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erweisen im stand war, will dankbar mich dem Herzog Friedrich anempfehlen, dass meine Freilassung von dem Kirchendienst vom neuen Papst bestätigt werde, und dass der Herzog so schleunig als er kann, das Geld ersetze, so er von Dir geliehen, armer Ben David. Mein, Vater, willfährig gegen meine Wünsche geworden, hat mir erlaubt ihm eine Tochter zuzuführen, sobald mein Handel mit Rom ausgeglichen und will nicht fragen nach ihrem Stand, nicht nach ihrem Namen, nicht nach ihrer Habe."

"So bringe ich denn, mein zierlich Mägdlein, mein Werben bei Dir an. Das Geschick hat uns so oft und wunderlich zusammengeführt, dass es des himmels sein muss, dass wir uns näher angehören. Schlag' ein in meine Hand: Dein Vater wird sich nicht weigern, in Dein Glück zu willigen."

Bei dieser Zuversicht überflog eine zitternde Bewegung Ester's Körper, und ihr Mund stammelte: "Herr! Ihr überrascht mich ... diese Güte, ... dieser Vorzug ...."

"Ei, meine Ester, ist Liebe denn Güte oder Gnade?" fragte Dagobert lächelnd. "Wenn's ein Vorzug ist, dass ein Reicherer eine minder begüterte Ehewirtin wählt, so hast Du diesen Vorzug über alle massen verdient durch Deine zarte Weiblichkeit, durch Deine Engelstugend, und durch Deine Schönheit."

"Die Schönheit verblendet Euch;" sprach Ben David, schüchtern seine stimme erhebend: "wird sie jedoch Euern Vater blenden? Weiss er, dass Ihr eine Jüdin begehrt, und verpönen nicht Eure gesetz solchen Bund mit der Strafe des Feuers?" –

"Nun, bei Gott!" rief Dagobert: "wenn Ester eine Jüdin ist, so möchte ich die Christin sehen, die ihr gleich kommt. Alle Menschen gleich zu lieben, befiehlt uns der Heiland; und wenn seine Worte nicht immer und allentalben befolgt werden, so ist es nicht des göttlichen Lehrers Schuld: kein Mensch auf Erden ist der Taufe würdiger, als Deine Tochter. Sie sehnt sich darnach, sie hat eingewilligt, aus Eurem Bunde zu treten, und als Christin wird sie vor Gott und Menschen mein Weib!" –

"Welch ein Mann!" seufzte Ester, die hände faltend; Ben David's Stirne überzog ein finstrer Schleier, da er die Augen auf seine Tochter heftete. "Du sehnst Dich nach der Taufe?" fragte er düster und langsam: "Du hast eingewilligt? Tochter! was soll ich Dir sagen, jetzt noch in dieser Stunde? Soll ich zerreissen mein Kleid, wie für einen werten Gestorbenen, oder soll ich mich freuen Deines Glücks in der Zeitlichkeit? Und Ihr, Herr Frosch, ist's Euer ernstlicher Wille, dass Ester sich scheide von mir, und fürchtet Ihr nicht mindestens die Zungen der Welt, wenn Ihr gleich gefangen habt das Herz eines allzuschwachen Vaters?"

"Eines gerechten Vaters," verbesserte Dagobert: "ich scherze nicht mit einer leidenschaft. Ich gebe ihr auch nicht leichtsinnig Raum. Aber hier bin ich fest entschlossen. Du m u ss t zugeben, dass Deine Tochter ihre Irrtümer abschwört; Du musst zugeben, dass sie mein Weib werde; und damit die Zungen der Welt unser Glück nicht stören, und meines Vaters Tage nicht trüben, will ich mich fern von der Vaterstadt häuslich niederlassen, einsam mit meinem schönen Kleinod. Lieb und angenehm ist mir's, wenn Du, Ben David, auch den falschen Herrn vertauschen willst gegen den wahren Glauben, aber selbst im Gegenteile auch soll Dir in der Ferne eine namhafte Unterstützung nicht entstehen; nur magst Du, vor der Welt zum mindesten, meine Schwelle meiden. – Entscheide jetzt und sei klug."

"Also frägt man den Verdammten um Entscheidung seines Schicksals;" entgegnete Ben David, betrübt und im Kampfe mit sich selbst: "Herr! ich bin geworden zu alt, um wegzuwerfen mein Licht und Hort wie ein unnützes Kleid. Herr! ich habe keine stimme der Gewalt gegen eine Tochter, die da liebt, und einen Mann, der mir mein Höchstes nimmt mit dessen Befugniss. Herr! ich bin Euch Dank schuldig, denn Ihr seid ein vornehmer Mann, und begehrt mein Kind, eine schlechte Jüdin, in Ehren. – Ich bin geworden Euer ewiger Schuldner, da Ihr gehandelt habt wie ein Bruder an i h r , wie ein Sohn an mir. – Ich bin Euch, Gott soll mir helfen, verpflichtet, als Knecht, weil ich gesündigt habe gegen Euer Haus, und Ihr mir dennoch wollt vergeben ..."

"Die Verirrung meiner Mutter wird sich milde lösen," entgegnete Dagobert: "ich hege keinen Groll desshalb gegen Dich, ob ich gleich weiss, dass Du vor Gerichte die Wahrheit nicht gesagt, und dass der kleine Hans nicht mein Bruder ist." – "Gott soll mir helfen," versetzte David eifrig, "wenn ich nicht habe gesagt Alles, so wie mir's der Beichtvater Eurer Mutter im Turme hat befohlen." – "Ich dachte mir's," sprach Dagobert: "darum sei ruhig, und fahre fort in Deiner Rede, deren Bedenklichkeit ich mit den Worten der Wahrheit beantworten will." – "Herr;" begann Ben David wieder: "Ihr habt gesagt, ich müsste willigen in Ester's Übergang, in Ester's Ehe mit Euch. Vor dem gesetz Eurer Herren müsste