Herrn angelangt, fand er diesen und sogar den von der Hitze träg gewordenen Gerhard schon bereit, loszugehen auf die fernen Reiter. "Es ist kein Zweifel" sagte Dagobert, nachdem er Vollbrechts Bericht angehört, "es ist kein Zweifel, dass es der alte Raubgeselle Bechtram ist, der dort hinter dem Busche lauert. Mir sagts meine Ahnung. Aber nicht minder ist kein Zweifel, dass, wofern wir nicht eilen, der Ruhm, hier den Strauss begonnen zu haben, uns entgehen werde, denn ich vermute, der Rat war diessmal seiner Seits auch wachsam. Dort bei den drei Buchen über'm Main sehe ich Bewaffnete ans Ufer laufen. Sie tragen die Stadtfarbe, und ich wette, sie suchen die Fürt, um ihres Wildes nicht zu fehlen. Drum frisch voran, ihr Gesellen!" – Wie der Wind sprengte er den Andern voran; ihm nach trabte Hülshofens schwerfälliger Hengst, auf welchem der Edelknecht sass wie ein Mann von Erz. Vollbrecht knüpfte sich den Streitammer an die Faust, und spornte seinen Klepper dergestalt, dass er nur wenig hinter seinem Herren zurückblieb. Die Raubscene hatte schon begonnen, als die Reiter noch fern von dem Schauplatze waren. Der Besitzer des Wagens, der völlig sorglos unter dem schattigen dach sass, ein schlichter Wollen- und Hanfhändler aus der Gegend, wurde zu seinem Schrecken von dem Anrufe der Buschklepper aus dem Schlummer geweckt, in welchen ihn die drückende Hitze gewiegt hatte. Schlaftrunken griff er mit der Rechten nach dem Haudegen zu seiner Seite, während er mit der Linken, am Leitseil reissend, die müden, vom Sandweg erschöpften Gäule zu einem wiewohl vergeblichen Rennen antreiben wollte. Dieser Versuch belohnte sich aber schlecht. Ein grausamer Stich streckte das Leitpferd nieder, und ein gewaltiger Hieb lähmte den Arm des unglücklichen Kaufherrn. Der Wagen hielt. Mächtige Fäuste langten unter die Decke, und zogen den von Schmerz halb ohnmächtigen Eigentümer hervor in's Freie, – warfen ihn unter den Wagen, wie ein unnützes Stück Holz. Der arme konnte diese Misshandlungen nur mit einem ängstlichen Gewimmer erwiedern, das die Unmenschen verlachten, die sich alsobald an die Beraubung des Wagens machten. Die Bündel und Päcke, die darin aufgeschichtet lagen, schienen ihnen teils zu gering an Gehalt, teils zu unbequem zum Fortschaffen, und so eben rissen sie unter den grimmigsten Drohungen den Kaufmann in die Höhe, um ihn nach Geld zu durchsuchen, oder ihn zu zwingen zu gestehen, wohin er sein Geld verborgen habe, als der den Befehl führende Ritter einen blick in die Höhe warf, und zu seinem Missverguügen wenige Pferdslängen von der Stätte entfernt, drei Reiter ersah, die gerade auf ihn und seine Leute losrannten, mit unverholner drohender Geberde. – "Hagel! Strahl und Pestilenz!" schrie er: "Auf, ihr Buben, schlagt den Hund vor den Schädel, und setzt Euch zur Wehre! Frisch, auf die Schurken dort!" – Zum Glück für den Kaufmann, der unter dem Eisen der Knechte sein letztes Stündlein mit Zittern und Zagen erwartete, waren die Retter schnell da, wie Gottes Blitz und seine Gerichte. Gezwungen, sich vor den einhagelnden Hieben zu schützen, und zum Beistand ihres Herrn angerufen, liessen die reisigen Knechte den Misshandelten ledig, und das Handgemeng begann zu wüten. Dagobert war auf den Ritter losgestürzt, und beschäftigte ihn mit blitzschneller Klinge, während Gerhard einen nach dem Andern von den Knechten vom Gaule rannte, durch die Wucht seines Ansprengens allein. "Gib Dich, grauer Raubknecht!" donnerte er hierauf dem Herrn von Vilbel zu, und hieb ihn mit der flachen Klinge auf die Faust, dass er des Pferdes Zügel fahren lassen musste. – "Kreuz, Stein und Strahl! Vermaledeiter Hülshofen!" fluchte Bechtram, und Dagobert riss ihn vollends vom Pferde. Der alte Raubgeselle wehrte sich noch am Boden, wie verzweifelt, aber sein Grimm erstarb in Ohnmacht, und Tränen der Wut perlten in seinen grauen Bart, da er seine hände gebunden, und sich aller Waffen beraubt fühlte. Die Söldner der Stadt, die mittlerweile über den Strom gesetzt hatten, machten vollends reine Arbeit und knebelten die beiden Knechte des Stegreifritters. – "Ritterliche Haft! ritterliche Haft!" bat der überwundne und gedemütigte Bechtram, die gebundnen hände zu Gerhard und Dagobert aufhebend. "Den Teufel auf Deinen Schurkenschädel!" antwortete ihm der Hülshofen: "Ich will Dich lehren, wackern Kämpen die Freundschaft zu versagen, hochmütiger Dieb! Sieh her, wie Du den armen Mann zugerichtet hast; setzte er hinzu, auf den Kaufmann zeigend, der sich mühsam herbeischleppte: armer Heinz Duke! wohl erkenne ich Dich in dieser Jammergestalt. Ich habe schon manches Wollenwamms bei Dir gekauft und auch manches geborgt. Stehe ich allenfalls noch auf Deinem Kerbholze, so kannst Du mich dieses Dienstes wegen auslöschen, und Dir die Freude machen, aus Deinem schönen Hanf einen Strick für diesen Buben zu drehen, der ihm fein und glatt zum dikken Halse stehen soll."
"Niederträchtiger Klopffechter!" schnaubte Bechtram wild, und dieses Wort wäre mit einer entsetzlichen Misshandlung bestraft worden hätte sich nicht Dagobert des Gefangenen angenommen, den Überwindern Mässigung gepredigt, und darauf gedrungen, schnell nach der Stand zurückzukehren mit der guten Beute. – Seine Worte wurden befolgt, – Ritter und Knechte auf die Gäule geschnürt, und Reiter, Fussknechte und Wagen zogen bald wie stolze Sieger in der wichtigsten Fehde in Frankfurt ein. Der jubel des volkes donnerte