1827_Spindler_093_252.txt

!" rief sie wild: "Seht, wie der Herold selbst sein Recht verletzt. Tor zu! brücke auf! Geht dem Frankfurter Wichte zu leib!" – Da Veit seine aufmahnende stimme mit der ihrigen vereinte, schickten sich die Knechte willig an, Folge zu leisten. Einer der entfernt Stehenden langte die Armbrust vom Haken und zielte auf den in den Sattel gesprungnen Jüngling, um welchen sich das Häuflein der wehrlosen Gefangenen drängte, das von ihm Rettung und Befreiung erwartete. Der heimtückische Schütze fehlte jedoch sein Ziel, da ein schnell Herbeikommender ihm mit aller Gewalt die Waffe aus der Hand schlug: "Schurke!" rief er: "hüte Dich vor Meuchelmord, und Ihr, Frau Else, gedenkt Euers Herrn und seines Schicksals, das auf der Spitze einer Nadel wirbelt. kommt herzu, ehrsame Frau," setzte der Mann bei, indem er ein bekümmertes Weib in die Mitte der empörten Streiter leitete: "stiftet Ihr den Frieden, und endigt durch Euern Ausspruch diesen Auftritt, der dem Rasenden hier nur Gefahr bringen würde, und den ich ferner nimmer ansehen kann." – "Graf von Montfort!" rief Dagobert mit düsterm Blicke: "wie kommt Frau Margarete zu Euerm Schutz? Ich bekenne, dass Ihr Euch der Weiber unsers Hauses allzusehr annehmt, wenn Bechtram wahr sprach, als er Euch den Stifter des Raubes an dieser hier" auf Wallraden zeigend "nannte." – "Wahr sprach er!" fiel Wallrade giftig ein: "dieser unedle Rittersmann befahl den Frauenraub, und kam selbst, an meiner Qual sich zu weiden, und mich mit seinen unziemlichen Wünschen zu verfolgen." – "Das Letztere ist Lüge," versetzte Montfort: "das Erstre läugne ich nicht und bereue, dass ich, von der leidenschaft des Hasses und der Rache geblendet, unedel an der Nichtswürdigen handeln konnte, und in Gemeinschaft treten mit dem räuberischen Bechtram, dessen Schandgewerbe mir erst klar wurde, da ich in das Junre seiner Wohnnug trat. Seinen Dienst bezahlte ich mit meinem Golde, und Euch, mein kühner Degen, biete ich Vergeltung im ehrlichen Zweikampfe, damit mein Schild rein werde von der bösen Tat. jetzt aber entscheidet rasch das Schicksal dieser Allen, und nehmt sie fort mit Euch." – Dagobert antwortete ihm nicht, sondern heftete den blick auf Margareten, die wie eine ergebne Dulderin da stand, mit geröteter Wange und fliegendem Busen. – "Den will ich sehen, der mir die Schwester raubt;" sprach Veit frech und kühn: "ihr eigner Wille ist's, zu bleiben." – "Wie, ehrsame Frau?" fragte Dagobert staunend: "Spricht der Mensch die Wahrheit?" – "Der Wille, recht zu handeln," entgegnete Dieter's Gattin, "hat mich aus meines Herrn haus geführt und in dieser Leute Hand gegeben. Ich fürchte jedoch, ich darf nimmer wiederkehren zu meinem Herrn, und eh' ich der unverdienten Schande mich überlasse ....." – "Eher wolltet Ihr dem Strassenräuber folgen?" fragte Dagobert ernst: "Mutter, das sprach nicht Euer g u t e r Wille, und um den bösen Geist zu bannen, schwör' ich's Euch, Ihr werdet offne arme in Euerm haus finden." – "Dann, ja dann ..." lispelte Margarete überrascht und zögernd. – "Nichts dann! nimmer dann!" fiel Veit brausend und tobend ein: "Pest und roter Hahn! Eine Leuenbergerin wieder zurückkehren zu dem Ellenprinzen, gleichsam wie in Sack und Asche? Des Todes ist der Bube, wenn er nur Deine Fingerspitze berührt, wankelmütige Grete." – "Der Leuenberger hat Recht," schrie Else dazwischen; "und ich bin die Herrin auf Neufalkenstein, und ehre wohl den Herold der Stadt Frankfurt, aber den ungeschliffenen Gast, der in meines Hauses Rechte greift, lass ich in's Verliess werfen. Tor zu! brücke auf, sage ich noch einmal!" – Nun eilten die Knechte, den Befehl zu vollziehen; Montfort sprang jedoch zwischen Veit, welcher Margareten mit sich fortreissen wollte, und Dagobert, der wütend wie ein Löwe unter das Gesindel sprengen wollte. – "Weib!" rief er der zornroten Else zu, die so eben dem verräterischen Knecht den Strang zum Lohne verhiess: "Weib! Du selbst bringst Deinen Mann unter das Beil des Henkers!" und in demselben Augenblicke liessen sich schmetternde Trompetenstösse vor der Burg vernehmen, die von einigen Hörnern in der Ferne beantwortet wurden. Diese kriegerischen Töne, Dagobert selbst unerwartet, machten auf die Burgleute den Eindruck wie Posaunen des letzten Gerichts. – "Ihr bringt uns alle auf's Blutgerüste!" brüllte Doring dem erstarrenden Leuenberger zu: "Der Bursche hat nicht gelogen. Draussen liegen die Helfer, und wir sind verloren, ein schnell überwundnes Häuflein. Lasst das Weibsbild ziehen, und rettet Eure Haut!" – Veit liess es geschehen, dass Montfort die frohlockende Margarete an Dagobert übergab, und Else weigerte sich eben so wenig, die Wiedereröffnung, des Tors zu befehlen. Die Gefangenen zogen aus, und Wallrade fühlte die Demütigung, sehen zu müssen, wie Dagobert Margareten auf sein Pferd hob, und dasselbe am Zügel führend, neben herging, ohne einen blick, ohne ein Wort ihr, der Heuchlerin, zu schenken. – Frau Else sank, – in ohnmächtigem Grimm und