ihm ein Kreuz errichtet."
"Gestern wurde er begraben?" fiel Dieter's Gattin ein: "O mein warnungsvoller Traum! Johannes, Du bist das goldne Kleinod, das in die schwarze Grube sinkt ... und mir einen ewigen Stachel zurücklässt. Kein Wort mehr, Willhild. Er ist tot, bestattet; genug bis auf eine Zeit, wo ich werde weinen können. Eine Frage: Du hast doch beachtet, was ich Dir bei Deinem letzten Hiersein vorschrieb. Du hast geschwiegen?"
"Wie das Grab!" beteuerte Willhild. Ich darf einen Eid darauf ablegen: "Auch hat noch keine Christenseele erfahren, dass das Herrlein ... nicht mehr bei uns."
"So sei es auch ferner!" sprach Margarete lebhaft: "Sein. Tod sei ein geheimnis für die Welt." "Der Vater muss jedoch erfahren ..." meinte Willhild.
"Er am allerwenigsten;" versetzte Margarete herrisch: "Vor der Hand zum mindesten nicht. Du weisst übrigens, was ich Dir auf den Fall des Ablebens unsers Sohnes neulich vertraute?"
"Als ob es gestern gewesen wäre;" erwiderte Willhild.
"Mein Eheherr, fuhr Margarete fort: kaum von schwerer Krankheit genesen, hat nicht das geringste von Johannes Siechtum erfahren. Noch weniger erfahre er seinen Tod, wenn es mir gelingt, wovon ich Dir jüngst sagte, und Du mir Deinen Beistand nicht entziehen willst."
"Gewiss nicht! ehrsame Frau!" gelobte Willhild. "Auch meinen Mann, den einfältigen Kumpan, will ich schon unterweisen. Er kommt ohnediess nie hieher gegen Frankfurt."
"Aber der Pfarrherr, den des Knaben Leiche bestattete ...?" fragte Margarete. –
"I nun!" meinte Willhild, nach einigem Besinnen: "Wenn Ihr nicht schelten wollt, möchte ich Euch wohl gestehen, dass ich, Euren frühern Reden eingedenk, dem Leutpriester von Wiesbaden vorgelogen habe, der Knabe sei mein eigner Sohn gewesen."
"Gut!" rief Margarete und ein Strahl der freude flog über ihr Angesicht: "diese Lüge soll dir herrlich belohnt werden, wenn die Hauptsache erst in Richtigkeit ist."
"Freilich;" versetzte Willhild etwas ängstlich: "ich sehe nur nicht ab, wie ihr das alles in's Werk richten wollt."
"Meine sorge!" sprach die edle Frau: "Wenn nur der Zufall seinen Segen gibt. Es pochte an der tür, leise und verstohlen. Margarete fragte auffahrend, wer ihre Einsamkeit störe. Zu dem Schlüsselloch stahl sich aber eine zarte stimme in's Gemach, die versicherte, insgeheim und auf der Stelle mit der gestrengen Frau sprechen zu müssen. Margarete winkte der Bäuerin in das Seitengemach, und öffnete die tür, durch welche Ben Davids Tochter herein schlich. Wie verschieden war aber ihr Aussehen, ihre Kleidung von der Tracht und dem Benehmen des gestrigen Tages. Statt des seidnen Gewandes, mit köstlichen Blumen besät, mit Fransen geschmückt, und von einem silbernen Reif, der Gürtelstelle war, zusammengehalten, hieng heute ein ärmlich unsauber Kleid um ihren schöngeformten Körper, dessen Reize in der groben Hülle ihr Grab fanden. Die von wollenen Streifen umwickelten Füsse schlurften in schweren Holzschuhen einher, und das blühende Gesicht war unkanntlich gemacht durch die tief anliegende Kopfbinde und den groben kurzen Schleier, der Haar, Wange und Hals neidisch und unbildlich versteckte. In solcher Vermummung musste, wenn es – wiewohl selten – die notwendigkeit erheischte, die musterhaft gebildete Jungfrau ihr Haus verlassen, wie ein Weib der niedersten Volksclasse. Diese abscheuliche Larve musste ihren Wohlstand vor dem Blicke des Neiders, ihre Schönheit vor den Begierden des Wollüstigen sicher stellen und verbergen."
Die Hausfrau war unangenehm durch die Erscheinung überrascht, und fragte hastig und unwirsch nach des Mädchens Begehr; aber ihr Gesicht wurde freundlicher, ihr Wort sanfter, da sie Ben Davids Botschaft vernahm. Sinnend rieb sie sich die Stirne, und sprach nach kurzem Besinnen: "Dein Vater mag noch diesen Abend kommen, in ehrbarer Tracht. Meine Mägde werde ich aus dem haus senden, und eine vertraute Frau zur Türhüterin bestellen. Um die siebente Stunde erwarte ich ihn, wenn die Glocke Achte schlägt, kommt mein Eheherr nach haus, und darf ihn um Alles in der Welt nicht mehr finden. Geh jetzt von dannen."
Margarete wunderte sich nicht wenig, als die Dirne nicht von der Stelle wich, sondern e i n e s Schauens nach einer Schilderei starrte, die über dem Putztische der Altbürgerin hing. Und da das Mädchen auch auf eine wiederholte Mahnung nicht von dannen ging, so wandte sich Margarete mit einem ungeduldigen: Verdammter jüdischer Eigennutz! von ihr ab, suchte nach einigen Hohlpfennigen in ihrem Wetscher1, und drückte dieselben, mit der Weisung, das Trinkgeld zu nehmen, und endlich zu scheiden, in Esters widerstrebende Hand. Ben Davids Tochter kam zu sich, und wies errötend die Gabe von sich. – "Bist du so stolz, schmutzige Jüdin," sprach Margarete dadurch gereizt; "dass Dir dieser Lohn zu gering erscheint, für welchen Andere Deines gleichen einen falschen Eid leisten würden."
"Ob mit diesem Gelde ein falscher Schwur sich bezahlen lässt, weiss ich nicht;" antwortete Ester mit leichtem Unwillen: "aber Ihr könntet meinen gang, ohne mir durch schnödes Almosen weh zu tun, besser vergelten, sonder Geld und Gabe."
"Wie das?