Euch wiederum zu sehen, lebendig anzutreffen, und erlöst aus den Klauen des schwarzen heimlichen Gesindels, ob mir gleich ein schönes Ross dadurch entgeht, und Ihr nicht einmal meiner Neugierde etwas von der Historie, die drüben vorgefallen ist, zum Besten geben wollt." Aber dennoch bin ich nichts weniger, denn zufrieden mit Euch, und ich möchte ausrufen, so oft ich Euch ansehe, wie Ihr da sitzt, trüb vor Euch hinstarrend und wortkarg: "Wo sind sie hin, die Tage von Costnitz? und wie bedaure ich es, dass sie von hinnen gerauscht sind. Und noch mehr: wo sind sie hin, die A b e n d e von Costnitz, wo wir andres zu tun hatten, als der Vehme unsere Reverenz zu machen? Damals blühtet Ihr wie ein Borsdorferapfel, und ich war mit meinem Fett zufrieden; heute seht Ihr blass, und mein Wamms wirft, – Dank der Atzung im Oberstrichters haus, – verdriessliche Falten. Damals gleiteBissen, lecker bereitet und hungrig verschlungen; heute schenkt Ihr nicht einmal einen blick den herrlichen Fleischschnitten und dem Würztrunk, mit welchen Euch der freundliche Wirt vom Einhorn zum Frühimbiss bedacht hat; geschweige, dass Ihr noch so viel Gastfreundschaft bewahrt hättet, mich an Eurer Statt zum Mahle zu laden." –
Der Edelknecht wartete übrigens die Einladung nicht ab, sondern griff nach dem Becher und nach dem Messer. Dagobert nickte ihm halblächelnd zu, und sagte: "Nur zu, altes Sieb; nur zu. Ich gönne Dir's von Herzen, und würde selig und vergnügt sein, könnte ich Dir's nachtun. Ich hätte nimmer geglaubt, dass ich mich einst an Deine Stelle wünschen möchte; allein, alles, was ich besitze, Eines ausgenommen, gäbe ich darum, könnte ich sein ein fröhlicher Tor, wie Du." – "Ein Lobspruch, der mich ärgern könnte;" erwiderte Gerhard mit vollen Backen: "aber .... ich vergebe Euch: Ihr seid verliebt, und der Hagel soll mich treffen, wenn Ihr nicht das Judendirnlein minnt; das wunderholde Gesicht, das während der Mummerei zu Costnitz neben des vertrakten David's narbigem gesicht aus dem Fenster sah. Ist das jedoch eine Liebe, wie sie einem kecken mann geziemt? Lasst das Seufzen und Grämeln einem siechen Weiberknecht, oder einem dünnleibigen Minnesänger; lasst es den scheinheiligen pfaffen, die sich mit Demut und Wehmut, und verdrehten Augen und schmunzelnden Lippen in das Herz einer Dirne schwatzen, bis sie darin ganz unverschämt den Herrn und Meister spielen. Stillt Eure sehnsucht und kümmert Euch nicht um die Welt. Der Kutte seid Ihr ledig, und mir zum Mindesten kommt's nicht wie eine Todsünde vor, eine hübsche Judenmagd zu lieben. Der liebe Gott hat viel Unkraut erschaffen, das demungeachtet anmutig aussieht, und erquickt durch Farbe und Geruch." – Dem Schwätzer war's gelungen, durch die dreiste Auslegung seiner Lebensweisheit dem ernsten Dagobert ein neues Lächeln abzugewinnen. "Guter Freund;" antwortete dieser: "bin ich gleich nicht einverstanden mit Deinen wilden Gedanken, die aufschiessen wie das Unkraut, so beurteilst Du mich doch falsch. Nicht die Minne presst mein Herz, dass es seufzt, und schwerem Gebreste unterliegt. Die Minne ist's allein, die mich aufrecht erhält, und mein Gram wurzelt nur im Vaterhause."
"Ei, so lasst das törichte Haus liegen, wo es liegt, unfern der Liebfrauenkirche zu Frankfurt am Mainstrom," meinte Gerhard: "und geht dahin, wo Euer die Stütze der Liebe wartet. Die Dinge in Eures Vaters haus sind böse, bis auf das Fleisch hinein, wie ich wohl merke. Lasst darum Eure hände davon; nehmt Euer Lieb, hinaus damit in die Welt, und wollt Ihr gar gewissenhaft sein, so lasst das Mägdlein taufen. Dann mag der Teufel selbst es Euch nicht rauben." – "Du malst die Zukunft leicht und schön;" entgegnete Dagobert leichtern Herzens: "und wer weiss, ob ich Deinem Rate nicht folge. Der Herzog von Österreich-Tyrol hat wieder Friede gemacht mit dem Kaiser, und ich glaube doch, ich möchte wohl hinter seinen Alpen ein Plätzlein finden, meinen Herd zu gründen; auch ohne Vatershülfe." – "Ei, der Herzog soll leben!" rief Gerhard, den Becher leerend: "Ist er gleich derb wie ein Eichenknorren, so ist er doch gut wie ein Kind. Ihr wisst, wir sind zuletzt aus Feinden die besten Freunde geworden, und ich habe dem Kaiser die Pest auf den Hals gewünscht, dass er dem Herzog die Eidgenossen auf den Hals hetzte, in der grössten Not, und Schuld war, dass die Länder im Argau, Turgau und Breisgau zum Teufel gingen. Aber von Tyrol hielt Sigmund die grosse Nase weg, und Friedrich, wird er gleich der mit der leeren tasche genannt, vermag es doch noch, einen Freund wie Ihr seid, warm und trocken zu setzen." – Gerhard wollte sich just noch eines Breitern über Dagobert's hingeworfenen Vorsatz auslassen, als der Wirt des Hauses schnell hereintrat. "Denkt Euch doch, Ihr Herren!" begann er, wider seine Gewohnheit schnell und lebhaft redend: "Ein Bauersmann, der meine Küche versorgt mit den Früchten seines Ackers, sitzt so eben unten, und erzählt, er sei dem Schelmenritter, dem von Vilbel begegnet, der nach Hayn zum Grafen von