." – "Ei, warum denn nicht?" lachte die Alte frech, die hinter die Sprechenden geschlichen war. "Bei meiner Seligkeit will ich geloben ..." "Nichts da!" fuhr Zodick dazwischen: "Bei Deiner Gurgel schwöre, Alte; denn Du trägst sie nicht ganz davon, wenn ich nimmer finde mein Lieb." – Die Alte beteuerte noch mit aller Zuversicht, sie wolle ihre Kehle wagen, denn es sei unmöglich, dass Ester entfliehen könne aus ihrem Gewahrsam. Die Männer möchten nur bald wiederkehren, und ihr und der Tochter einen gehenkelten Silbergroschen verehren. – "Putze die Schemmlinge;" sprach noch Zodick zu der Alten: "Du hast zu hüten zwei Schlangen. Ester und das blödsinnige Tier, Deine Tochter. Wahrlich, wären nicht zu verdienen hundert Mark, ich wollte eher verlieren das Paradies, denn weggehen von der Dirne, meinem Lieb. Aber Dein Leben Alte, ist mir Bürge, dass ich finde Alles im Alten." – "Verlasst Euch darauf;" schwur noch einmal die Alte, und die beiden Mörder machten ihren scheusslichen Aufzug zurecht. Die entblössten arme wurden feuerrot angestrichen, so wie die verzerrten Gesichter, rauhe Kappen über den Kopf gezogen, und ein Lederwamms über die Brust geknüpft, von welchem ein nicht mit der grössten Sicherheit geführter Stoss oder Hieb abprallen musste, wie von einem eisernen Bruststück. Zodick wählte, sein zerbrochenes Handmesser zu ersetzen, einen schneidenden Dolch aus Marten's Rüstkammer, und da er die Waffe in seinen Gürtel steckte, schien er sich mit verdoppelter Grausamkeit und Bosheit ausgestattet zu haben. Von Habsucht und Mordlust glühend, drang er nun selbst in Marten, aufzubrechen, und nachdem er der von seinem grossen Ansehen zurückbebenden Ester noch einmal seine Drohungen wiederholt, und sie abermals der Wachsamkeit der Wirtin empfohlen hatte, stürmte er mit seinem trunknen gefährten dem Schauplatze eines neuen Frevels zu. –
In welchen Qualen Ester zurückblieb, lässt sich denken, nicht beschreiben. Sprachlos starrte sie zu der beräucherten Decke der elenden stube hinauf, und flehte in ihrer Seele um Vernichtung. Judit sass an ihrer Seite mit gefalteten Händen, und betete mit lauter stimme ein lateinisches Gebet. Die Mutter, nachdem sie die Hütte wieder verschlossen, fragte die Tochter mürrisch, was sie denn daher plaudere in unverständlicher Sprache? – "Es ist ein Gebet für die toten;" antwortete die Dirne kurz und ernstaft. – "Ei, welch töricht Beginnen;" schalt die Mutter: "Draussen ist's schwarze Nacht, und schauerlich ist's, jetzt an die Bahre und das Grab zu denken." – "Stirbt nicht einer draussen in der Scheuer am Moor?" fragte Judit entgegen: "Liegt nicht einer schon längst begraben im Moor? Ach, du verderbte und leichtsinnige Mutter! Ich fürchte, wir werden bald zu grab singen müssen, und zehn Jahre meines Lebens gäbe ich darum, wäre diese Nacht schon vorbei." – "Verdient Euch einen Gotteslohn," jammerte Ester, vor innerer Bewegung aufspringend, ... "und schafft mich vom Leben, noch ehe sie vergeht diese Nacht, und wiederkehrt mein Henker!" – "Hättest Du mir auch nicht gesagt, dass Du nicht getauft bist," entgegnete Judit verweisend, – "ich würde es an Deiner Rede hören. Verzweifle nicht an dem Gott über uns, denn so weit sein Sternendach, so weit und unendlich seine Gnade. Er lässt nicht zu Schanden werden, wer ihm vertraut. Für den Gläubigen wird das Eisen in der Hand des Mörders zum kühlenden Palmblatt; denn unser Gott ist nicht zornig, wenn er uns tödtet. Seine Liebe gibt uns den Tod, weil er uns ferner nicht zu missen vermag in dem Vaterhaus der Himmel; und vor bitterer Schmach bewahrt er uns durch den Tod." – "Ich verstehe Dich," rief Ester: "und Dein Mund bekräftigt mir, was ich schon geahnt im geist. In dieser Hütte geht aus der Quell meines Lebens." – "Wenn Gott es will, ja," versetzte Judit: "aber nicht vorgreifen darfst Du ihm. Und wahrlich, wahrlich, Du wirst ferner atmen; ich verkünde dir Leben im Angesicht des bejammernswerten Weibes, das Dich bewacht, wie das verkaufte Schäflein unter dem Messer. Du wirst leben, denn mein Gebet hat Kraft, und meine Ahnung wird lebendig." – "Tochter! Du hast den Verstand wahrlich verloren!" seufzte die Mutter, unruhig in der stube umherwandelnd. – "Nein, Mutter," redete Judit: "Du aber hast Dein Heil verloren, unglückliches Weib, und sie ist, fürchte ich, verstrichen die Zeit der Besserung. Du wirst zur Hölle gehen müssen, wenn nicht meine Tränen ihre Flammen auslöschen." –
"Ach, wie lieblos bist Du gegen mich vor der Fremden!" klagte die Alte mit schmerzlich bewegtem Gewissen. – "Ich hasse Dich ja nicht," antwortete Judit milde, und nahm die Hand der Mutter: "Komm, wir wollen uns letzen, da noch nicht die Stunde da ist. Wir wollen uns vergeben, wie Leute die von der Jammerwelt zu scheiden begehren. Du bist ja meine Mutter, und Dein Schooss hat mich getragen; aber besser wäre es, Du wärst ein unfruchtbarer Baum geblieben, oder noch besser, Deine Mutter hatte nie geboren. Schön ist ein Stamm mit gesunder Blüte und