" – "Wie ihr meint;" sprach Reinhold gelassen: "ich preise Eure Tugend, welche verwirft, was Tausende tun würden, um die Möglichkeit zu vermeiden, vor der Welt ein Ärgerniss zu geben. Ihr seid aber nicht wie Andere, obwohl auch aus heiligen Büchern Beispiele anzuführen wären, dass selbst die frömmsten Weiber sich nicht scheuten, dem besten Zwecke manche Bedenklichkeit zu opfern. Denkt an Judit, die dem wilden Holofernes sich überliess ..." – "Schweigt, würdiger Herr!" bat Margarete: "Ich vermag nicht, was Ihr jetzt begehrt. Lasst es daher beruhen, und sprecht mir von Derjenigen, die noch ferner um das geheimnis weiss; ... von Willhild." "Ich weiss nichts von ihr und ihr Schweigen macht mir bange." – "Ich kann Euch beruhigen," antwortete der Mönch: "Ich habe mich befragt. Willhild und ihr Mann sind vor wenigen Tagen gegen Compostell gezogen, auf eine Wallfahrt. Besorgt nichts von ihnen. Der Mann ist blödsinnig zu nennen, und die Frau, die vor Kurzem erst sehr krank gewesen, kommt sicher aus Hispania nicht wieder heim." – "Ich hätte nimmer geglaubt, dass die Hoffnung auf eines Menschen Tod mich beruhigen könnte;" versetzte atemholend Margarete. – "O die Hoffnung ist immer süss," sagte der Pater, "wenn sie sich auch auf Gräber richtet, die sich erst öffnen sollen. Haben den Juden die Flammen erstickt, die unzuverlässige Willhild die Mühseligkeiten der Wallfahrt hinweggerafft ... wie lange dauert's, und sie tragen einen alten Schöffen zur Gruft? Dann fallen Eure Fesseln; dann feiert Ihr schon hienieden die Auferstehung." – "Ach, hochwürdiger Herr!" seufzte Margarete: "Gehe es mit mir, wie es wolle; aber dieser Augenblick bleibe fern. Kann ich den Greis auch nicht lieben, wie eine Braut den gefälligen Bräutigam, so ehre ich doch sein graues Haupt, und bin ihm dankbar, dass er mein dürftiges Leben mit Überfluss gekrönt hat." – "Hm!" entgegnete Reinhold: "Jedem das Seine. Der reiche Prasser kann zwar, sitzt er im Schwefelpfuhle der Hölle mit all seinem Golde nicht einen Tropfen wasser erkaufen, aber hienieden steht ihm die schönste Blume zu gebot, dass sie an seiner kalten Brust verwelke. Hat Dieter Euer Leben mit Überfluss gekrönt, so krönt er es jetzt mit unverdienter Schmach. Ihr seid im Vorteil gegen ihn, und Er muss Euch dankbar sein für die edle Gesinnung, die ihr für ihn hegt. Der alte Mann ist derselben nicht würdig, da er beinahe unverholen ahnen lässt, er schreibe Euch jenen Mordüberfall zu, und versehe sich eines Zweiten, wenn nicht seine Klugheit vorbaue." – "Schrecklich!" rief Margarete empört: "Die Schlange erneut sich stets in seiner Brust. Er fürchtet einen Meuchelmord von seiner Gattin!" – "Noch mehr," versetzte der Mönch: "er achtet ihn ganz nahe. Heute just, fürchtet er, lauern Mörder auf sein Leben; Mörder von Euch gedungen und Eurem Bruder, vielleicht von Dagobert, wie der Argwöhnische sich nicht schämt, zu glauben. Ein Unbekannter hat ihm gemeldet, dass er erfahren würde, wo Wallrade hingekommen, wenn er in der heutigen Nacht, mit Geld versehen, am Bannsteine von Bergen, das Sprünglin genannt, erscheinen wolle. Diese Nachricht hält er von Euch erdichtet, und wittert Verrat, und wird nicht gehen, niemand senden." – "Am Sprünglin? sagt Ihr?" fragte Margarete neugierig. "So ist's," antwortete Reinhold: "Ich, an seiner Statt, würde doch Jemand hinaussenden; denn ich traue eher dem, der um Geldes willen mir ein Ding zu verraten verheisst, als der reinen Menschenliebe wegen. Indessen, Euch kann's gleichviel sein. Wallrade mag Euch nie zu lange aussen bleiben; wohl aber der gute Dagobert, dessen kekkes Handeln Euch und Eurer Sache nur Vorteil gewähren kann. Nicht wahr?" –
Margarete schlug die Augen vor den forschenden des Paters nieder, welcher nach einer Pause fortfuhr: "Wie ich vernommen, hat der junge Mann sich von der Kirche, welcher er verlobt gewesen, lösen lassen. Meines Bedünkens hat er übel daran getan, und sogar sein hochmütiger Lehrer, der Predigermönch Johann, der, wie alle seines Ordens, dem unsrigen nicht hold ist, weil er am Evangelium reiner hängt, denn alle Andern, muss mir Recht geben. Wäre der Junkherr Priester geworden, es wäre ihm nicht geschehen, was seit heute Morgen das Gerede der ganzen Stadt ist." – "Um Gotteswillen!" sprach Margarete ängstlich: "Was ist ihm geschehen? welch Unheil? redet." – "Ihr wisst nicht?" fragte Reinhold entgegen: "Da sieht man wohl, wie sehr Recht das Lied hat, welches sagt: Jenseits bin ich wohl bekannt, – Fremdling doch im eignen Land! Dass Eure Zofen aus Schonung Euch's verschwiegen haben, gebe ich zu, – aber der Rachbegierde Eures Eheherrn hätt' ich das Schweigen nicht zugetraut. – Heute morgen hat Euer Knecht Eitel, als er des Hauses tür öffnete, ein Pergament daran geheftet gefunden, und die drei Späne, die aus der Pforte gehauen worden waren, entdeckten dem des Lesens Unkundigen gleich das Wahre, wie auch dem Pöbel, der schon lange gaffend vor