banger Ahnung vergehend, trostlos, am offnen Tore nieder, den Abziehenden nachstarrend, und ein Gebet für ihren Gatten versuchend; der Leuenberger rennte im hof wie ein hintergangner Teufel auf und nieder; die Knechte glotzten unmutig und leise fluchend dem zug nach, und sandten, da derselbe schon ferne war, noch einige Bolzen und Steine hinterdrein, die jedoch ihr Ziel nicht erreichten. – "Wir sehen uns wieder," hatte Montfort beim Scheiden zu Dagobert gesagt: "und dann stehe ich Euch Rede!" – Wallrade hatte ihm einen vernichtenden Giftblick zugeworfen und schritt verdrossen neben Dagobert hin. In kleiner Entfernung kamen den Befreiten Vollbrecht und der Trompeter entgegen, und jubelten, Dagobert gesund und unversehrt wieder zu erblicken. – "Wahrlich," sprach der Knecht: "wir hatten Angst, da die Zeit verrann und Ihr nicht wiederkehrtet. Und als nun vollends die brücke aufflog, glaubten wir Euch hingemetzelt und sprengten fort. Doch, kaum an jenes Tannengehege gelangt, ersehen wir eine Schaar von Gerüsteten, die eilig heranziehen. Der Trompeter bläst, das Hiftorn des Führers antwortet, und ein Reiter voran, schwingt im Sonnenstrahl die. Lanze. Frankfurter sind's, und, trüge ich mich nicht, an ihrer Spitze der Edelknecht, mein ehemaliger Herr." – Die Söldner kamen so eben heran, und der Hülshofner in eigner Gestalt sprang vom Gaule, und fiel seinem Freunde um den Hals. – "Gott sei Dank," rief er, "dass Euers Vaters Besorgniss vergebens war, und wir, die Nachgesandten, Euch wohl und heil antreffen. Was mich betrifft, der ich freiwillig diesen Ritterzug, Euch zu beschirmen, unternahm, ich bin schier aufgebracht darüber, dass ich nicht für Euch Sturm laufen, nicht für Euch mich herumbalgen darf. Die Hunde sollten meine Faust gespürt haben." – Er erblickte nun Wallraden, und bot ihr, höflich genug für einen rohen Gesellen, sein eigen Pferd zum Dienste an. Das fräulein schlug es, mit einem unwilligen blick aus ihren Bruder, aus. Dagobert gebot seinem Knechte, sein sanftes Pferd Wallraden zu leihen, und half ihr in den Sattel. Während dessen sprach Wallrade hämisch zu ihm: "Dein unzartes Benehmen gegen mich war mir ein Rätsel. Der Edelknecht hat es gelöst. Der Vater hat sicher Friede mit Dir gemacht, und Dein Übermut liess die Überwundne zu fuss gehen, neben dem Rosse Deiner so sehr geliebten Stiefmutter. Nicht wahr, Du stilles wasser, Du ehrliches Auge Du?" – "Ich antworte Dir nur," versetzte Dagobert still, aber, ernst, "dass ich Dir rate, Deine giftige Zunge im Zaume zu halten. Wisse, Unselige; Rüdiger starb in meinen Armen: gebeichtet hat er mir Deine Frevel. Ein Versuch von Dir, den häuslichen Frieden meines Vaters zu stören, und ich spreche ohne Schonung, Du entartetes Weib, Du gefühllose Mutter!" – Wallrade wurde bleich, wie der Schnee, und Dagobert kehrte, ohne ihre Erwiederung zu erwarten, und sie der Leitung Gerhard's überlassend, zu Margareten zurück, welcher der Unmut in seinen Mienen nicht entging. – "Ihr habt mit Wallraden Zwist gehabt?" fragte sie: "O erzürnt Euch nicht um dieses Weibes willen. Gott stärke nur mich. In den wenigen Tagen, die ich auf Neufalkenstein verlebte, hat Wallrade mir durch ihre Bosheit fast das Blut vom Herzen gesaugt; was wird meiner erst warten, betret' ich wieder Dieter's Haus, vor welchem ich mich fürchte, wie vor der Hölle?"
"Der Vater ist versöhnlich geworden," entgegnete Dagobert: "der böse Geist ist von Saul gewichen." – "Ihr seid das Vertrauen selbst," sagte Margarete; "und warum solltet Ihr auch nicht ein Kind sein, das fröhlich und treu Glauben gibt, und Glauben fordert? Ihr seid edel und bieder, ohne Falsch, ohne strafendes Bewusstsein, .... nicht ich also, mein Freund, und darum scheue ich meines Herrn Antlitz und meine Rückkehr in sein Haus!" – "O, Mutter," redete dagegen Dagobert: "wie unglücklich habt Ihr selber Euch gemacht durch e i n e n Schritt vom Pfade der Wahrheit! Versucht nicht, mir Alles zu bekennen, denn ich weiss schon Alles, und als Euer Sohn schweige ich in Ehrfurcht vor Euch. Aber, so wie Euer Mund schweigen mag gegen mich, also mögt Ihr ihn auftun gegen den Mann, dem Euer Vertrauen gebührt, gegen meinen Vater. Bekennt ihm offen Eure Schuld, damit er nicht aus dem mund des Zufalls sie erfahre; vertraut seiner Liebe zu Euch, die nicht erlosch unter der Last von Argwohn, welche er auf seinem Herzen trug, – die nicht unterging unter der Flut von Verläumdung, mit welcher Neid und Bosheit Euern guten Ruf besteckte. Ihr werdet Euer Schicksal durch die Hand geschäftiger Freunde entweder, oder durch ein Verhängniss, das Euch wohl zu wollen scheint, gestellt finden, dass Euer Bekenntniss Euch unnötig, vielleicht gefährlich vorkommen dürfte. Traut aber dieser einflüsternden stimme, die nicht Euer Bestes will, nicht mehr. Das Verhängniss kann gleissen und Euch um so tückischer verderben; Willhild könnte plötzlich wiederkehren ...." – "Ja; Ihr wisst Alles!" rief Margarete händeringend: "Ihr wisst Alles, und Ihr schwiegt bis jetzt? O, welch ein Zufall hat Euch entdeckt .