Tod ist unsre Freiheit. Dank dem Himmel!" – "Ha!" fuhr Else, durch die boshafte Rede des Fräuleins gereizt, empor: "Wenn ich das wüsste! wenn er sterben müsste, trotz Eurer Loslassung! Erwürgen liess ich Euch zur Stelle, und diesem Boten das Haupt abschlagen, als vorausgenommene Rache." – Der herbeigekommene Conrad Schwarz, sammt einigen Bauern, die in Neufalkensteins Kerker gesessen hatten, sammelten sich erschrocken um den furchtlosen Dagobert; denn sie hatten die in Wut auflodernde Frau schon kennen gelernt. Wallrade hielt sich zitternd an seinen Arm. Er machte sich aber ruhig los von der Falschen, und erwiderte Frau Elsen: "Versuchts, mein Amt zu verletzen, und erwartet alsdann die fürchterlichen Folgen." – "Was könnte denn noch Schrecklicheres kommen, wenn Bechtram verloren wäre?" klagte Else mit dumpfem Tone: "Wir sind so lange zusammen gegangen; über dreissig Jahre sind's, haben Freud und Leid, Ehr' und Schmach geteilt und getragen. Wahnsinnig müsste ich werden, ginge er vor mir heim wie ein schimpflicher Verbrecher, ... und noch einmal ... wüsst' ich's im Voraus, ... weder das böse fräulein hier, noch Ihr, der Bruder, trügt Eure Köpfe ganz hinweg!" –
"Lass uns gehen, mein Bruder;" drang Wallrade in Dagobert: "lass uns gehen. Höre nicht auf die Worte des Weibes. Komm." – "Alsobald, mein fräulein;" antwortete Dagobert kalt. "Erlaubt nur, dass ich zuvor Frau Elsen auf das Ernstlichste befrage, ob kein Gefangner mehr in der Veste Verborgen?" – "Else schüttelte schweigend mit niedergeschlagenem Blicke das Haupt." – "Keiner, keiner, mein Bruder!" antwortete für sie und ungestüm Wallrade: "Komm, lass uns eilen!" – Indessen hatte ein junger Knecht dem mutigen Dagobert zugeflüstert, er möge nicht glauben; es sei noch eine Frau im schloss verborgen. Dagobert fragte unerschrocken nach der Versteckten. Wallrade, rot vor Zorn und Ungeduld, bestritt einstimmig mit Elsen die Forderung des Bruders. Dagobert stellte den Läugnenden den Knecht gegenüber, nachdem er ihm Freiheit und Leben zugesichert. – Verräter! herrschten nun diesem Elsens Lippen entgegen, und auch Wallradens mund entfloh eine leise Verwünschung.
"Was soll dieses verstockte Lügengewebe?" fragte Dagobert, als sei e r der Herr Neufalkensteins: "Denkt Ihr mit mir und meinem gnädigen Herrn ein frevelnd Spiel zu treiben? Zittert: ihr möchtet es bereuen. Eine kleine Strecke von hier rastet ein Fähnlein gut Bewaffneter. Glaubt Ihr denn, ich hätte mich allein in Euern Schlupfwinkel gewagt, dass Ihr meinem Begehren solch unverschämten Widerstand geleistet? heraus an's Tageslicht mit der Unglücklichen, die Ihr verborgen haltet; heraus, oder das Spiel endet sich mit Euch nicht gut." – "Wären nur der Hornberger und Eppensteins Wolf zugegen, Ihr solltet bald zahm werden!" murmelte Henne von Wiede grollend. "Gewiss die saubern Gesellen, die gestern Nacht zu Erlebach brannten, sengten und plünderten, wie gottvergessene Heiden?" fragte Dagobert wild entgegen: "Die Missetäter entlaufen ihrem Galgen nicht. Ihr rettet aber Euern Herrn, wenn Ihr ohne Widerrede bekennt, und heraus gebt, wen Ihr widerrechtlich zurückzuhalten Lust bezeigt." – Else schwieg noch unentschlossen; da drängte sich aus dem Haufen der Burgleute der Leuenberger vor, mit seiner gewohnten Frechheit gerüstet, und seine Unverschämteit gleichsam überbietend: "Tut nicht so patzig, Neffe!" rief er: "Auch den Heroldsrock sammt dem Herzen darunter, zerreisst mein Stahl, wenn's nötig ist. Hier aber habt Ihr eben so wenig Recht, das Wort des Herrn zu führen, als wir der Heimlichkeit bedürfen, um u n s e r Recht darzutun. Das Weib, das hier zurückbleiben muss, wird, und sogar w i l l , ist meine Schwester, Eures Vaters Frau, die er schändlich aus dem haus hat gestossen, er – der Krämer, eine adeliche Leuenbergerin. Schutz hat sie bei mir gesucht, und bei Pest und rotem Hahn; ich will sie schirmen wie der Vogt das Kloster. Euere Schwester nehmt immerhin mit Euch; sie ist eine Hexe, die den Klügsten kirre macht, und hinterher verläumdet. Ihre Schlangen hätte mir fast das Leben gekostet. Fort mit ihr; aber Margarete bleibt bei mir." – "Frau Margarete hier?" fragte Dagobert staunend: "Margarete hier in Haft? Wenn Euch Euer Leben lieb ist, gebt sie heraus." – "Das Weib geht mich nichts an," erwiderte Else trotzig: "Der Bruder hat Gewalt über die Schwester." – "Der Mann hat grössre über sein Weib!" versetzte Dagobert: "Gebt sie heraus, die Hausfrau eines Altbürgers von Frankfurt." –
"Der Teufel hole Frankfurt, seine Bürger und alle leichtfertige Waare, wie Wallrade ist!" fluchte der Leuenberger: "Neffe, reizt mich nicht. Meine arme Base ist schon von Eurer Schwester in's Grab geärgert worden. Meine Schwester soll nicht zu grund gehen in Euern buhlerischen Armen, denn nur für Euch gedenkt Ihr sie heimzuführen!" – "Verdammter Hund!" brach Dagobert los, und griff nach dem Schwerte. Die Schaar von Taugenichtsen geriet in Bewegung; Veit zog seine Klinge blank und Frau Else schrie Zeter. "Mord und Tod