er's dankbar annehmen, und herzlich damit zufrieden sein. – Er hatte noch nicht ausgeredet, und ich auch noch nicht "Ja" gesagt, und flucks hatte' er den Bündel auf dem rücken, und wanderte rüstig voraus. Ich folgte ohne Argwohn, und kam mit ihm in solch Gespräch, dass ich nicht bemerkte, wie er mich in diese Gegend geführt hatte, wo rings um uns einsam Gestrüppe steht, doch weit und breit kein Turm noch Tor von Friedberg. Und da ich endlich es bemerke, und ihn desshalb zur Rede stelle, so lugte er frech hinauf zum Himmel und ringsum, und spricht: "er werde sich wohl im Pfad geirrt haben; der Abend sei jedoch noch nicht weit vorangerückt, und wir würden zeitig noch nach Friedberg gelangen, dessen Turm schon zu sehen sei." Wie er mir nun zeigt, nach welcher Seite ich sehen müsse um ihn zu gewahren, und ich dem bösen Rate des falschen Menschen folge, sauste mir sein Dornstock in's Genick, dass ich hinfalle, und ihm, dem Räuber, keinen Widerstand zu leisten fähig bin. Mein Schreien war jedoch nicht vergeblich, und – wohl mir – Dein Ohr hat's zeitig genug vernommen, ehe der Schurke mich geplündert. Mag er doch laufen mit dem Pack; der Herr wird ihn schon lassen verlahmen und steif werden wie das Eis, und, .....
Mehrere andere Verwünschungen, die der Fremde auf seiner Zunge hatte, verhallten in dumpfem Gemurmel. Ammon erwiderte darauf lachend: "Nur heraus mit dem Gewetter und Gefluche. Ein meilenlanger Fluch erleichtert recht das männliche Herz, und Ihr seid ja jetzt im Freien und nicht in Eurer Schule, wo es sittsam und friedlich hergehen muss. Wenn ihr wolltet, könnte ich Euch türkische und wallachische Flüche lehren, die weit besser klingen, als unsre matten in Deutschland. Allein im grund hilft doch der wetterlichste Schwur Euch nimmer zu Eurer Habseligkeit. Besser wär's gewesen, ich hätte den vertrakten Schurken in's Knie geschossen; dabei bleib ich. Wo wollt ihr aber jetzt hin, gelahrter Herr? Die Stadt ist an zwei Stunden weges von hier; dort links, und schwer zu finden für einen Fremden. Ich wollt Euch gern dahin geleiten, müsst ich nicht in meinen Wald zurück. Auch trautet Ihr wohl meinem gesicht nicht; denn die Leute sagen, der alte Ammon sehe aus, wie der leibhaftige Teufel selbst." –
"Hätte ich nur dem gesicht jenes Schurken nicht getraut;" seufzte der Fremde: "der Bube hatte Gaunerzüge, und brandrotes Haar!" – "Hütet Euch vor den Gezeichneten;" schaltete Ammon ein: "Wisst Ihr jedoch sonst nichts, das auf die Spur des Sünders führen könnte? Ich wollte lauern lassen auf den Burschen, wie auf einen Iltis." –
"Ich weiss nichts, das mir ausser seinem gesicht aufgefallen wäre;" sprach der Fremde weiter. "Ein Schild, das er auf seiner linken Brust trug, könnte vielleicht einen Neubekehrten verraten; doch traue ich darin meinen Augen nicht." – "Einen getauften Juden!" rief Ammon: "das wäre möglich; und das ist gefährlich Gesindel. Das vertauscht seinen Gott, wie ein Söldner seinen Hauptmann. Und dennoch ist es immer Eins, woran man glaubt. Das hab' ich auf meinen Kreuzzügen oft genug erfahren. Mir gilt der Heide, wie der beste Christ, und wenn Ihr, gelahrter Herr, in meiner schlechten Hütte übernachten wolltet, so wäre ich gern bereit, Euch ein ungläubig Dirnlein zu zeigen, das seines Gleichen sucht in der getauften und ungetauften Welt." – "So?" murmelte der Fremde, der in Gedanken versunken war, vor sich hin; dann setzte er bei: "Ich nehme es an, Meister Graurock. Ich gehe mit Euch, aber einzig und allein um eines warmen Obdaches willen, weil mich mein Genick schmerzt, – nicht der schönen Dirne wegen."
"Mir recht;" versetzte Ammon: "Ich hab' noch nie aus freien Stücken 'nen Gast in meine Hütte geführt. Ihr seid der Erste, und ein warmes Heulager soll Euch nicht entstehen. Morgen wandern wir dann selbander auf Friedberg los. kommt; lasst Euch führen, denn Mohren und Cordova! Ihr wankt auf den Füssen; ... was ist Euch denn? Warum stieret Euer Auge also in die Ferne, als wollte er in dem Hohlweg sich verlieren? Ihr werdet ja immer bleicher, Herr! Was ficht Euch an?" –
"Der Fremde war starr und steif stehen geblieben, und zeigte unverrückt mit auge und Hand auf einen Mann, der schnell, obgleich mühsam aus dem Hohlwege, zur Seite kletterte, rasch auf die Gehenden loskam, scheu von der Seite sie anblickte, und, ob vor Ammons Zügen, oder dem gesicht des Fremden erschreckend, plötzlich die Kappe in die Stirne drückte, mit einem Laute des Unwillens oder der Überraschung sich abwendete, und, als wie von einem Gespenste gejagt, über die buschige Fläche sich verlor." Während der Fremde ihm bewegungslos nachstarrte, schrie Ammon, der ihn erkannt hatte, wild hinterdrein: "Hoho! sa sa! Jude! wohinaus? Wirst doch nicht gestohlen haben? halt auf, Jude, halt auf!" – "Sein greller Ruf scheuchte den Fliehenden nur noch flüchtiger von dannen, und Ammon