1827_Spindler_093_197.txt

du getan, was nicht recht, so trage den Lohn mit

Geduld,

Lass' vom verdienten Geschick nicht allzutief Dich beugen: Willst Du die zürnende Welt von Reue überzeugen, Wähle die Mittel nur gut, sonst mehrst Du die vorige

Schuld.

Anonymus.

"Was bringt Ihr mir, würdiger Vater!" sprach Frau Margarete Frosch, da sie den Beichtvater Reinhold bei sich eintreten sah, und eilte ihm hoffend entgegen: "O sagt, – sagt, mein guter Herr, bringt Ihr Leben oder Tod?" – Der Mönch machte das Zeichen des Kreuzes auf die Stirne der angstvoll Harrenden, und entgegnete: "Liebe Schwester im Heiland! die Kirche und ihr Diener bringen nie den Tod, so lange ein gläubiges Vertrauen in sie gesetzt wird; wohl aber immer das wahre Leben durch den himmlischen Trost, wenn auch der beschränkte Menschenverstand dagegen ankämpft. Auf Euren Gatten, liebe Frau, hofft indessen nicht mehr. Er ist hart wie ein Fels, und will weder durch Eure Bitten, noch durch meinen Zuspruch, der Rührung Eingang verschaffen. Es haben sich böse Mächte seiner angenommen, die sein Ohr verstopfen, und seine Sinne umnebeln; darum ging ich auch nicht zum Äussersten, und habe ihm nichts entdeckt, was seine Wut noch hätte reizen können." – "Er weiss also nicht?" fragte Margarete mit langem Atemzuge, "er weiss nicht, und zürnt mir dennoch unversöhnlich?" – "Schwerer Verdacht;" versetzte der Mönch achselzuckend: "Sein Sohn Dagobert scheint ihm der Räuber seiner Ehre zu sein, und sein Sohn Johannes eine Frucht unziemlichen Verständnisses." – "So ist es denn nun herausgesagt, was ich ahnte?" klagte Margarete mit hervorquellenden Tränen: "und dennoch, bin ich unschuldig, unschuldig, wie die Sonne!" – "Allerdings;" stimmte Reinhold bei, "ohne Zweifel, ob ihr gleich den jungen Mann geliebt, wie niemand besser wissen kann, denn ich. Ihr habt Euch männlich herausgerissen aus den Schlingen, in die Euch der Satan verstricken wollte; eifrig habt Ihr Busse gesucht, und darum sie auch gefunden." – "Und dennoch also verkannt?" fiel Margarete ein. – "Nehmt dieses hin als eine Strafe für den Fehl, den Ihr begangen;" erinnerte Reinhold: "Dass Ihr, wie ich aus Eurer beichte weiss, einen fremden Knaben statt des Euern verstorbenen eingepflanzt, wäre nichts, denn, was wir nicht wissen, ist nichts, und ein glücklicher Wahn ist besser, denn eine bittere Wahrheit; allein die Mittel zu dem Zwecke waren nicht gut, sondern verdammlich gewählt. Einen Juden zum Vertrauten zu machen, ... eine Kreatur, weit verabscheuungswürdiger, denn die schwarzen Heiden im land Afrika, die doch nur halbe Menschen sein sollen ... o! das wird Euch böse Früchte tragen. Mich befremdets, dass Euer Name nicht schon vor dem Richterstuhl genannt worden ist, und Gott hat mir noch nicht den Ausweg gezeigt, der endlich diesem Wirrsal ein Ende machen werde." – "Sollte Wahrheit nicht die beste Wahl sein?" fragte Margarete kühn entschlossen: "Sollte es mir nicht den Frieden wiedergeben, wenn ich hinträte und offen eingestünde, was ich getan?" – Der Pater schüttelte bedenklich den Kopf. "Ein altes Sprichwort ist's," sagte er, "dass man den schlafenden Wolf nicht wecke. Ist einmal der Pfeil vom Bogen, dann halte ihn auf, wer kann. Nicht doch. Ihr würdet Euch vielleicht unnötig der Schande preis geben, während jetzt nur ein Verdacht Euch belastet. Was ist ein Verdacht, wenn man sich unschuldig fühlt? Eine giftberaubte Schlange zu unsern Füssen. Hundert Frauen tragen ja geduldig den gegründeten Verdacht. Dass sie die Treue nicht bewahrten, ihre Stiefsöhne küssten, immerhin! Aber mit einem Juden solchen Menschenhandel getrieben zu haben. – Das würde keine von sich sagen lassen wollen. Zudem, wo ist die Gewissheit, dass Johannes das Kind sei, das der Jude ermordet haben soll? Ist's unwahrscheinlich, dass der Bösewicht ein ander Kind gemartert habe? Noch hat er nicht geplaudert, und übermorgen wird sein und seines Vaters Urteil gesprochen. Könnte er mit dem geständnis seinen Hals retten, – sicher hätte er's nicht unterlassen. Ich werde übrigens das Nähere morgen wissen, denn ich will versuchen, ob's möglich wäre, diese heidnischen Blutzapfer vor ihrem grässlichen Ende zu bekehren." – "Ihr verwerft also ein offen reuiges Bekenntniss?" fragte Margarete noch einmal. – "Gott und seiner Kirche ist man verbunden, Alles zu entdecken und aufzutun die geheimsten Falten des Herzens;" erwiderte Reinhold kalt; "das Laienvolk braucht nicht Alles zu wissen. Einen einzigen Mann kenne ich, bei welchem Euer Bekenntniss Nutzen bringen möchte; indem sein Schutz und Schirm Euch aus der peinlichen Lage reissen würde, in die Euch der Argwohn Dieters versetzt hat. Ich meine den Schulteiss. Der Ritter hat längst nach Eurer Gunst gestrebt. Mit Begierde wird er die gelegenheit ergreifen, sie zu verdienen. Ein Wort von Euch, und die gefährlichen Juden sterben plötzlich dahin, der Schöff wird beschwichtigt oder zur Ruhe gezwungen, und Johannes bleibt, was er sein soll, Euer Erbe."

"Nimmermehr!" entgegnete Margarete unwillig: "Aus Eurem mund diesen Rat? Nein; ich habe nicht Lust wirklich zu werden, wofür mein Eheherr mich hält.