Lauerblicken des Gesindes. Ich verlange nun nichts mehr zu gelten, als eine Magd, und frage nur aus teilnehmenden Herzen nach der holden Ester, deren Haus so schmählich zu grund ging." – Dagobert flüsterte ihr in's Ohr, dass Ester sicher sei, und wollte fort. Da klammerte sich Hans an ihn, und fragte: "Schon wieder, lieb Brüderlein, willst Du scheiden ohne Gruss und Kuss für den armen kleinen Hans?" – "Ach, Du armer Bube!" redete Dagobert zu ihm, und zog ihn zu sich empor: "Du armes Unglücksmännlein! kannst Du mir nicht sagen, wo der rechte Johannes ist?" – Der Knabe sah ihn gross an, und erwiderte: "Ich verstehe Dich nicht, lieber Dagobert. Aber in der Erde oder im Himmel muss er sein, glaube ich." – "I n der Erde, im Himmel?" versetzte Dagobert düster: "O Du sagst die Wahrheit, Du armer Bube." – "Was habt Ihr denn, guter Junker?" fragte Fiorilla teilnehmend. – "Du verstehst mich auch nicht, Blümchen," erwiderte Dagobert, seinen Trübsinn zum Scherz zwingend, und wollte Gott, ich verstünde mich selbst nicht, und wäre noch wie wohl sonst, und könnte hier den Buben lieb haben, wie sonst, und wüsste nicht .... aber wahrhaftig, ich rede töricht Zeug, und wünsche doch nicht, dass Dein Mund meine Tollheit verrate, meine Freundin. "Hörst Du?" – "Habt Ihr nicht erfahren, dass ich schweigen kann?" fragte Fiorilla entgegen: "Aber so gebt doch dem guten Jungen, der schon lange sein Mäulchen spitzt, einen Kuss, bevor Ihr geht." – "Das will ich;" sagte Dagobert, indem er dem Hans einen derben Schmatz aufdrückte: "Da, mein kleiner Hans! Und wenn ich wiederkehre, bringe ich Dir einen Butterwecken mit, damit Du glaubest an meine Freundschaft." – "O ja," rief der Kleine fröhlich hüpfend: "Einen Wecken und die gute, liebe Mutter; nicht wahr, Dagobert?" – "Deine Mutter? Deine gute, liebe Mutter?" fragte Dagobert schnell und überrascht; dann setzte er mit einem stillen Seufzer hinzu: "Ja, mein Hans, D e i n e r Mutter gilt auch mein gang. lebe' wohl!" – Mit einem bittern Zug um den Mund stellte er den Knaben nieder, und eilte, was er nur konnte, dem Tore zu, unter dessen Schwibbogen Gerhard und Vollbrecht seiner harrten, denn der Mittag kam mit Macht heran. Der Hülshofner fluchte wie ein Heide über des Junkers langes Aussenbleiben, und behauptete: entweder sei der Gaudieb schon wieder seines weges zurückgekehrt, oder die Mittagssonne würde sie verschmachten lassen, bevor sie einen dienlichen Hinterhalt erreicht haben würden. Dagobert ermangelte nicht, ihm wie gewöhnlich Trost zuzusprechen, und seinen erkalteten Eifer anzufachen. Er verhiess ihm frischbelaubte, starkschattige Eichbäume, um sich darunter zu lagern, eine kühle Quelle, um den verdorrenden Gaumen zu netzen, und Abends, ob nun das Gelingen den Plan krönen würde, ob nicht, etwas Besseres, als kühles wasser zur Erquickung. Diese Prophezeiungen willig für ein Evangelium haltend, trabte Gerhard dem voraneilenden Dagobert nach, der, seinen Gedanken nachhängend, wenig auf die vielen fragen des Kämpfers erwiderte. Eine ziemliche Strecke von der Stadt entfernt, dem Gutleutause gegenüber, fanden die Reiter gut, zu rasten. Aber da war nicht Eichbaum, nicht Quelle, sondern ein dürrer Erdaufwurf, hoch genug, Gaul und Reiter zu verbergen, umschattet von magern Schlehenbüschen, die dem kleinsten Sonnenstrahl willig den Durchgang liessen. Vollbrecht hatte jedoch in beträchtlicher Entfernung einige Gestalten auf dem krummlaufenden Wege bemerkt, die aus dem Forste zu kommen, und Reisige zu sein schienen. Gerhard hatte sich desshalb in sein Schicksal ergeben, in die Ginsterbüsche niedergestreckt, und den Schatten seines Pferdes in Anspruch genommen. Dagobert hielt rüstig und lauernd hinter den Schlehenbüschen, durch welche sein scharfes Auge, sowohl den Gayner Weg, als auch das jenseitige Ufer des Mains im Visir hatte. Vollbrecht hingegen, hatte seinen Klepper an einen Erlenstrauch geschnürt, und kroch auf allen Vieren, von Haidekraut und Dornbüschen versteckt, nach der Richtung zu, in welcher er die besagten Gestalten wahrgenommen zu haben vermeinte, um Kundschaft zu bringen, und der Erste bei der Hand zu sein. Je weiter er auf diese Art kriechend vorrückte, je gewisser wurden seinem Blikke die Umrisse der Gestalten, und er erkannte endlich deutlich drei Reiter, von denen einer vor dem andern daherzog. Ihre Annäherung verzögerte sich indessen ausserordentlich, da ihrer Pferde Schritte bald inne hielten, bald langsam vorwärts rückten. Lange versuchte Vollbrecht vergebens, die Ursache dieses ungleichen Rittes zu enträtseln; endlich aber bemerkte er, wie auf einem querfeldein laufenden Feldwege ein Wagen daherkam, bedeckt mit einem Segeltuche, und von zwei Pferden bespannt; ein Fuhrwerk, wie es sich die Kaufleute der Landstädte zu ihren Reisen über Land anzukaufen pflegten. Da nun, je näher der schneckenähnliche Wagen kam, auch die Reiter je mehr und mehr inne hielten, und sich endlich an den Saum des Weges zogen, wo einige dicht verwachsene Hecken und Bäume sie verstecken konnten; so zweifelte Vollbrecht keineswegs daran, dass die Herren es auf den Karren abgesehen hatten, und machte sich unverzüglich auf den schnellsten Rückweg. Bei seinem