Ursache zu fragen. 'Der verdammte Räuber, der alte Bechtram von Vilbel, wird gerichtet;' gab mir der Krämer zur Antwort, und ich hätte ihm dafür die Rippen durchbohren mögen. Aber, so entsetzt ich auch war, von der Kunde, den, den ich wo möglich zu befreien gekommen war, auf dem Wege zum tod zu finden, ... dabei musste ich sein und es mit ansehen, kostete es mir auch selbst den Hals. O, welch bedauerlich Schauspiel, Freund Leuenberg! Du hättest sehen müssen, wie unser wackrer alter Ritter daherschritt in den Stricken der Soldknechte, die er einst angeführt hatte. Donner und Strahl! so weh mir dieser Anblick tat, so war ich dennoch hoch entzückt, zu sehen, wie er noch den alten Trotz und die ritterliche Würde auf seiner Stirne festielt, vor welcher sie Krämerlümmel die Augen niederschlagen mussten. Und so blieb er auch bis zum Ziele. Vor dem Tore auf dem Anger war ein schwarzes Tuch ausgebreitet, und auf demselben liess man den alten Mann niederknien wie einen Verbrecher. Ich hätte ein Gewitter sein mögen, um über die abscheulichen Ratsschnauzen herzufallen, die so steif und hölzern dem Bechtram das Urteil wieder vorlasen, als ob sie im Recht sässen, und der von Vilbel im Unrecht. Und dennoch hatte er sie Gefangenen losgegeben, und folglich ward ihm von treubrüchigen Hunden das Leben abgesprochen. Mit diesem letzteren war's auch bald vorbei. Ein Rottmeister brachte ein Tuch heran, um dem Sterbenden die Augen zu verbinden, ... aber tausend Hagelwetter! der Bube kannte unsern Alten nicht, welcher das Tuch verweigerte und die Augen mutig offen hielt, unterm Schwert des Henkers, das schon blitzte, und nach welchem die in unzähliger Menge versammelten Reichsstädter schielten, wie abgestandne Fische, denn das Gesindel fürchtet sogar die Klinge, die es selbst aber noch mein Unstern wollen, dass, während ich also in Zuschauen und grimmiger verhaltner Wut versunken, auf meinem Gaule hielt, und hervorragte über den Pöbel an der Erde, ... dass Bechtram das Auge zu mir empor hob, und trotz meines falschen Bartes mich erkannte. unwillig rief er aus, mir winkend: 'Hoho! Hornberger! Du hier, und ich muss sterben? Hilf!' – Im selben Nu siel sein Kopf, aber alle andre Köpfe drehten sich nach mir, der ich meinem Gaule wütend die Spornen gab, um mich aus dem Strudel zu arbeiten, der um mich her summte, wie ein Schwarm wilder Bienen, und mir kein bessres Schicksal verhiess, blieb ich in seiner Mitte hängen. 'Halt auf! halt auf!' schrie es um mich her, und manche kecke Faust griff zu nach meinem Zügel; ich aber, nicht faul, hieb mit der Peitsche um mich her wie ein toller Mann, und habe manchen Spiessbürger gezeichnet, dass er ewig an den wilden Hornberger denken wird. Reiter hinter mir drein ... Steine durch die Luft ... und ich voran wie die Windsbraut, und narrte sie hinter mir her bis an die Warte. Dann streckte ich dem Lumpenpack die Zunge heraus, und ritt gemächlicher durch Feld und Flur und Saat, bis ich in Deine Händel fiel. Aber geschworen hab' ich's, heute wenigstens keiner Christenseele ein Leid zu tun, weil mich des armen Bechtram's Tod doch sehr bestürzt gemacht, und desshalb liess ich auch den Fant ziehen, den Du nicht leiden kannst." – "Hol' ihn der Teufel, und nicht minder den Juden, der seines Vaters Brust verfehlte!" brummte Veit von Leuenberg grollend: "Dass ich mich nicht rühren konnte! Ich hätte den Buben kalt gemacht wie seine Landsleute an Bechtram taten, der übrigens auch noch lebte; wenn auf Neufalkenstein mein Rat befolgt, und der saubre Neffe gehangen worden wäre." – "Pah!" erwiderte der Hornberg: "hört man Dich allein, so hast Du zu Allem das Beste geraten, und von Allem das Beste getan. Geht man auf den Grund, ist wenig dahinter. Ich denke, die meisten Leute leben noch, denen Du den Tod geschworen!" – "Keinen Schimpf!" drohte Veit, sich mühsam auf den Ellbogen stützend: "gerade hier bin ich dem platz nahe, wo ich zum Erstenmale einen Menschen auslöschte. Es war mein Probestück, auf einem Wildgange, der mich durch den ganzen Forst geführt hatte. Bei der Futterhütte des Waldes sah ich einen Mann stehen, einen Edelmann, nach Kleid und Wehr zu halten; er zählte seine Rehe, und mir wässerte in dem Versteck der Mund, dass mir's jetzt so leicht sein würde, ein wild aus diesem gedrängten Haufen herauszuschiessen; dass mir aber nicht gestattet sei, das Geschossene zu holen. – Ich ergrimmte bei diesen Gedanken, und dachte: wie wär's denn, Veit, wenn Du den breitschulterigen Mann holtest, der, wie ein frohlockender Geizhals seinen Reichtum überzählt, von dem dir nichts gehört? Der Gedanke war auch sogleich die Tat, und wie hineingeblasen sass der Pfeil der Armbrust dem Menschen in der Gurgel. Ich auf und davon, sah ihn von ferne noch taumeln, stürzen, und kam selber glücklich davon. Hinterher erfuhr ich, dass ich den Herrn von Dürning erschossen." – "Ei, das ist ja eine grässliche Tat, ein Jugendstreich, wie es wenige gibt;"