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waren. Noch dachte ich zu erwischen den jungen Frosch, und ihm zu werfen einen Stein zwischen die Füsse, aber auch diesen entzog mir der Fürst der Finsterniss. Verdammt und vermaledeit; und ich ruhe doch eher nicht, bis ich mich blutig gerächt habe an dem Wicht ohne Bart." – "Traum; ich möchte wissen, welcher von uns sich über den Fant nicht zu beklagen hätte?" fragte Veit von Leuenberg ungestüm: "Hat er mir nicht Schimpf und Schmach angetan zu Neufalkenstein? Hat er nicht die Freilassung der gefangenen Hunde ertrotzt, und dadurch dem Henker das Zeichen gegeben, unsern Bechtram abzutun." – "Ja wahrhaftig, bei meinem Eide!" fügte Hornberg, wild drohend, hinzu: "Soll mich doch tausend Ewigkeiten hindurch der Teufel mit Pech und Feuer laben, wenn ich die Hinterlist dem Buben nicht vergelte." – "Und ihm a l l e i n gebührt nicht Vergeltung!" eiferte Leuenberg, sich erhebend: "die ganze Sippschaft ist mir zuwider Opperment und Krötengift. Der alte, schäbige, schmutzige Filz; die nichtswürdige Grete, die all adlich Blut verläugnet hat, um zu dem Spiessbürger zu kehren; der kleine Wechselbalg sogar, der Hans, der, bei Gott, nichts Anders ist, als ein Bastard von Mutter und Sohn, und endlich vor Allem der Abschaum von Niederträchtigkeit; Wallrade, an die ich, moosiger Bursche, mich noch vergaffen musste, Dank sei es ihren Teuselskünsten, und die alsdann mich selbst anklagte, ich hätte ihr und dem pfaffen durchgeholfen; dem verdammten pfaffen, der uns verriet. Ich hätte meinen Hals hergeben dürfen, hätte mich nicht mein holdseliges Schwesterlein mit ihren Kleinodien ausgelöst. Wenn ich den Streich der spitzbübischen Schlange je vergesse, so will ich schon jetzt um Haut und Haar sein." – "Wie gewonnen, so zerronnen," spottete Hornberg: "Mit Deiner Schwester war's eine verworrene geschichte. Sie hatte sich aus ihres Mannes Haus geflüchtet, und in Deinen Arm geworfen, wie Du uns zum mindesten gesagt. Und dennoch geberdete sie sich untröstlich, und dennoch ging sie freiwillig zurück?" – "Lass' die verdriesslichen Tage dahinten!" fiel Veit ein, dem diese fragen unangenehm wurden: "ich wollte nur sagen, dass ich hasse, was Frosch heisst, meine eigne Schwester nicht ausgenommen; und ein fest sollte es für mich sein, die ganze Brut auf e i n e m Holzstosse sich verzappeln zu sehen, mindestens durch e i n e n Dolch niedergeworfen. Ein Kinderspiel für einen Blutzapfer, wie der, der hier vor uns sitzt, wäre er nicht so erbärmlich ungeschickt geworden, dass das morsche Leben eines Weisskopfs noch einen stichfesten Panzer gegen seinen Stachel abgibt." – Zodick, der bis jetzt, halb dem gespräche zuhörend, halb in sich hinein brütend, auf einem Steine gesessen hatte, die hände auf den Knien, und das teuflisch lauernde Gesicht vorgebeugt wie ein tief nachsinnender Mann, richtete sich bei diesen Worten rasch auf, und sagte: "Ihr habt gut reden von Ungeschick, edler Herr. Doch das Gedibber allein führt nicht zum Zweck. Versucht's einmal selbst, oder besser, folgt dem Rat, den ich Euch gebe. Es kommt mir bald vor wie Schofel und Jammer, wenn man sein Messer zuckt auf einen Einzigen, der doch nur ein Sandkorn ist in der Welt. Das tut auch nur ein verworfner Jude um ein Paar Groschen willen, oder ein Paar Lumpen, Handel damit zu treiben. Für edle Herren wie Ihr, ist's schöner und mutiger und frecher, zu schneiden hinweg ganze Geschlechter, wie die Sichel auf dem feld die Garben. Ich bin ein Hund gegen Euch. Ihr sagt's, und ich will mich hüten, anders zu denken. Aber der Hund hat jetzt gleich Schicksal mit dem Herrn. Einer ist vogelfrei, wie der Andre. Lasst uns darum erklären Allen den Krieg, weil Alle ihn führen gegen uns. Der alte Frosch sterbe nicht a l l e i n , aber mit ihm sein Haus, und mit diesem ganz Frankfurt, und Verderben sei über seinen Bürgern und ihrem Geschlecht." – Die beiden Männer sahen den Juden staunend an, und Hornberger sagte endlich: "Beim Stern und beim Kreuz und beim Hammer! Kerl! Du faselst, oder Du hast da einen Streich ausgesonnen, wie ihn die Welt noch nicht gekannt hat, und wie er selbst in meinem frischen, kecken Hirn sich nicht gefunden hatte."

"Dieter und all' die Seinen? ganz Frankfurt sammt seinen Männern, Weibern und Kindern?" fragte Leuenberg neugierig, und die Begierde nach Mord, Brand und Beute leuchtete aus seinen aufflammenden Augen: "Rede, Jude! rede! zögre nicht." –

"Die Wildniss hat Ohren wie der Hund," meinte Zodick: "in einsamer kammer spricht sich's besser von solchen Dingen. Zudem ist's schon dunkel geworden, und kühl weht die Nachtluft." – "Ich spür's wohl an meines Schädels Verletzung;" erwiderte Leuenberg, schmerzhaft nach der Wunde greifend: "aber ich weiss hier nirgends in der Runde ein sichres Wirtshaus für uns." – "'s wird wohl am besten sein, die Nacht unter'm Mantel zuzubringen," setzte Hornberg bei: "der Teufel traue in diesen ersten Tagen nach Bechtram's Hinritt