;" antwortete der Wirt vom Rebstock sehr freundlich.
"Ein Bettelgeld," prahlte der Fremde: "obgleich die Zeche übertrieben teuer. Aber wie gesagt, ein Bettelgeld, wegen dessen Du mir keine Umstände machen wirst, guter Freund. Nicht wahr?"
"Nicht die Geringsten," erwiderte der Wirt: "Ihr habt nur zu bezahlen, und meine schlechte Schenke ist wieder ganz zu Euern Diensten."
"Du bist hartörig, mein Freund!" sprach der Gast mit vornehmem Augenzwinkern: "Ich hatte gestern Unglück im Spiel, und der Martinschmauss hat mich viel gekostet. heute kann ich Dich nicht befriedigen, aber sobald ich wiederkehre von Costnitz, soll Dein sein, was Dir gehört."
Der Wirt sah den Sprecher einen Augenblick an, .. zuckte die Achseln und ging nach der tür. – "Wohin gehst Du?" fragte ihn der Andere.
"Ich gehe, den Stall zuzusperren;" versetzte der Bürger kalt: "Müsst Ihr gegen Costnitz, mögt Ihr zu fuss gehen. Euer Pferd bleibt hier zurück, bis mein ist, was mir gehört."
"Wie?" fuhr der Gast auf: "Du ungeschliffener Wirt! weisst Du, mit wem Du also sprichst? Ich bin der Edelknecht Gerhard von Hülshofen, und darum nicht zu Schild und Helm geboren, um mir von einem elenden Reichsstädter Schmachreden ins Angesicht sagen zu lassen."
"Ich kenne Euch wohl;" erwiderte der Wirt: "Wer sollte den verwegensten Gesellen am Rheinstrome nicht kennen, den der wohlweise Rat von Frankfurt als seinen Kämpfer und Turnierfechter gedungen; der zwar keinen Gegner unbezwungen lässt, aber auch keinen Becher ungeleert, keine Dirne ungeneckt, und keinen Herberger ungeprellt. Darum eben nehme ich Euren Gaul."
"Das Pferd gehört meinen Herren von Frankfurt," rief der Edelknecht patzig.
"So mögen Eure Herren von Frankfurt es auch auslösen;" versetzte der Gläubiger gleichgültig. "Der ehrsame Rat wird einen Reichsbürger nicht schädig gegen lassen an seinem Gut durch einen Dienstmann."
"Ich bin ein Edelmann, Bursche;" brauste der Junker; und wenn ich Spiessbürgern diene, so geschieht es aus gutem Willen, und nicht ...
"Lieber Herr;" erwiderte der Wirt: "Ich vermag eines Adlichen Tun und Lassen nicht zu schätzen; allein ich wollte, Ihr hättet Euern Martinstag wo anders zugebracht. Ich hab Euch nicht geladen, und will folglich Eure Zehrkosten nicht aus eignem Seckel bestreiten. Darum nehme ich Euern Gaul und damit genug."
"Unterstehe Dich!" rief Gerhard: "Plumper Wicht! Glaubst Du, meine Freunde werden mich verlassen?"
"Ei, Herr Junker," sprach der Wirt lächelnd: "Ihr seid zu alt in der Welt geworden, um das im Ernste sprechen zu können. Freunde werden Feinde, sobald sie helfen sollen. Und vollends die Euren, mit denen Ihr acht Tage gezecht und gewürfelt habt. Die Einen sind auf der Landstrasse besser zu haus, als in ihren vier verschuldeten Pfählen. Die Andern sind verdorbene Bürgerssöhne, die Gewerb und Fleiss an den Nagel gehängt haben, um das väterliche Erbe ohne Verzug durch die Gurgel zu jagen. Solche Martinsmänner sind aber den Wirten nur bis zu einem gewissen Zeitpunkte willkommene Gäste. Doch horch; .. mich dünkt, ich höre ihrer Etliche die Stiege heraufstürmen. Versucht Euer Heil, Herr. Zwanzig Turnosen – die Pfenninge erlasse ich Euch – öffnen die Stalltüre, und geben Euerm Gaul freien Pass nach Costnitz. Kein Albus weniger! Verlasst Euch darauf."
Der Wirt ging ruhig von dannen, und an seiner Statt tobten vier Männergestalten herein, denen man die Ausschweifungen verwichener Nacht nicht wenig ansah. "Guten Tag! Bruder Hülshofen!" brüllten sie im Chor und schüttelten dem Verdrüsslichen die steifgewordenen hände? "Wie geht es? wie geschlafen? warum ist es hier so verteufelt kalt?" – Gerhard zögerte keinen Augenblick, ihnen die unangenehme Lage, in der er sich befand, zu eröffnen. Die Freunde lachten aus vollem Halse, und konnten sich gar nicht lassen vor mutwilliger Lust.
"Nun, das nenne ich doch in der Brühe sitzen!" rief der baumlange Wernher von Hyrzenhorn: "So fröhlich wurde die Gans eingeläutet, und so traurig ist der Nachtisch!"
"Was ist aber da zu tun!" sprach Wolf von Eppenstein: "Ich will dem Schwarzen sein mit Haut und Haar, wenn ich Dir helfen kann, Bruder Gerhard. Du weisst, dass uns der Sattel das tägliche Brod verschafft, – und Deine Diensterren gerade, – dass sie Gott verdammen möge! – haben es uns so geschmälert, dass es eine Sünde ist. Die Conziliumsfahrer haben unserm Seckel zwar etwas eingebracht, aber Weib und Kind wollen auch leben, und Martinstag will auch gefeiert sein. Da haben wir uns denn hier zusammengetan, in Fried und Eintracht die Milch unsrer lieben Frauen reichlich genossen, und müssen dafür Morgen kahl wieder abziehen."
"Hilf Dir selbst!" rief der wilde Hornberger Veit: "Brich die Stalltüre auf, und reite dem verdammten Kneibenwirt vor der Nase weg. Ich helfe Dir, und je mehr Auflauf es gibt, desto besser."
"Die Frankfurter setzen mich auf den Eschenheimer Turm, erfahren sie dergleichen," versicherte Gerhard kopfschüttelnd. – "Euch aber, meine Freunde, fuhr er fort – Euch wäre es ein Leichtes, mir zu helfen