, kam langsam und finstern Angesichts herein. Ohne zu grüssen, betrachtete sie abwechselnd Zodick wie Ester mit durchdringendem Auge. Der Jude wendete sich verächtlich von ihr, – Ester nicht minder, da sie in den groben und düstern Zügen der Dirne eine neue Feindin zu entdekken glaubte. Judit blieb in ihrer Stellung, bis der Vater sie anfuhr: "Wo streifst Du herum, Dirne? Woher so spät?" – "Ich komme vom Moor," antwortete sie gelassen: "ich habe dort gebetet." – "Du sollst verschwarzen, Greinerin!" zankte Zodick giftig: "Bei dem Reitergesindel hat sie gesteckt in der Scheuer." – "Dort ist der Tod;" entgegnete Judit trübe: "Du witterst den Tod, blutiger Mann, darum bist Du hier." – Zodick spie verächtlich vor der seltsamen Magd aus, und stürzte noch ein Glas hinunter. – "Schlinge nur, schlinge, nimmersatte Gurgel!" sprach die Dirne ernst: "Bald wirst Du hier Blut zu saufen haben, Zodick." – Der Genannte wie die andern schwiegen betroffen, und Judit wendete sich zu Ester mit der Frage: "Wie kommt es denn, dass die Reinheit eingegangen ist in diese Mordhütte an der Hand des blutigen Frevels? Bedauernswerte Jungfrau, – denn Du bist's, – warum bist Du gekommen an diese Stätte des Verderbens?" – Ester suchte zagend in den Augen der Sprecherin, ob Wahnsinn oder eiserne Vernunft aus ihr rede. Judit erriet ihre Gedanken, und sprach viel milder: "Ich bin nicht toll, mein schönes Bild. Alles um Dich her ist nicht Wahnsinn oder Trug; es ist fürchterliche Wahrheit. Dies ist ein verfluchtes Haus; jener dort im Kleid des Elends und der Trunkenheit ist mein Vater; und dieses entmenschte Weib ist die Mutter, die mich Erbarmenswerte geboren. Steh' auf, Weib, von der Seite der Unschuld, dass ich sie näher kennen lerne." – Mit einer gebieterischen Geberde befahl sie der Mutter von Ester's Seite zu weichen, und das Weib, das höhere Zungen aus ihrem kind zu hören vermeinte, tat wie sie begehrte. Zodick machte eine ungeduldige Bewegung: "Wär' mein Kind der verfluchte Lästerbalg," murrte er, "den Kopf hätt' ich ihm eingedrückt in den Windeln. Ein Wort jedoch Alter!" – Er zog den Alten bei Seite, und befragte ihn scharf nach den in der Scheuer liegenden Reitern. Marten blieb dabei, von denselben sei keine Gefahr zu besorgen. Der Eine sei sterbend, ein Zweiter zu seiner Pflege bestimmt, und der Dritte sei, wie er meine, schon von dannen geritten. – "Sind's Reisige, die zurückkommen aus einer Fehde," sagte Zodick überlegend, "so könnte zu finden sein Beute bei ihnen. Warum gehen wir nicht dahin, und bringen sie um, und nehmen, was sie haben? Zum mindesten sind wert die Gäule ihren Schilling." – "Recht;" erwiderte Marten: "wenn nur kein Sterbender in der Scheuer läge! Aber s'ist ruchlos, da zu plündern, wo ein an Gebreste Verschmachtender verscheidet. Das bringt Unglück, weisst Du wohl. Glück bringen nur die Leichen, die wir selbst mit roten Wunden gezeichnet." – Zustimmend nickte Zodick. "Du hast Recht, Marten," sagte er alsdann: "s'ist gefährlich und nicht geheuer. Steht doch zu den Füssen des Sterbenden der Engel des Todes mit seinen tausend Augen, und schlägt herum mit seinem scharfen Schwerte, dass man geblendet rennt in dessen Schärfe! Nein, – wir wollen verharren, bis er sein wird starr, und alles wasser hinweggegossen2; dann wollen wir sehen. Schofel ist's aber, dass in der heutigen Nacht nicht kann werden etwas gewonnen, bevor ich steige zu Bett mit dem Liebchen." –
"Ho! wenn Dir das Not antut und Zwang, so wüsste ich wohl zu helfen;" meinte Marten mit schalkhaftem Zähnefletschen: "Hab's Euch nur nicht anbieten wollen, Zodick, ... oder ... vergebt, ... Friedrich, wollt ich sagen." – "Lasst's beim Alten, trunkener Goi;" schaltete Zodick finster lächelnd ein, "und lasst hören, was es ist." – "Ein glockenhell und unvereitelbarer Fang;" antwortete Marten leise: "Ich weiss von guter Hand, dass heute gegen Mitternacht am Sprünglin Bürger von Bergen nach einem Schatz zu graben gedenken, den ihnen eine nächtliche Flamme verraten, und ein Pfaffe verheissen haben soll. Die Dummköpfe haben Geld zusammengebeutelt aus allen Kisten und Truhen, denn sie müssen hundert Mark Silbers auf den Platz bringen, und nur über dem Gelde kann die Beschwörung gehalten werden. Merkst Du nun, Jude? Die armen Schlucker sind wohl darauf gefasst, den Teufel in eines Hundes Gestalt auf dem Schatze zu finden, doch auf zwei rüstige Männer mit rotgefärbten Gesichtern und scharfen Messern sind sie nicht vorbereitet. Geh mit, Zodick, und wir heben den sichern Schatz. Ich hätte dem Wulfhard gern den Anteil gegönnt; der Bube bleibt aber aus, und Deine Faust ist doch die gewandtere." – "Topp!" sprach der andre: "ich gehe mit, doch muss zuvor Dein Weib geloben, meine Ester dort zu hüten, wie den Stern des Auges, und mir sie aufzubewahren sonder Falsch