ich ging über Feld, legte ich das Töchterlein der Mutter auf's Gewissen, und drohte ihr, wofern dem kind widerführe etwas Leides, sie zu verstossen aus dem haus und der Ehe, so wie's das Gesetz erlaubt. Gewiss, – Gott soll mir helfen – ich hätt' es nicht getan, aber die Angst war gekommen auf das Weib, und es meinte, sterben zu müssen auf dem Fleck, als es eines Morgens – da ich abwesend war, und mein Töchterlein erst alt drei Wochen – das Kind tot fand in der Wiege; denn die Katze hatte sich hereingeschlichen vom Nachbarhause, und sich gelegt auf des Kindes Hals, und dasselbe also erstickt. Die Mutter erhob kein gross Geschrei, denn sie wollte nicht kund geben ihre Nachlässigkeit, allein sie setzte sich in den Winkel neben das tote Kind, und weinte bitterlich, und da gerade der Vater Jochai hereinkam, so redete sie zu ihm: 'Raaf! sieh hier das Kind. Dein Sohn verstösst mich; so er's erfährt, und ich bin doch unschuldig. Hilf mir, dass wir beten über das Kind, ob es vielleicht erwache, ehe noch der Vater heimkommt mit den Buben.' Und sie beteten über das Kind, und Gabriel erweckte es nicht. Da nun mein Weib wieder, anhob zu klagen, so sagte der kluge Greis Jochai: 'Schweige, Weib: Ich will gehen hinaus, und sehen, was mir der Herr eingibt, oder der Prophet Elias.' – Und nicht lange war er fort gewesen, so kehrte er wieder zu der betrübten Mutter, und trug ein klein Mägdlein auf dem arme, und redete: 'Weib! sieh hier; was mir hat Gott bescheert. Draussen an der Strasse hab' ich gefunden ein Bettelweib im Sterben, und das Würmlein hier an dessen Brust, die doch keine Nahrung mehr gab. – Mutter, sagte ich, weil mir's der Herr eingab: willst Du mir erlauben Dein Kind, ehe es mit Dir stirbt? Ich bin ein ehrlicher Mann. – Das Weib sah schon nicht mehr hell und wusste nicht, dass ein Jude zu ihm sprach: es reichte mir aber das Mägdlein hin, und sagte: "Nimm' ehrlicher Mann, und Gott vergelt's. Getauft ist das Kind, und heisst Marie." – Es war der Armen letztes Wort; sie starb, und hier bringe ich Dir die Kleine, damit sie eine Jüdin werde, und Davids Herz nicht betrübt sei bis in den Tod.' Legten die beiden das lebende Kindlein von gleichem Alter und selbem Ansehen an die Stelle des toten, das sie heimlich fortschafften, und da ich wiederkam, liebte ich das Kind wie zuvor, und habe es erzogen, und nicht anders gewusst; als bis ich von Jochai auf seinem Sterbelager erfahren, was er getan; wofür ich ihn noch segne, denn mein Weib ist hinüber gegangen im häuslichen Frieden, mein Herz war nicht betrübt bis in den Tod, und ich vermag's, zwei Herzen zu verbinden, die sich lieben, denn Du, Ester, .. wahrlich ... Du bist jenes Kind."
"Eine Christin?" rief Dagobert frohlockend. "Nicht Deine Tochter?" fragte Ester mit einer Empfindung gemischt aus Freude und Wehmut: "So steht ja unserm Bunde nichts im Wege?" fuhr Dagobert fort: "Marie! Geraubt aus unsrer Kirche kehrst Du doch wieder dahin zurück, zum Glück der Zeitlichkeit, zum Glück des ewigen Lebens. Marie! o lass uns den Greis segnen, der noch am Sterben seinen Betrug offenbarte; lass uns diesen ehrlichen Juden segnen, der die Hinterlist seines Volkes verschmähend, uns bekannt gemacht mit dem Geheimnisse, das uns ohne Widerrede verbindet!" – Dankbar gerührt reichten Beide dem Juden die hände. "Es quält mich, wie es mich entzückt, dass ich nimmer Deine Tochter sein soll;" sprach Ester: "Ganz verwaist stehe ich nun da in dieser Welt." – "Hast Du nicht mich, Deinen Freund, Deinen Gatten?" erwiderte Dagobert: "Hast Du nicht den Heiland wieder gefunden, Du, nach seiner Mutter genannte? O, ich ahnte oft, was sich jetzt entdeckt! Du warst nie eine Jüdin; du teiltest nie den Hass jenes Volkes gegen Andersglaubende, Du warst stets so rein, so züchtig, wie die Heilige, deren Namen Du führst." – "Ich bin wie im Traume!" stammelte Ester, sich dem Arm des entzückten Jünglings überlassend: "Was ich wünschte, wonach ich mich gesehnt, ist längst geschehen, ich bin schon eine Christin; darf nicht vor allem volk den Schwur leisten, nicht erst betteln um das Bad der Weihe, denn ich hab es schon empfangen, oder, mein Freund, muss dieser Gebranch erneuert werden, um .....?" – "Nein, nein," fiel Ben David ängstlich ein: "Nein, nein, mein Kind. Es wird ja nur getauft e i n m a l , und war' es nicht Sünde, zum zum zweitenmale es zu begehren?" – "Sündlich und überflüsiig;" versicherte Dagobert: "Wozu ein neues Hinderniss auf die Bahn zu unserm Glücke schleudern? Marie! Nun bist Du mein. Nun hat dieser Mann keinen teil mehr an Dir, keinen Anspruch, als auf meine