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Hütten Jakobs beschirmt, der den Bösen versenkt in die Grube, die er selbst gegraben, – der dessen Fuss fängt in dem Netze, so er selbst gestellt." – "Preis ihm und Dank ihm," antwortete, den Kopf wie beim Gebete neigend, der alte Jochai: "mit uns will er es wohl machen, der starke, eifrige Gott; sein guter Segen wird salben unser Haupt mit Balsam, und sein Fluch verderben den Feind; – aber wie wird es geschehen mit Ester, unsrer Tochter? Mir will zerspringen die Brust, so ich an sie denke, – die Freude unsers Alters, das Leid unsrer Liebe. Sie irrt umher in Amalek, geraten unter die hände des Gottlosen, woraus sie errettet worden, um vielleicht zu fallen in ärgere Stricke. Das, mein David, das quält mich, und frisst an meiner Freude." – "Vertraue, Raaf;" erwiderte Ben David, ob er gleich sein eigen kummervolles Antlitz nicht bergen konnte: "Vertraue; auch sie wird unverletzt wieder kommen zu uns, und werden unsre starke Stütze. In dieser Zuversicht will ich betreten mein gefängnis, wie ein König seinen hohen Saal, und mich niederlassen auf mein Strohlager, wie auf das köstliche Bette des Passah, denn mein Herr ist wieder mit mir, und die hülfe in der Not, und der Glaube, dass wir noch schauen werden das Glück im land der Lebendigen."

Sie standen an der tür ihres Turms, und Jochai segnete den Sohn, mit der Liebe, die den Erst- und Einziggebornen bei seinem Eintritt in die Welt zu empfangen pflegt. Alle Eigenheit, herstammend von Volkssitte und Gewohnheit war während dieser Augenblicke in einem Jeden von ihnen verschwunden, und sie waren nur Menschen, freudige Menschen. Nach langer, von Jubeltränen gefeierten Umarmung trennten sie sich seufzend, aber Beide traten, wie mit Kronen geschmückt, in ihre Gefängnisse, beide hatten eine herrliche Begleiterin in ihrem Gefolge: die Hoffnung, die frisch und grün bekränzte Hoffnung!

Ende des zweiten Bandes.

Fussnoten

1 HebräerFremdlinge. 2 Der Predigermönch Johann von Frankfurt hat wirklich das genannte Buch übertragen.

Dritter Band

Erstes Kapitel.

Ist's der Hass, der wehe tut mit seinen grimmi

gegen Streichen? Argwohn und Misstrauen

schmerzen tiefer, – die fressenden Schlangen.

W ...

Das zweifelhafteste und unschlüssigste Herz, das jemals geschlagen, schlug in des Altbürgers Dieter's Brust. Die Eröffnungen, welchen er auf dem rataus beigewohnt, hatten das Gebäude seines Argwohns bis zum grund erschüttert, aber es nicht gänzlich niederzuwerfen vermocht. Dass nicht Margarete, dass nicht Dagobert den Mord gegen ihn gedungen, dass weder Sohn noch Gattin die geliebte Wallrade geraubt, dass der kleine Hans wirklich sein, bei Willhild verpflegter Johannes sei, das war ihm völlig klar geworden; die Bilder seiner Hausfrau, seines wackern Dagobert's, trüb und düster umflort, bisher in dem Hintergrunde seiner Erinnerung verweilend, näherten sich ihm, heller, glänzender, wie Sterne, die das dunkle Gewölb durchbrechen, aber noch immer zweifelte er an ihrer völligen Reinheit; noch immer versagte er ihrer Unschuld die vollständige Anerkennung; noch immer fand er es möglich, dass ein verbrecherischer Bund zwischen Beiden bestanden, dass Johannes die kelmütig, – so ungleich in seinem Wollen ist der Mensch, – dennoch umklammerte er jetzt mit aller Liebe den Knaben. In ihm sah er jetzt die letzte Stütze seines Alters und seines Hauses; im nächsten Augenblicke fürchtete er den Bastard in ihm zu erkennen. Aber trotz diesen Zweifeln, trotz diesem Treiben zwischen Vaterliebe und der Angst eines Getäuschten, hätschelte und pflegte er den Knaben, da er der einzige zurückgebliebne, der Letzte seiner Lieben war. Margaretens Flucht war ihm entsetzlich, und senkte einen nimmer ruhenden Stachel in seine Brust. Wo war sie hingeflohen? Durfte er jemals hoffen, sie wiederzusehen? Sollte er bereuen, was er gegen sie getan? Sollte er sich beruhigen mit dem Gedanken, dass er ihr getan, wie sie verdient? Ähnliche Zweifel bestürmten ihn, gedachte er Dagobert's, dessen Heimkehr nach der geschehenen Ladung des heimlichen Gerichts sich nicht erwarten liess, da bei dem Namen schon der beschlossenen Acht der Gerechte wie der Schuldbewusste scheu das Kreuz schlug, und entwich, wo er nur entweichen konnte. Und Wallrade endlich? War sie nicht die Beute eines Räubers, vielleicht das Opfer des Mords geworden? Und, kam sie jemals auch in's Vaterhaus zurück, – mit welcher Stirne sollte er sie empfangen? Musste er sich nicht, – wie s i e sich einst von seinem haus losgesagt, – lossagen von i h r , die ihm den Sohn geraubt, ihn der Hülflosigkeit Preis gegeben hatte, von i h r , die den Unfrieden verschwenderisch in seinen Garten gesät hatte, während sie doch selbst auf der Bahn der Schuld geschritten war, wie nur zu deutlich das Töchterlein bewies, mit welchem die furchtsame Magd entkommen war, ehe man darüber völlige Auskunft hatte sammeln können. Die Zofe hatte auf alle fragen, die Dieter an sie gerichtet, mit der grössten Seelenangst geantwortet, und dadurch den Verdacht einer tatkräftigen Mitwissenschaft an der geheimen Verbindung Wallradens auf sich geladen, die sie endlich nicht mehr läugnen konnte. Den Namen des Mannes, der Wallradens Gatte geworden war, hatte sie genannt; einen Namen, den Dieter vorher nie gehört. Den Ursprung jener Liebe, die begebenheiten bis zur ehelichen Verbindung des Paars