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versetzte der Hornberg: "aber Dir ähnlich, Leuenberg. Einen wehrlosen Mann aus dem Busche zu treffen, oder einen friedlichen Pfarrherrn vom Kirchwege in's Grab zu legen, das ist Deine Sache." – "Schweig mit dem Spotte!" eiferte Leuenberg wild werdend: "Ein Jeder treibt's nach seiner Lust und Freude. Dieser in geräuschloser Nacht, jener in Rauferei und offnem Streit. Da kommt aber Einer, dem das wahre Mordhandwerk noch keiner jemals besser nachäfft, als er's treibt." – Der getaufte Jude Zodick schlich sich eben auf Kreis- und Schneckengängen aus dem Gehölz daher. Sein rücken war ohne Last, sein Aussehen verriet indessen wenig den glücklichen Vertrödler geraubter Sachen, als vielmehr den zornigen erbitterten Bösewicht. Vorsichtig und wie ein Falke blinzelte er hinter jeden Strauch, und trat, nachdem er sich überzeugt, dass es rings umher still geworden, mit zutulicher Frechheit zu den Junkern, die ihn starr ansahen, aber seinen Gruss kaum erwiederten. "Bringst Du Geld?" fragte der Leuenberg: "heraus damit, ohne Widerrede und Umstände. Du siehst, Jude, dass ich hülfe in diesem mann erhalten habe. Weigre Dich demnach nicht ferner." – "Euer Knecht, Herr von Hornberg;" versetzte der Jude flüchtig: "wie seid Ihr gekommen in die Wildniss, die da beherbergt zwei von Euern besten Bekannten?" – "Um Dich zu sohn, mein Taufsohn!" grinste der Hornberger dem Buben zu: "Wie steht's mit Dir, Bursche?" – "Gut, Herr;" entgegnete Zodick boshaft lächelnd: "ich habe den Fehdebrief geschrieben der ganzen Welt, meine Freunde, die edlen Herren hier, ausgenommen. Ich hatte gebaut so schön mein Haus, und die krumme Schlange hat's eingeschlagen. Zu Frankfurt verlangen sie meinen Kopf, und das Vehmgeding hat mich geladen vor seinen Stuhl. Was tue ich aber mit der Ladung? Damit ich nicht erst zurückgehen muss, bleibe ich gleich ganz weg." – "Das Beste;" meinte Hornberg lachend: "wie bringst Du Dich jetzt durch?" – "Ich nehme; was mir überlassen die adelingen Herren;" antwortete Zodick schnell: "und muss obendrein stehlen für den Mann, der mir noch schuldig ist fünf Pfund heller für ein Menschenleben." – "Verdammte Brut!" fuhr Leuenberg wütend auf: "Die fünf Pfund, die Du erhieltest, waren noch viel zu viel für Deine Ungeschicklichkeit." – "Ungeschicklichkeit?" spöttelte der Jude: "so man mir zahlt halb, morde ich auch nur halb, und halb hatte der Alte seinen Rest, was man nicht läugnen kann. Was sollen mich im Übrigen kümmern Eure Händel, Herr, da Ihr Euch nicht umseht um die meinigen? Der arme Friedreich muss Alles ausfechten mit seiner eignen Hand, und kein Mensch steht ihm bei."

"Elender Jude!" murrte der Leuenberg. – Der Hornberger erwiderte jedoch halb ernst, halb scherzhaft: "Ei bei leib, Bruder Veit! Ich bin Freidrichs Taufgevatter, und behaupte gegen Juden sein Christentum. Heisse ihn den schlechtesten Burschen im römischen Reiche, nur keinen Juden." – "Wär' ich doch geblieben ein Jude!" lachte Zodick höhnisch: "die heimliche Acht hätte mich dann wohl in Ruhe gelassen. Wär' ich doch geblieben ein Sohn Jakobs, so wäre doch vielleicht Ester geworden mein, und Alles nicht geschehen, was sich begeben hat. Wär' ich doch gewesen ein vorsichtiger Mensch, ... ich hätte gewittert, dass das ganze Nest in meiner Nähe war! – Dummer, dummer Zodick!" – Er schlug sich bei diesen Worten einigemal tüchtig vor die Stirne, und die edlen Herrn wollten sich, trotz Wunden und Müdigkeit ausschütten vor lachen. – "Der Hund ist verrückt geworden!" meinte Leuenberg – "Gottes Wunden und Zeichen!" versetzte Zodick mit verzerrtem Gesicht: "Verrückt und mischukke vor Zorn und wütiger sehnsucht. Ich soll teilen mit Euch mein erworbenes Geld ... und Ihr haltet nicht einmal meine Feinde auf, die an Euch müssen sein vorübergezogen! Das ganze Geschlecht, das ich verfluchte in's tausendste Glied ist gewesen hier ... aber mein Fluch hat es wieder zerstreut in alle Welt. Hätt' ich doch gewusst, dass der Soi, den ich gestern geplündert habe, kein Goi gewesen! dass er gehörte zu der Sippschaft die ich hasse wie den Tod; ich hätte nicht gerastet, nicht geruht, bis er hätte verseufzet seinem Atem unter meiner Faust!" – "So rede doch vernünftig; sag at, was hast Du denn? fragte der Hornberger heftig, und Zodick erzählte von der Forstütte, von Ester, Ben David und dem Bruder aus der Fremde." – "Dummer Bube!" maulte Hornberg: "uns das nicht früher wissen zu lassen! Eine schmuke Dirne wäre mir lieb, wenn gleich nur eine Jüdin. Wir hätten sie aus dem Bette gestohlen." – "Wie erfuhrst denn Du?" fragte Leuenberg. "Ich kam zu vertrödeln meine gewonnene Habe zu Dürning," antwortete der Jude: "und dem Gesindel im hof erzählte der alte Ammon, der Forstwart, die ganze Begebenheit. Der Schurke werde krumm, lahm und taub, weil er mir gestern hat abgewehrt, und heute von den Dingen erzählt, die schon vorbei