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Banden los, die sie an mich schlossen: Wehe mir!" – "Ach, mein guter, trauriger Junker!" sprach Regina tröstend und legte ihre Hand auf die Seine, und heftete ihren Taubenblick auf sein düstres Auge: "wer sagte denn, dass sie kaltsinnig schied, deren Flucht euch bekümmert? Heisse Tränen weinte sie, und darum .... ich will Euch gestehen, dass ich sie vorher nicht liebte ... darum aber gewann sie meine Teilnahme im Augenblick der Trennung." – "Wenn Ihr sie gekannt hättet!" klagte der Jüngling: "Tugendhaft und rein war sie, wie Ihr, mein fräulein. Eine Seltne in dem Kranz der Frauen, die einzige in den Reihen ihres volkes, das geadelt wurde durch ihren Besitz. O, diese Hütte hier! eine Kapelle sollte man auf ihre Stätte bauen, weil die Liebliche durch kurze, allzukurze Frist hier verweilte." – "Ihr sprecht ja nicht wie ein Christ!" sagte Regina mit lächelndem Vorwurf: "ich sollte böse auf Euch werden, wenn ich nicht die Vertraute Eurer Liebe geworden wäre. Ach, mein Anteil an ihr ist mir schlimm bekommen. Der garstige Ammon hat heute der Mutter Alles auf's Kleinste berichtet, denn er fürchtete die Folgen; und Mütterlein hat mich gescholten, und gesagt, es zieme sich für ein Edelfräulein nimmer, um solche Abenteuer zu wissen, und sie werde mir verbieten, je den Wald wieder zu besuchen." Dennoch bin ich ihrer Wachsamkeit entgangen, denn Ihr musstet ja erfahren, wie Alles kam, und ich wäre gestorben hätte ich Euch in Ungewissheit lassen müssen. "Nehmt Ihr teil an mir, holde Dirne?" fragte Dagobert weich und dankbar. – Regina wurde rot, entzog ihm ihre Hand, und sagte ausweichend: "Wenigstens wollte ich's gern ertragen, dass mein Mütterlein mich schmält, könnte ich Euern Schmerz nur wenden. Ich liebe traurige Gesichter nicht. sehe' ich jedoch Euch in Gram versunken, so möchte ich flugs mit Euch weinen, ob es vielleicht Euern Kummer lindern möchte." "Lindern? gewiss!" rief Dagobert: "Die Tränen der Unschuld, die des allerreinsten Gefühls sind Lebensbalsam für den Trauernden. Ja, mein wunderholdes Mägdlein; die Zuversicht, .. das gläubige Vertrauen auf eine helle Zukunft, diese heilige Schrift, die in Euern Augen zu lesen ist, klar und deutlich, wie das Licht der Sonne, ... sie gibt mir Trost, und Mut zu leben, ... muss ich auch allein auf meiner Bahn zu Ende wandeln." – "Allein?" fragte Regina neugierig: "wie meint Ihr das?" – "Ich werde nimmer um eine Jungfrau minnen;" versetzte Dagobert: "einsam bleiben, und allein, keinen Herd mir bauen, keine Hütte, sondern flüchtig sein und unstät."

"Um Gottes willen nicht!" rief Regine: "Nur das, ehrsamer Junker, das tut nicht. Viel Hundertmale hörte ich meine Mutter sagen, ein Hagestolz hätte nicht Freude und nicht wahre Lust am Leben, er besässe nicht einmal ein Herz für seinen Hund; und ich will's glauben, lieber Herr. Da ist der Vetter Schwarzbach, und der oheim von Miltenberg, vor denen mir schon bang wird, wenn sie unser Haus betreten. Da geht's Treppe auf, Treppen ab, mit beschmutzten Stiefel und ungekämmten Bärten, mit Halloh und Hassah durch Feld und Wald, und nur dem Becher wird ein freundlich Gesicht gemacht, und Frauen hingegen beständig ein scheeles. Zu solchem Leben seid Ihr nicht gemacht, guter Herr. Ihr seid so freundlich, und wart so froh, dass es Schade wäre, wenn Euch einer Jüdin Verlust zum Trübsinn brächte." – "Anmutige Regina!" erwiderte Dagobert: "wollte der Himmel, die Sachen stünden noch wie am verwichnen Ostertage. Damals glaubte ich mich noch frei, und Euer Liebreiz nur allein hätte mir eine Fessel anlegen können." – "Ach nicht doch!" kicherte das Edelfräulein verneinend, und hielt die hände vor das geschämige Antlitz. Indem trat, von Ammon begleitet, die Frau von Dürningen an den Eingang des Geheges. "Regina!" rief sie ernst, und Dagobert eilte, das erschrockne Mädchen zu der Mutter zu führen. – "Ich danke Euch Eure Gegenwart nicht, Junker;" sagte die Edelfrau, "da ich nunzu spät nurdurch Ammon erfahren habe, was mir meiner Tochter Mund verschwieg. Ihr habt unedel genug die Eitelkeit meiner Tochter missbraucht, um einer Dirne von schlechten Herkommen und ungewissem Leumund eine Zuflucht auf meinem Boden zu gewinnen; und Ihr versucht's vielleicht, jetzt noch die Leichtgläubigkeit der unerfahrnen Jungfrau zu verführen, da Euers Herzens Lieb Euch untreu geworden. Ich bin ein Weib, und kann, ohne männlichen Schutz, mit dem mann nicht rechten, wie sich's gebührte. Tut mir jedoch die Liebe, so schnell als möglich mein Eigentum zu meiden." – "Euer Misstrauen, gestrenge Frau, betrübt mich;" antwortete Dagobert gelassen: "ich weiche jedoch gerne aus Euerm Eigentume, in welchem ich das meines Herzens verlor, um Eurer fleckenlosen Tochter ferner keinen Kummer zu verursachen. Habt Dank, fräulein, für das, was Ihr an Ester und mir getan, und belehrt, überzeugt Eure Mutter eines Bessern, damit