wohin ich gegangen, und wie mein letzter Gruss an ihn gelautet. Du aber bete dann für meine Seele, Mädchen!" – "Ihr wollt mich beruhigen, ehrsame Frau;" begann Else nach einer kleinen Weile, in welcher sie die Gebieterin stumm betrachtet: "und dennoch mehrt sich meine Angst. Wohin wollt Ihr gehen, dass Ihr vielleicht nimmer lebendig wiederkehren dürftet. O, liebe Frau, denkt an Euern Knaben!" – Sie führte den wehmütig die hände faltenden Johannes zu Margareten. Die Altbürgerin betrachtete den Knaben kummervoll, legte die Hand auf seinen Kopf, und sagte: "Armer Junge! Du bist die Quelle des Unheils, das uns betroffen, und doch unschuldiger, als wir Alle! Traue auf Gott, und er wird wohl an Dir machen, was Menschensinn verdarb. Du wirst, wie auch Dein Geschick sich wende, an Herrn Dieter einen Vater finden." – "Das walte Gott!" seufzte das Mädchen: "Was wird aber der rauhe, argwöhnische Herr an dem Knaben tun, da Ihr, die Mutter, so kalt von ihm scheidet?" – "Du schiltst mein Mutterherz?" fragte Margarete heftig, und ihr Auge suchte weinend am dämmernden Himmel den Wohnsitz des verblichnen Sohns. Sie fasste sich jedoch bald wieder, und fuhr gelassner fort: "Die Nacht bricht ein, mein Kind. Lass mich nicht vergebens bitten. bleibe mir treu; ich fordre es vielleicht zum Letztenmale von Dir. Berichte mir, wenn Herr Dieter heute Abend das Haus verlässt, und öffne mir alsdann die Tür, wenn Du's vermagst. Ich selbst habe die Schlüssel des Hauses nicht mehr, da sie mein Herr mir abfordern liess, allein ich denke ..." – "Gute Frau," fiel Else ein: "ich habe Mitleid mit Euch. Herrgott! so jung, so schön und reich zu sein, und doch nicht glücklich! Das kann uns armen Leuten nicht recht zu Sinne gehen, wenn wir nicht in Herrendiensten sind. Ich sehe es aber hier deutlich, und will gerne die Hand zu einem Schritte bieten, von welchem, wie Ihr sagt, meine wackre Mutter weiss. Aber Ihr vergesst, dass der ehrsame Herr, so oft er Abends das Haus verlässt, die tür sperrt. Wie wird es möglich sein, zu entweichen, wenn es auch geschehen könnte, dass keine Magd und kein Knecht Euch sähe?" – "Welch ein Hinderniss!" klagte Margarete: "und heute, gerade heute muss ich fort! Sinne nach, kluge Dirne, sinne nach, und hilf. Schon steigt der neue Mond herauf am Himmel; wir haben nicht lange Zeit zu verlieren, denn weit ist der Weg, den ich unternehme." – "Es wird mir schauerlich zu Mute," erwiderte Else, "hör' ich Euch also sprechen. Ihr werdet doch nicht zu einer Hexenfrau gehen, um Euch die Zukunft deuten zu lassen durch verbotnen Zauber? Gute Frau, ... das tut nimmer gut, nicht hier, nicht jenseits über den Himmeln." – "Schwätzerin!" schalt Margarete halb scherzhaft, ihr auf die Wange klopfend: "Vergissest Du, dass Deine Mutter um die Sache wissen wird, und dass sie eine allzufromme Christin ist, um sich mit Hexenwerken einzulassen? Sei ruhig, und öffne mir einen Weg aus dem haus. Höre aber vorerst, was das Geräusch bedeutet, das ich in den Gängen vernehme." – Die Zofe ging hinaus, um nach dem Willen der Gebieterin zu tun. Der kleine Johannes näherte sich aber der in Trübsinn versinkenden Frau; faltete nochmals seine Händchen, und sprach: "Lieb Mütterlein! Du kommst doch wieder? Du lässest mich doch nicht allein bei dem finstern mann, der uns nicht mehr sehen nicht mehr hören will?" – "Ich komme wieder, Johannes!" versicherte Margarete, seine Hand streichelnd: "und wenn ich auch nicht wieder käme, so verzage nicht. Du bist ja ein unschuldig Kind. Dir werden sie nichts zu Leide zu tun." – "Ach, dem kleinen Hans ist schon viel zu Leide getan worden," – klagte der Knabe: "die schwarze Mutter hat ihn viel geschlagen, und endlich gar verlassen. Und Du bist so eine freundliche Mutter, und wolltest auch von mir gehen?" – "Ei, Hans;" zürnte Margarete leise: "Wie magst Du denn schon wieder an Deine Träume denken? Geträumt hat Dir von der schwarzen Mutter ... nichts weiter. Wie kommt es denn, dass Du wieder an die Tollheiten kömmst?" – "Seit heute Nachmittag, lieb Mütterlein;" erklärte der Bube gesprächlicher: "Es muss am Ende doch wahr sein, was ich geträumt habe. Else hat mich hinausgeführt auf die Gassen unter die andern Buben, und wir haben gespielt. Und da ich müde würde, und Else sich vor einem grossen schönen haus mit mir hinsetzte, mir das Hütlein abnahm, und den Schweiss abtrocknete, – ja, da hab' ich den Mann gesehen, der mich gefunden hat, da meine schwarze Mutter von mir gegangen war, und es ist just so vor mir gestanden, Alles, wie damals, als es mir geträumt hat, wie Du sagst." – "Welchen Mann?" fragte Margarete mit pochendem Herzen. – Der Knabe besann sich ein wenig;