es heisst, mit mir anbinden. 's wär' ein schlecht Geschäft, ein Druck des Fingers, um Dich zu vernichten hier in der Einöde; drum ist's besser, Du ergibst Dich in des Herrn Befehl, und folgst mir zur kammer. Eile aber jetzt. Wir sind bald zur Stelle." – Unaufhaltsam riss er das Mädchen mit sich fort, durch Sandgetriebe, Weidenbüsche und verödete Triften, bis es endlich schroff über Kies und Gerüll hinunterging zu einer nackten Vertiefung, in welcher bei der Mondhelle ein Sumpf stand, wie ein trüber Spiegel, und daneben eine schwarze Hütte, aus deren Lücken ein mattes Licht schimmerte, dem Johanniswürmchen gleich, in schwarzer Hecke. Zodick befahl Estern, leise aufzutreten, und schlich an die lichtspendende Öffnung, um den forschenden blick in das Innre zu tauchen. Ester's Brust hob sich indessen wie die Brust einer Sterbenden. Und war sie nicht eine solche? Den teuern Schwur, sich eher zu tödten, als beschimpfen zu lassen, dachte sie unverbrüchlich zu halten, und jenes traurige Moor schien ihr vom Geschick auserlesen zu sein, ihr Todesbette zu werden. Welche Schrecken aber noch bis dahin an ihrem geist vorübergehen konnten, daran gedachte sie bebend. Zodick hatte indessen erkundschaftet, dass nicht gefährliches in der Hütte verborgen sei. Er pochte leise an das Fensterlein, und gab ein kauderwälsches Losungswort von sich, nach welchem man von innen fragte. Hierauf zog er Ester mit sich zum niederen Pförtchen der Hütte, welche schon aufgetan worden war. "Gut Zeit!" sagte er zu dem alten weib, das, den brennenden Span in der Hand, die Einkehrenden empfing, und sorgfältig hinter ihnen zumachte: "Ist sauber die Luft, und rein Alles von Gefahr?" – "Drinnen ist Alles rein," erwiderte die Alte, und mass verwundert die bleiche Ester vom Kopf bis zu den Füssen. – "Ist Marten daheim?" fuhr der Mordknecht fort, argwöhnisch in alle Winkel schielend. Das Weib bejahte, und stiess die tür zur elenden stube der Mordherberge auf, in welcher der Anführer der Blutzapferrotte sich auf einer schmutzigen Bank wiegte, – die Augen rot und glühend vom Übermaass des berauschenden Getränks. Ester fuhr zusammen bei dem Anblick dieses Menschen und seiner Umgebung, und setzte sich stumm, mit verbissenem Schmerz auf einen Schemel in der Ecke. Das alte Weib des trunknen Marten ging forschend und lauernd vor der Fremden auf und nieder, und hütete sie mit Drachenblicken. Marten reichte dafür dem begrüssenden die blutgewohnte Hand, mit dem Vorwurfe, dass er sich lange nicht habe sehen lassen. – "Hab' Andres zu schlichten," erwiderte der Mensch: "bring' Euch da einen Gast, welcher aufwiegt alle Töchter in Israel, und will ihn Euch geben in Obhut, wenn es rein und koscher ist bei Euch." – " 's ist Alles leer;" versicherte der alte Räuber: "die Gesellen sind alle in Türingen gezogen, und an den Rheinstrom, weil's die Witterung erlaubt, in der Ferne sich Nahrung zu holen. Kein Mensch ist hier als das Weib und die Tochter, denn die drei Rittersknechte, die seit heute Nachmittag hier eingekehrt sind, sind nicht zu rechnen. Einer von ihnen liegt am tod, und wir haben sie und ihre Rosse in die Scheuer eingestellt, am Moor." – Zodick winkte dem Schwätzer mit einem Seitenblick auf Ester zu. "Zu dieser Nacht verlange ich die kammer hier nebenan, für mich und mein Weib;" sprach er, und die alte Frau entgegnete dienstwillig, sie stehe bereit, allein es sei kein Fenster darinnen angebracht. – Zodick schlug ein freches Gelächter auf. "Braut und Bräutigam fragen nicht nach Helle und Licht," scherzte er, "und wär's auch die Schechinah des hochgelobten Gottes selbst. Wir werden sie gern entbehren. Nicht wahr, Liebchen?" – Mit Abscheu wendete sich Ester, stumm die hände ringend, von ihm. – Der rohe Marten lachte. "Das Mägdlein" sprach er, "geht so frei und lustig nach dem Brautbett, wie das junge Tier zum Metzgerhaus. Wohl bekomm's Euch beiden. Ich für mein teil wollte, es käme endlich mein Knecht Wolfhard. 's geht an die elfte Stunde, und ich muss noch heute hinaus." – Inzwischen hatte sich Zodick zu Ester herabgebeugt, und raunte ihr drohend zu: "Gib Dich in Dein Schicksal. Wo Du schreist, wo Du Widerstand wagst, hast Du den Talles. Besinne Dich kurz; ich gebe nicht mehr Frist. Ich will nicht werden alt wie Abraham, ohne zu kosten Deine Reize. Du kannst werden glücklich und leben lang, sobald Du wirst bekennen, wo Dein Vater hat hinvergraben seine Schätze. Der schlechte Mann hat mir geläugnet ab, dass er welche besessen. Du weisst aber sicher darum, und nur diesem Bekenntniss wirst Du zu danken haben Dein Leben. Bleibst Du stumm, mach' ich Dich ewig stumm nach der Hochzeit."
"Grausamer! tödte mich jetzt, da ich noch bin wie das Lamm der Weide!" flehte Ester: "ich weiss nicht von dem, was Du begehrst." – Zodick kehrte ihr drohend den rücken, und stürzte ein Glas des Weins hinunter, den die katzenfreundliche Wirtin aufgestellt hatte. Indessen ging die tür auf, und Judit, Marten's und des Weibes Tochter