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rührenden Schauspiels gewesen war. Bei dem Eintritte in das väterliche Haus sah Dagobert den Mann ihm entgegentreten, in welchem er alsobaldnächst Gottdie Wurzel dieser ersöhnten Vereinigung erkannte: den Predigermönch Johannes, seinen würdigen Lehrer. "O, wie lieb ist mir's," rief Dagobert: "dass dieses weisse Friedenskleid mir entgegen kommt, und nicht die schwarze Kutte meines Ohms. Gott segnet meinen Eingang hier durch Euern Empfang, hochwürdiger Herr!" – "Der Mensch ist nur ein schwaches Gefäss, so lang ihn seine Begierde regiert;" erwiderte Johannes: "aber herrlich und stark, wenn der Herr ihn besucht, in seiner Gnade. Seht hier einen solchen Herrlichen und Starken" – fügte er bei, indem er auf Dieter deutete, der mit seligem Lächeln daneben stand, und die Hand auf Dagoberts Schultern hielt, als ob er befürchte, den Wiedergefundenen auf's Neue zu verlieren. – "O mein Lehrer und Freund!" fragte Dieters Sohn: "Noch Gestern so unglücklich, – Heute so glücklich in den Armen des Vaters! womit vergelte ich diese unerwartete Gnade?" – "Mit Versöhnung;" entgegnete Johannes, nach der tür zeigend, durch welche sich langsam und feierlich der Prälat von Cesena herein bewegte. Das Gespreizte und Gezwungene seiner Haltung, die heuchelnde Freundlichkeit, die auf seinen Lippen und Wangen sass, während der finstere Zug auf der Stirne ein still brütendes Missvergnügen verriet, hätte den scharfblickenden Neffen sicher wieder von der geforderten Versöhnung zurückgeschreckt, wenn nicht der Mönch seine Linke, der Vater seine Rechte ergriffen hätte, um ihn zu dem Eintretenden zu geleiten. – Die Annäherung indessen, welche, selbst der Liebe entbehrend, durch den Einfluss geliebter Freunde dennoch nur zögernd zu stand gekommen wäre, machte sich leichter durch die salbungsvolle Anrede des Prälaten, welcher aus vollem mund seinen Reffen ein Pax cum tibi, mi fili! entgegenrief. Der Verstoss gegen die römische Sprache, der darinnen lag, half glücklich über das letzte Hinderniss weg, denn Dagobert erinnerte sich, in sich lachend, der Zeit, in welcher er den oheim über manchen ähnlichen Schnitzer aufgeklärt hatte, und in diesem Angedenken an lustige Tage, gab er denn seine Hand in die feiste des Prälaten, und sagte; "Gleichfalls, lieber oheim und würdigster Herr! Willkommen auf deutschem Grund und Boden. Es wird Euch schwer gefallen sein, wieder zur Heimat zu kehren, aber besser spät, denn niemals. Gott lasse Euch noch lange deutsche Luft geniessen, und uns Freunde sein. Vergebt mir, was ich vielleicht gegen Euch gesündigt, und ich will Euch herzlich gern jenen gang zum Cardinal vergeben." – Verstummend sah der Prälat verlegen auf den Saum seines Gewandes; aber Johannes erbarmte sich seiner Verlegenheit, und brachte ihn auf einen Text, der angenehmer war, – auf den Unterschied der deutschen und wälschen Lebensweise. Monsignore geriet in verwickelte Abhandlungen, und Dagobert, nachdem er, guter alter Sitte gemäss, vor dem Altar des Hauses ein kurzes Gebet verrichtet hatte, machte Anstalt, wieder zu scheiden. – "In Kurzem bin ich wieder zurück," sagte er zu Dieter, der ihn schwer wieder von der Seite liess: "und mir glückt's vielleicht, etwas zu gewinnen, das Euch lieb und genehm ist, mein Vater!" – "Was kann mir lieber sein, als Deine Nähe, und die des kleinen Hans?" fragte Dieter schmerzlich, sich umschauend: "So weit ich sehe durch das geräumige Haus, so fehlt doch immer die darinnen, welche fleissig hier waltete, ... eine ehrsame Hausfrau, bis mich der Satan beschlich. Nicht minder fehlt die Tochter .... ach, und diese wird immer fehlen, da ich in ihr die Schlange erkannt habe. Ich beklage nur ihr Schicksal, das meines Hauses so ganz unwürdig ist, und zu dessen Entscheidung Bitten und Dringen den Rat noch nicht vermögen konnte. Und das Kind der Unglücklichen ...."

"O schweigt, schweigt:" fiel Dagobert rasch ein: "Ihr spracht wahr, ... sie ist eine Schlange, aber d i e s e s Kind, von welchem Ihr redet, ist ihr fremd, – und gerade darum, ... o mein Vater .... ich wage es nicht diese Rätsel zu lösen, da ich nur einer mildern, günstigern Zeit es vertrauend überlasse! Dem sei, wie ihm wolle; Wallradens Haft bleibt ein Brandmal für unsre ganze Sippschaft, wenn wir sie nicht mit Gewalt zu Ende führen. Dieser Pflicht gilt mein heutiger Ritt, und es wird sich zeigen, ob ich Glück mitbringe oder getäuschte Hoffnung." – Zum Lebewohl reichte er dem staunenden Vater die getreue Hand, und begegnete auf des Hauses Schwelle dem kleinen Hans mit Fiorillen. "Grüss Dich Gott, Mühmlein!" rief er lustig: "Der Teufel ist mit Gottes hülfe ausgetrieben, obgleich der oheim noch im Oberstocke wohnt; bete für mich, schöne Bekehrte, dass der Schwarze gänzlich aus dem Wege bleibt!" – Florille deutete sorglich nach der Treppe, und winkte dem Jüngling Schweigen zu. "Ich sehe es gerne," sagte sie flüchtig und scheu, "dass Ihr Eure Laune wieder himmelblau gekleidet habt, – aber die Vertraulichkeit, die Ihr mir zu Kostnitz schenktet, mässigt vor der Eifersucht des Prälaten, und dem Ernste Eures Vaters, und den