, kann nicht machen ungeschehen, was vielleicht schon ist." – "So gelobe mir," sprach der Sterbende mit mühsam erhöhter stimme weiter, "sie nicht zu lassen zu dem verruchten, vermaledeiten Bad, das sie die Wiedergeburt nennen; halte sie ab, dass sie nicht abschwöre vor dem volk den Glauben aus Canaan. – Schwöre, gelobe!" setzte er zornig bei, da Ben David zögerte und zauderte: "Schwöre, denn dort zu meinen Füssen richtet sich schon der Engel des Todes auf." – Halb ohne Bewusstsein gelobte David, was der Alte begehrte. Jochai beruhigte sich merklich, und sprach: "Der Segen folge diesem Eide, und dem kind, das sich nennt wie das Pflegkind Mardochai's. Und nun, mein Sohn, binde mir auf das Haupt, um die Hand die Tephilum, da mein Gebein schwach geworden ist." – David tat, wie ihm geheissen war. Jochai's Auge wurde wieder starrer, und seine stimme verwirrt. "Die Seele wird unstät im leib," seufzte er unter den Bewegungen des nahenden Endes: "sie durchläuft zitternd die Glieder, weil sie bebt vor dem Engel, der dort steht, und feurige Augen trägt vom Wirbel bis zur Sohle. Hüte Dich, David, dass Du nicht gerätst unter das Schwert des Wilden, der dort unten tanzt wie ein trunkner Fechter. Halte Dich an mich, denn das ist Samael, der die Seelen nimmt derjenigen, die sterben ausserhalb dem heiligen land. Hilf mir, Sohn! Gib mir die Erde des Herrn, die Du trägst auf Deiner Brust, dass ich in der Heimat sterbe, und der Engel Gabriel meine Seele hole3." – Ben David riss das Päckchen von der Brust, und schob er unter den Kopf des Verscheidenden, dessen Blicke noch einmal aufloderten in dem Scheine einer wehmütigen Freude. "Gross ist der Herr!" stammelte seine Zunge: "gekannt in Juda, und sein Name herrlich in Israel. Zu Salem ist sein Gezelt, und seine wohnung zu Zion! Lasst uns ihn preisen, den hochgelobten Gott!" – Hier stockte die Zunge des Erblassenden; seine Augen umdüsterte die in's Leben hereinbrechende Nacht; noch einmal öffnete sich der Mund, und von dem Schwerte des Todesengels fiel der an der Spitze hängende Galltropfen hinein, von welchem das Angesicht bleich wird, und die Seele entflieht4. Aber ein guter Engel, der Fürst der Barmherzigkeit musste hier gewaltet haben, weil freundlich das Angesicht wurde und still wie der Friede. – Ben David zog dem toten das armselige Kissen weg unter dem kopf, stürzte den Wasserkrug um, in welchem vielleicht der Todesbote sein Schwert abgewaschen hatte; zerriss fein Gewand, und warf sich nieder auf dem Boden, wo er trauerte im Schweigen, oder betete, oder jammernd im Staube sich wälzte.
In diesem Zustand fand ihn am Abend der Oberstrichter. Die Wahrhaftigkeit seines Schmerzens hatte selbst die rauhe Brust des Turmwärters gerührt, dass er es nicht gewagt, die teure Leiche dem Trauernden zu entreiffen, bevor der Befehl dazu gekommen sein würde. Starr und schweigend, ohne sich zu erheben, sah Ben David in des Oberstrichters Antlitz, als suche er in den Augen desselben zu lesen. Die Starrheit seiner Züge milderte sich jedoch, da er nichts als Mitgefühl in des Richters Blicken wahrnahm. – "Stehe auf, David;" sprach derselbe zu ihm: "Stehe auf, ich will zu Dir reden." – "Herr;" versetzte Ben David: "ich darf nicht aufstehen; so will es das Gesetz, weil die Erde ist das Lager der bittern Armut, und verschlingt unsern wahren Reichtum. Erlaubt mir, dass ich dem gesetz folge, und redet zu mir, wie ein milder Herr zu seinem Hunde." – "Steh auf, David," wiederholte der Oberstrichter: "mich kümmert nicht Dein Gesetz; und Du magst es üben an anderm Orte und zu andrer Frist. Denn Du sollst frei sein." – "Frei?" fragte Ben David staunend: "Herr! redet Ich auch wahr und redlich? Schwer ist die Kette, aber sie wird schwerer, denn die Welt, wenn man versprach, sie zu lüften, und nicht dem also tut." – "Ich lüge Dir nicht;" erwiderte der Oberstrichter ernst: "Du sollst frei sein." – "Frei?" wiederholte Ben David noch einmal: "hab ich's doch ganz verlernt, wie man ist frei. Gehen in freier Luft, ohne Bande, schlafen unter freiem dach, ohne Schmerz und sorge? verstehe ich Euch? und hat der Rat endlich erkannt die Wahrheit?"
"Er hat sie erkannt;" sagte der Oberstrichter: "der Schurke Zodick ist flüchtig gegangen, und Werkzeuge seiner mörderischen Frevel hat man in seiner wohnung gefunden. Was den abscheulichen Menschenhandel betrifft, den Du getrieben, so will der Rat Gnade für Recht ergehen lassen, in Rücksicht auf die böse Zeit, die ihr, auf Mord und Raub beklagt, ausgestanden habt, damit nicht gesagt werde, wir hätten Euch ungerecht behandelt. Allein, da es sich doch nicht geziemen würde, dass ein von einem Betrüger irre geführter Richterstuhl bekenne, dass er sich übereilte, und die peinliche Ratbank nimmer darauf eingehen wird, sich gegen einen Juden ferner zu erklären, so fiel der Schluss dahin aus, dass Dir zwar die