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seiner Rede: "'s hat hart gehalten, aber, Gott sei Dank; Recht ist Recht geblieben. Wie wird sich meine Mutter freuen, wenn ich wohlbehalten nach haus komme. Sein ferneres Geplauder, wie eine Mahnung der Begleiter sich ruhig zu verhalten, verscholl in der Weite." – "Dieser Mensch hat's glücklich überstanden;" dachte Dagobert für sich: "die Vehme scheint also nicht aus eitel Blutunden zu bestehen; darum Mut, Freund Dagobert. Mut und offnen Helm!" –

Rasch fühlte er sich nun fortgeführt; sein Fuss betrat glattes Steinpflaster; er hörte ein Geräusch um sich summen, wie Reden aus dem mund Vieler, die sich an den Bogen eines Gewölbes brechen. Der Frohnbote hiess ihn stille stehen, und nahm ihm die Verhüllung von den Augen. Dagobert erkannte angenblicklich die Maternuskirche als die Stätte des heimlichen Gerichts. Auf den Stufen, den Altar zu tragen bestimmt, war eine schlichte Tafel errichtet, hinter welcher der Freigraf auf einem stuhl, die sieben ihn umgebenden Schöppen auf niedern Bänken sassen. Vor dem Erstern lag ein Schwert und der Zweig einer Weide. Hinter den Sitzen der Richter standen und sassen teils einzeln, teils in mannichfachen Gruppen, eine Anzahl von Männern, deren sorgfältige Verhüllung, jener der Richter gleich, andeutete, dass sie mit zu den Wissenden gehörten, ob als Frohnboten, oder als echte und rechte Schöppen, jedenfalls ohne an dem Gerichte tätigen teil zu nehmen. Um den Vorgeladenen standen einige Diener des Gerichts in bescheidentlicher Entfernung. Zwei Lampen, von welchen die eine an der tür gehalten wurde, die Andre vor dem Grafen stand, leuchteten in diesem düstern Bau. Die Unterredung der im Kreise Sitzenden dauerte mit Lebhaftigkeit fort, bis endlich der Frohnbote den Freigrafen bescheidentlich erinnerte, dass der Vorgeladene des Weitern harre. Ein Schlag auf den Tisch stellte die Ruhe her. Aller Augen richteten sichunter den bergenden Kaputzen hervorauf den Jüngling, dessen Ruhe und Sicherheit in dem Maasse zunahm, als er mehr und mehr gewahr wurde, mit welcher Sorglosigkeit die so gefürchteten Richter ihr Geschäft betrieben. – Der Freigraf erhob zuerst seine stimme, und sprach: "Ich frage Dich, Frohne, ob es noch wohl an der Zeit seie, in Statt und Stuhl unsers allergnädigsten Herrn, des römischen Kaisers, dass ich ein Gericht und heilig Ding hege, zu richten unter'm Königsbanne." – Der Frohne antwortete: "Sintemalen Ihr von der Freigrafschaft, und von der leiblichen Hand des römischen Königs Fug und Recht zu hegen empfangen habt, so mögt Ihr noch immer tun zu Rechten an diesem Beklagten, Geladenen und Gegenwärtigen." – Hierauf wurde dem Jüngling abermals das Haupt verhüllt; dagegen entüllten Freigraf und Schöppen ihr Antlitz, und entblössten ihre Häupter. Sie legten die Mäntel zurück auf die Schultern und warfen die Handschuhe ab. In Aller Namen sprach der Freigraf die Worte: "So hege ich denn ein Gericht und billig gefeimtes Geding unter'm Königsbann, auf des Königs Bank, Stätte und Stuhl mit diesen echten, rechten freien Männern des Königs, und fürbass mit diesen andern Freischöppen; wie sich's mit Recht gebührt unter'm Königszwang und bei der höchsten Strafe des Strangs." – Die Richter verhüllten sich wieder, setzten sich, und dem Geladenen wurden die Augen freigegeben. Nach den Eingangsfragen, aus welche Dagobert mit harmloser Unbefangenheit antwortete, kam die Reihe im schnell und oberflächlich geführten Verhör auf die Missetaten, deren der Vorgeladene von einem Wissenden beschuldigt worden sei. Dagobert's Herz empörte sich bei der Aufzählung der Verbrechen, die ihm zur Last gelegt wurden, aber diese edle Zorn übermannte nicht das Bewusstsein seiner Unschuld, und raubte ihm nicht die Sprache des kühnen Mannes, der sich stark und kräftig gegen solche Unbill verteidigt. Mit hinreissender Beredsamkeit schilderte er den Unbekannten seines Lebens klaren Weg; wie ihm ein gesundes, gutes Herz stets das höchste Kleinod gewesen, wie er immer seine Eltern geliebt und geehrt, – wie er selbst die Stiefmutter, die ihn gehasst, so kindlich behandelt, dass sie endlich seine vertrauende mütterliche Freundin geworden. Er sagte klar und frei heraus, wie Wallrade ihn stets verfolgt und gehasst, wie er ihr freundlich die Hand geboten, doch ohne Erfolg. Er sprach von der notwendig guten Beziehung, die Judit's letzte Aussagen, und die Kunde vom Aufentalt Wallradens auf seine Sache haben müssten.

"Ich habe also nicht des Vaters Leben einem Mörder verdungen;" sprach er: "ich habe nicht die Schwester in Räubers Hand geliefert; ich habe keinen teil an dem Verkauf des Knaben Johannes gehabt. Die Vernunft spricht mich frei davon. Wird es mir, erleuchteten und weisen Männern gegenüber, schwer fallen, meine Unschuld in den übrigen Anklagen zu beweisen? Nicht die Tat steht mir zu diesem Endzweck zu Gebote; nur das Wort. Aber auch nicht die Tat kann man als Beweis gegen mich aufbringen; nicht das Wort. Mein Wandel war unsträflich bis hieher. Ich habe meinen Vater stets geehrt, und geachtet seine grauen Haare. Ich habe ihm nicht den schlechtesten Pfenning entzogen, und sollte mich an dem höchsten Schmuck seines Hauses, an dem Herzen seines geliebten Weibes zum Diebe gemacht haben? Die abscheulichkeit kann nur aus dem grund einer verläumderischen Brust kommen, und ich verachte sie als Mann und als Christ. Die letzte Beschuldigung endlich, ihr Herren des Vehmgedings, ist nicht minder ungegründet. Buhlschaft unterhalten mit einer