hatte sie ziemlich genau angegeben. Ein Wetterstrahl hatte eine Scheuer auf Wallradens Gute entzündet, und die Feuergefahr den Hütten der Knechte, wie dem Wohnhause gedroht. Die Notglokke auf dem Türmchen des einsam gelegenen Maierhofs hatte die fern wohnenden Nachbarn herbeigelockt, und einer der fernsten, gerade zu jener Zeit im anstossenden Forste auf seinen Wildgängen verweilend, war mit den Übrigen herbeigekommen, und hatte durch seine entschlossene Besonnenheit das Allermeiste zur Rettung von Wallradens Habe beigetragen. Diese Hülfleistung hatte dem Junker von der Rhön, einem nicht reichen, aber altadelichen schönen mann, gewisse Rechte auf des Fräuleins Dankbarkeit gegeben. Liebe ward daraus, und ein Feind dieser Liebe entstand: des Junkers Vater, der Wallradens minder adelichen Stamm verachtete, und einer Zusage zufolge, seines seligen Waffenbruders verwaiste Tochter, zur Gattin für seinen Sohn erzog. Hingegen fand sich auch ein helfender Freund; ein deutscher Herr, der im nächsten Städchen in Angelegenheiten seines Ordens verkehrte, und täglich auf Baldergrün zur Einkehr war. Er war es, der eines Abends einen Mönch zum Maierhofe brachte, der das Paar, väterlichem Verbote zum Trotz, einsegnete, zu einer Ehe, aus welcher ein Kind entsprang. –
Bis hieher hatte der Altbürger durch unablässiges geschicktes Forschen die Magd in ihren Geständnissen gebracht. Es schien, nach ihrer Verwirrung und ihrer Angst, die sie oft zu Tränen zwang, noch manches Geheime an's Licht des Tages treten zu wollen, – da unterbrach des Schulteissen Willkür, und der Dirne leicht verzeihliche Flucht die Reihe ihrer Bekenntnisse, und Dieter fand darin nur die einzige untrügerische Gewissheit, dass Wallrade seiner ausgezeichneten Liebe nicht würdig gewesen. Zwar fand das fräulein einen kräftigen Verteidiger an dem Prälaten, welchen das Unglück – die unabänderlich erfolgte Absetzung und Verweisung aus seinem Stifte zu Cesena – wieder zum Stammhause getrieben hatte, als einen Obdach suchenden und Pflege heischenden Gast. Allein, so innig Dieter auch den gelehrten Bruder geliebt hatte, so konnten dennoch seine Reden nicht mehr den Eindruck machen, wie vor längerer Zeit, denn Dieter erkannte, je länger, je mehr, den Geist der Heuchelei, des demütelnden Stolzes, der in dem Prälaten regierte, und der Vaterlandsliebe des Altbürgers galten die Worte des Bruders schon desshalb gering, weil dieser Letztere deutsche Sitte und Ordnung nicht aufhörte zu schmähen, und dagegen Wälschlands Vorzüge zu preisen, ob er gleich jetzt aus seiner zweiten Heimat gestossen, unter einem deutschen dach sein Haupt niederlegen musste, an einem deutschen Tische seinen Platz um der Liebe willen fand, aus deutscher, ehrlich erworbner Habe seiner Bedürfnisse Gewährung schöpfte, und von all seiner wälschen Herrlichkeit nur das zweideutigste Kleinod, Fiorillen behalten hatte. Es fiel dem zu Argwohn und Verdacht gereizten Dieter nicht schwer, das wahre verhältnis zwischen dem Prälaten und seiner Freundin zu ergründen; teils jedoch benahm das von Gebrechen aller Art belastete Alter des Monsignore dieser Verbindung das öffentliche Ärgerniss, – teils schloss sich Fiorilla mit wahrer inniger Liebe an den kleinen Knaben Hans, der ohne alle weibliche Pflege geblieben war, weil Dieter, bei der ersten Kunde von Margaretens Flucht, im Aufwallen seines Zorns, die, jede Mitwissenschaft laugnende Else, aus dem Dienste gejagt hatte. Der arme Kleine fand in Fiorilla's Sorgfalt Elsens Pflege in doppeltem Maasse wieder, und Dieter, – sah er die Liebe der Pflegerin zu dem Knaben – bedauerte nur eins so sehr, dass ihm der Zufall Wallradens holdes Töchterlein geraubt, und ihm kein Mittel zu Gebote stehe, etwas Gewisses von dem Schicksale der kleinen hübschen Agnes zu erfahren. Über das Geschick ihrer sogenannten Mutter kam er dafür binnen einigen Tagen in's Klare.
Eine Mönchsgestalt, vom Fieber geschüttelt, und von Blässe entstellt, trat eines Morgens, – der zweite nach jenem Verhöre auf dem Römer, – auf einen Stab gestützt, vor den Altbürger. Dem Leidenden eine milde Gabe zu reichen, war Dieter's erster Gedanke, – aber wie erstaunte er, da der Mönch nicht allein jede Gabe verschmähte, sondern ihn selbst mit einer unerwarteten Kunde beschenkte: mit der Botschaft von Wallradens Aufentalt, von ihrer vereitelten Flucht, von ihrer Rückkehr in die traurige Haft, – von der Gefahr in welcher sie schwebe, von ihrem einzig auf den Vater gesetzten Vertrauen. – Dieter, – obwohl in Zorn glühendob Wallradens Vergehen, fühlte doch sein Vaterherz beben bei dem Berichte ihrer Leiden. Allein, so schnell auch sein Entschluss gefasst war, Alles aufzubieten, um sein Kind zu retten, so schnell gesellte sich diesem Vornehmen auch der Verdacht bei. Misstrauisch mass er den Mönch von Kopf bis zum Fuss, verwickelte er ihn in verfängliche fragen, und liess ihm nicht undeutlich merken, dass er versucht sei, ihn für ein Werkzeug jener Räuber zu halten, und die ganze Botschaft für eine Schlinge, welche seiner Habe, – wo nicht gar seinem Leben – gelegt sei, wie jene Ladung zum Sprünglinsteine gewesen. – In dem matten Auge des Mönchs blitzte eine Flamme ritterlichen Unmuts auf, und seine Lippe warf sich auf, um kühn und trotzig den schnöden Verdacht von sich zu wälzen. Doch bezwang er sich, und erwiderte, so ruhig als die erregte innere Bewegung ihm verstattete, dass er sich willig als Bürge und Geissel darstelle für jedes von ihm gesprochne Wort, dass übrigens das heftige Fieber, das ihn auf einem unfern gelegenen dorf ergriffen, und ihn abgehalten, am verwichnen Tage bereits in Frankfurt zu sein, schon der beste Bürge für sein Verweilen in jeder beliebigen Haft sei, und