliche und Unselige!" rief Dagobert teilnehmend aus: "Wo ist sie? sicher nicht in diesem haus, denn ich sehe, hier wohnt endlich her Friede." – "Ja wahrlich!" bekräftigte Dieter, mit einer herzlichen Umarmung seines Weibes: "Der kühne gang zum Bannstein hat Margareten gereinigt in meinen Augen, wie ein heiliges Feuer. Sie ist eine wackre Hausfrau, eine biedre Mutter, und pflegt mit voller Liebe den Knaben, der uns fast so schnöde verloren gegangen wäre, durch die Schlange, meine Tochter; durch mein eigenes Kind! Ha, diese Tat hat mich empört, wenn ich ihr gleich den Fehltritt verziehen hätte, der sie in jenes Edelmanns arme führte. Gott schütze ihr unglücklich Kind, das, wer weiss, auf welchem Strom des Lebens jetzt schwimmt, aber sie, die nichtswürdige Tochter und Mutter, will ich nicht mehr wiedersehen, kein Wort mehr von ihr hören. Möge sie in dem haus der Reuerinnen, wohin sie sich grollend zurückzog, Reue lernen und Gefühl. Ich bin mit ihr fertig." – "Ach, lieber Herr," seufzte Margarete: "bezwingt doch diese Unversöhnlichkeit. Bedenkt, in welchen Jammer uns Eure Härte ohne Gottes Beistand gebracht haben würde." – "O sieh, sieh, Dagobert!" sprach Dieter entzückt: "sieh diesen beleidigten Engel, der für die Beleidigerin bittet. Ich lese in Deinen Augen gleiche Wünsche, aber, um nicht weich zu werden, entziehe ich mich lieber Euern Bitten, bis ich kälter und ruhiger geworden bin." – Er ging rasch hinaus, und Dagobert sagte kopfschüttelnd: "Der Vater gleicht einem gewandten Gesellen, der auf der Mummerei Tag und Nacht vorstellt. Argwöhnisch und gehässig in e i n e r Stunde, – entzückt und das Vertrauen selbst in der andern. Ich sehe, nur ein guter Schiffer vermag sicher durch dies trügliche Meer zu steuern. Euer Schifflein jedoch, meine Mutter, geht hohl und einer Klippe zu." – "Sprecht;" fuhr er zu der Verlegnen, sich herabneigend, fort: "Sprecht doch, ehrsame Frau! Wie mögt Ihr doch in lügendes Schweigen der Wahrheit vorziehen, die sich überall Bahn bricht: Noch, wie ich höre, weiss mein Vater nichts von dem falschen Johannes. Und ich bat Euch doch so sehr! Soll i c h denn reden an Eurer Statt? Und m u ss ich es nicht vielmehr?" – "Vater Reinhold riet mir zu schweigen;" antwortete die Betroffene ängstlich: "Seine Klugheit ...." – "Sucht hinter Eurer Lüge die eigenewohlgemeintezu verbergen, mit welcher er Euern Leumund rettete;" unterbrach sie Dagobert: "aber, i h n trifft nicht der Blitz, der Euer Haupt nicht verfehlen würde, erführe mein Vater durch andre Zungen, was sich begeben. Verachtet doch endlich die Winkelzüge. Ihr habt mich einst sehr geliebt, Ihr liebt mich noch; wie eine treue Mutter den frommen Sohn, denke ich. Tut mir doch zu Liebe jenes geständnis, dass Euch süsse Früchte tragen wird. Tut es bald, denn die Zeit verrauscht, und jeder Tag könnte Euch unrettbar verderben. Überlegt, und lasst mich, – kehr' ich wieder, – Euch entschlossen finden." –

Kurze Zeit, bevor Dagobert aus seines Vaters haus ging, um sich zu seinem geliebten Lehrer Johannes zu begeben, hatte der Herr von der Rhön, von den Schmerzen des heftigen Fiebers erstanden, das Barfüsserkloster verlassen, um zu lustwandeln im Strahle des sommerlich leuchtenden Tages, neue Kräfte zu gewinnen, und seine wunderliche Lage genau zu bedenken. Schon im einsamen Krankenzimmer des Klosters hatte er gehört, dass Dieter's Tochter zurückgekehrt war aus der Haft des räuberischen Bechtrams, der ein blutiges Ende gefunden. Er lenkte unwillkürlich halb, und dennoch halb von sehnsucht getrieben, seine Schritte nach Dieter's wohnung. Er umschlich sie einigemale, und lugte empor zu den Fenstern des Hauses, um vielleicht Wallraden zu gewahren, einen Anlass, sie zu sprechen, zu suchen, um von ihr zu hören, wo sein Knabe, – die einzige Hoffnung seines Lebens, sei. Freilich mahnte ihn öfters die innere stimme, der Arglistigen, die seine Feindin geworden war, nicht blindlings zu vertrauen; freilich beschlich ihn die