Dankbarkeit, die ihm allentalben folgen, ihn überall erreichen wird." – "Ben David!" setzte Ester weinend hinzu: "Ich habe Euch geliebt, wie eine Tochter den Vater; ich habe wegen Euer mich wollen reissen los von dem edlen Mann, der mein Alles ist in der Welt. Vergebt mir meine Freude darum, ihm jetzt schon näher anzugehören, und empfangt meinen Dank." – "Ei! ei!" antwortete Ben David kopfschüttelnd und schmerzlich lächelnd: "Seht doch, wie ihre Gesichter sich tauchen, nicht allein in's Abendrot, sondern auch in das Rot der Freude. Vor einer Weile hatte ich noch eine Tochter, jetzt nicht mehr. Vor einer Weile wollte mir folgen eine treue Seele in's Elend; jetzt stehe ich verwaister, als die Palme in der Wüste. Gelobt sei der Herr! Gesegnet sei meine Zunge und Ihr, deren Glück einzig ist mein Werk." – Mit Tränen in den Augen riss er sich von den Wonnetrunkenen los, und ging hinaus in den Forst, wohin er durch eine Lücke im Gehege drang. Unter einem von Buchen gewölbten Dome warf er sich auf seine Knie, und betete, nach seiner Väter Weise, zum Herrn der Himmel, der hoch oben seine Sterne schon angezündet hatte. "Vergib mir, Gott Israels!" beteten seine Lippen zum Schlusse: "vergib mir, wenn ich gehandelt habe wider Deine Gebote; aber ich – habe gehandelt nach der ewigen Tora, die da wohnt in jedes Menschen Brust. Verzeih', dass ich freiwillig dahin gab eine Tochter Zions, da sie doch, spät oder früh, gezogen wäre zum Berge Seir, statt zu wohnen, in dem herrlichen Salem! So habe ich doch gehalten den Eid, den ich geschworen in meines Vaters sterbende Hand, so habe ich doch geübt Dankbarkeit, so habe ich doch gelassen mein Kind im Schutze der Gewalt und der Macht, nicht im Staube Deines auserwählten volkes, das noch immer Dein Zorn darniedertritt, wie einen Grashalm. O baue, baue Zions Zinnen recht bald, starker eifriger Gott! O lass mich finden im Paradiese die Tochter und den heldenmütigen tugendhaften Jüngling! Du prüfest ja Herzen und Nieren! vor Dir ist der Behemot eine Milbe. Und also kann auch Deine Gnade reinigen den Ungläubigen zum Sohne Jakobs. Mit mir aber, so lange ich auf Erden lebe, tue nach Deinem Gefallen, Herr. Ich bin geworden unter Deinem Zorne und den Streichen der Feinde ein Wurm statt eines Menschen, ein Spott der Leute, eine Verachtung des Volkes, aber gesegnet sei Dein Wille, gelobt Dein Name, gepriesen Deine Herrlichkeit; hochgelobter, unendlicher ewiger Gott!" – Gestärkt und ermutigt stand der arme David auf, und ging davon; allein zu Ester kehrte er nicht mehr zurück.
Fünftes Kapitel.
Sieh doch zu, Junge, wer jener Mann ist. Sein
Gesicht weissagt nichts Gutes, so wie sein Rock
nur Trübsal. Den hagern gelben Leuten traue ich
nicht eine Spanne weit!
Aus einem veralt. Schauspiele.
"Lasst den Hund laufen, gelehrter Herr! Der Bube entläuft seinem Galgenholze nicht. Schade, dass mein Bolzen ihm nicht in's Bein flog, sondern durch die Mütze. Er wäre ansonst gewisslich nicht davon gerannt wie ein Heide!" – "Der elende Mensch!" antwortete dem alten Ammon der Mann, der, schier gekleidet wie ein Cleriker, vor dem Jäger auf einem Feldsteine sass, und ausschnaufte: "Mein ganz Gepäkke hat er mitgenommen, und ich dank es nur Deiner hülfe, guter Mann, dass ich mit dem Leben davon gekommen bin; der Schurke hatte nicht wenig Lust, mich auch des Geldes zu berauben, das ich im Gürtel trage." – "Aber sagt mir doch," fragte Ammon, "wie's kommt, dass ein gelehrter Herr, wie Ihr, um diese Abendzeit allhier im Busche zu finden ist? Euch Herren gehts doch nicht, wie einem armen Teufel, der seine Füsse brauchen muss, statt des Fuhrwerks." – "Du weisst es alsobald;" versetzte der Mann im aufgeFriedberg zu gelangen. Der Karren brach jedoch, eine Stunde weges von hier, so ungefähr." Ich sass missmutig und halb zerschlagen am rand der Heerstrasse, und wartete bei meinem Gepäck die Rückkehr des Fuhrmanns ab, der auf dem Gaule nach Leuten und hülfe geritten war. Wenig Menschen auf der Strasse. kommt plötzlich durchs Feld und über Wiesenpfade ein Mann daher, rüstig und stark darauf losschreitend, den Dornstock in der Hand, und also scharf um sich blickend, und dennoch sorglos vor sich hingehend, als sei er wohlbekannt auf all diesen Stegen und Wegen rings im Land. Da mir's zu lange dauerte, bis mein Knecht zurückkam, so fragte ich den Wanderer nach demselben, und verriet ihm meinen Unfall. Da meinte er, ich könnte wohl noch lange vergebens warten, und am Ende schon zu Friedberg sein, ehe der Geselle vom dorf zurückgekommen, wenn ich nur i h m folgen wollte auf abkürzendem Pfade, den er genau zu finden wisse. Mir war der Vorschlag recht, und ich trug nur Zweifel wegen meines Gepäcks. Der breitschulterige Mann lachte, und meinte, es wäre ein blosses Kinderspiel für ihn, mir das Gepäck zu tragen bis zur Herberge zu Friedberg, und wenn ich ihm daselbst zum Lohne einen frischen Trunk wollte reichen lassen, so würde