dem haus stand. Eine Ladung der heimlichen Acht ist es, gerichtet an den Junkherrn Dagobert Frosch, welcher auf den nächsten Dienstag vorgefordert wird vor den Stuhl zu Sachsenhausen, um sich zu verantworten über schwere Missetaten, deren er angeklagt worden." –
"Heiliger Gott!" stammelte Margarete: "die heimliche beschlossene Acht? armer Dagobert! welch' ein Teufel hat Dich vor diese Schranken gefordet, wo der K l ä g e r nur Recht erhält? Hochwürdiger Herr! Um meinetwillen, – o gewiss, um meinetwillen ist er in diese Verderbniss geraten! Wie soll ich mir jetzt raten, ...: wie soll ich mir helfen?" – Der Mönch zuckte die Achseln, verwies die Klagende auf den Willen Gottes, und auf das eigne Schweigen, und begab sich mit dem Versprechen hinweg, bald wieder einzusprechen, und ihr sogleich zu wissen zu machen, wann der gefangene Jude ein gefährliches geständnis besorgen lassen sollte.
Eine unsägliche Angst bemächtigte sich Margaretens, da sie wieder allein war, und in ihrem erschütterten geist Alles zusammenstellte, was sich in den letzten Tagen zugetragen, und ihr Schicksal auf solch entsetzliche Weise verwirrt hatte. Ihres Fehls bewusst, drängte es sie, etwas zu unternehmen, wodurch sie die Schuld ihres Gewissens in etwas zum mindesten zu sühnen vermöchte, und dieses Etwas wurde, trotz seiner gefährlichen Abenteuerlichkeit, bald in ihr zum festen Entschluss. "Ich will ihn zwingen, wenigstens nicht das ärgste von mir zu glauben," sprach sie zu sich selbst; "nicht die Bosheit, Wallraden aus dem Wege geschafft, noch die grössre, Mörder gegen sein Leben aufgestellt zu haben. Ist es Gottes Wille, dass ich in meinem Vornehmen umkomme, so sei es darum; – wo nicht, so sei der Engel gepriesen, der mir diesen Weg gezeigt, wieder etwas in der heillosen Verwirrung gut machen zu können, worein meine leichtsinnige Verblendung mein Haus gestürzt hat." – Sie sammelte mit zitternder Hand die Kleinodien und den kleinen Schatz von Denkmünzen und seltnen Goldpfennigen, die sie der Freigebigkeit ihres Gatten verdankte, und wählte aus ihrem Kleiderschreine einen dichten, weitverhüllenden Regenmantel, welcher ihr zu ihrem Vorhaben geeignet schien. Hierauf sagte sie zu Elsen, die sich mit dem kleinen Johannes bei ihr eingefunden hatte: "Gute Dirne! Du hast schon viele Heftigkeit von mir ertragen und meinem aufbrausenden Zorn stille Geduld entgegengesetzt. Nun, da ein böses Geschick mir die Augen geöffnet, und mir selbst Duldung zur Pflicht gemacht hat, danke ich Dir für Deine Nachgiebigkeit, welche immer mit der seltensten Treue gepaart war. Du hast treu bei mir ausgehalten, seit mich ein widriges Gestirn in die Tiefe des häuslichen Unglücks versenkte; nicht Dein Mund, nicht ein blick von Dir hat mich fühlen lassen, wie sehr die Gegenwart meine Vergangenheit in Schatten stellt. Empfange dafür meinen herzlichsten Dank, und gib mir gelegenheit, Dir eine noch wärmere Dankbarkeit widmen zu können. Willst Du, meine gute Else?" – Die Zofe staunte bei dieser ungewohnten und aufrichtigen Sanftmut ihrer Herrin, und versicherte sie ihrer Bereitwilligkeit. – "Entsinnst Du Dich noch des Traums, den ich Dir vor manchen Monden erzählte?" fuhr Margarete fort! "Ich spottete damals Deiner finstern Ahnung, obwohl mir der Spott nicht von Herzen ging. Nun aber erwahrt sich das Gebilde jener Nacht auf eine furchtbare Weise. Aus der Zeit ist eine Schlange erwachsen, aus Allem dem, was ich für das Teuerste achtete, ist ein Ungeheuer entsprungen, das mir das Herz abfrisst. Ich weiss, um diese Schrecken zu mildern, nur einen Ausweg, und diesen zu ergreifen, sollst Du mir behülflich sein." – Else küsste der Gebieterin Hand, und fragte unter Tränen: "Was soll ich tun, ehrsame Frau, das Euch genehm wäre, und das Mittel darböte, den Frieden in Euer Haus und Herz zurückzubringen? Wenn eine schwache Magd vollbringen kann, was Ihr begehrt, so zählt auf mich." – "Ich muss fort;" sprach Margarete mit gedämpften Tone weiter: "noch in dieser Nacht muss ich fort. Begünstige diesen Vorsatz; hilf mir hinaus aus diesem Gebäude, wo mich Kummer und Angst tödtet." – "Fort?" fragte Else erstaunt: "Fort? Ei, um unsrer lieben Frauen willen? was wollt Ihr beginnen? Wollt Ihr Euern Herrn verlassen, und Euern guten Leumund zu grund richten? oder wollt Ihr Euch ein Leides antun? Ach, liebe Meisterin, unterlasst doch dieses Vornehmen! Ihr seid jung, Ihr seid Mutter und Hausfrau. Verzweifelt nicht an der Barmherzigkeit, die Allen hilft. Ist der Kummer unverschuldet, der Euch drückt, ... und wie könnte es anders sein? ... so wird er Euch nicht tödten, und der Allmächtige Euch nicht umkommen lassen. Die Wahrheit muss ja doch endlich an's Tageslicht kommen, und Eure Feinde verderben. Man lebt nur einmal, gute Frau, und was helfen Euch alle Ehrenkronen auf Euerm grab, so bald Ihr die Augen nicht wieder auftun könntet." – "Nicht doch;" versetzte Margarete mit schmeichelnder Überredung: "Gutes Kind, Du irrst. Ich will weder flüchtig gehen, noch mir das Leben nehmen, und, wenn die Sterne mir günstig sind, bin ich morgen bei guter Zeit wieder zurück. Sollte ich jedoch nimmer wiederkehren, so sage meinem Herrn, dass er von Deiner Mutter erfahren würde,