runden kleinen Schild am linken arme führend, und mit einem breiten Waidmesser bewaffnet, das an ihrer Hüfte hing. "Sah man den hinkenden Lauf ihres Rosses, das im aufgehenden Mondlicht erglänzende Regentuch, das um ihr Haupt flatterte, den im Abendwinde schwimmenden und wehenden Gürtel, und das abenteuerliche Häuflein, das ihr folgte, so war man versucht, sie für die wilde Hexen- und Waldfrau zu halten, von deren Spuck und Gespenstergeleite die Sagen des Türingerwalds, und des Brockens so viel zu erzählen mussten." – "Halt!" rief sie ihrer Rotte zu, da sie gewahrte, dass ihre Beute eingeholt worden: "Halt! herab von den Tieren! Kreuz, Nagel und Dorn! Grüss Euch Gott, so ich Euch recht erkenne, Herr Graf von Montfort. Der Teufel auf Euern verdammten Schlangenkopf, listiges fräulein! Haben wir Euch wieder? Alle vierzehn heilige Notelfer mussten Euch gerade diese Strasse führen, Herr Graf. Heda! Bursche; nehmt das Weibsbild, und bindet es recht fest mit Zweigen und Riemen, dass sich die falsche Hexe nicht rühren kann." –
"Frau Else!" entgegnete Wallrade empört: "so Ihr dieses an mir tun lasst, so ersticke ich mich selbst. Das Unglück hat mich in Eure Gewalt gebracht, und kein Verbrechen!" – "Seht doch!" eiferte die MannFrau, indem sie die Fäuste in die Seite stemmte: "ist es kein Verbrechen, mein Vertrauen zu betrügen? meine Leute zu verführen?" – "Ich antworte Euch nicht mehr;" versetzte Wallrade: "aber ich tödte mich, wenn Ihr mich misshandelt; verlasst Euch darauf." – "Verruchte Kröte!" murrte Else in sich hinein, und der Graf sprach mit beissendem Spott: "Bedenkt doch, Frau von Vilbel! es geht wahrlich nicht, dass wir eine Leiche mit heim bringen, statt der holden Verlobten, in deren Armen ich Ersatz für meine mühsame Reise zu finden hoffte. Überlasst das fräulein meiner alleinigen Obhut. Ich will es so zierlich, als ein Kämpe von der Tafelrunde in das so schnöde verlassne Kämmerlein zurückbringen, und Wallrade, die sanfte, reizende Wallrade wird meinen Schutz sicher nicht verschmähen. Nicht wahr, mein fräulein?" – Lächelnd hielt er ihr den Steigbügel seines Pferds, und Wallrade erwiderte, indem sie sich ungeduldig aufschwang: "Herr Graf! unter solchen Umgebungen hat Eure Überredung eine so unwiderstehliche Gewalt, dass ich Euch noch hundertfach mehr verabscheuen müsste, als ich es wirklich tue, um nicht Eure Gesellschaft derjenigen einer wütenden Frau vorzuziehen, die es mir nicht vergeben will, hübsch listig versucht zu haben, was sie selbst in ähnlicher Lage, – wenn auch gröber und unbehülflicher, in's Werk gesetzt haben würde." – "Die Leuenbergerin hat Recht;" entgegnete Frau Else bitter: "Ihr seid ein schneidig Messerlein, dem nicht zu trauen ist. Traut ihr nur ja nicht, bester Graf. Den Leuenberger Veit hat sie verführt, dass er ihr durchgeholfen, und den Mönch hat sie mitgenommen. Er und der arme Gaul, der hier am Boden liegt, möchten in Gottes Namen sein, wo sie können, wenn wir nur des ungetreuen Schirmvogts, des Leuenbergers habhaft würden. Der Vogel hat aber sicherlich die Gefahr davon gespürt, und ist auf und davon gegangen." – Wallrade schwieg hartnäckig und ergötzte sich im Stillen an dem falschen Verdachte der Alten, obschon die getäuschte Hoffnung ihr Gehirn und Brust zusammenpresste, dass die Tropfen bittrer Tränen in ihre Augen traten. Stumm wurde der Zug nach der kaum verlassenen Veste zurückgelegt. Auf Frau Elsens Ruf öffnete sich die Burg; als sie aber über die Zugbrücke zu dem hof ritten, entsetzten sich Wallrade und der Graf, und auch die rohen, des Bannfluchs gewohnten Knechte bekreuzten sich, und beteten einen Stossseufzer, denn an den Torpfeilern hingen zwei Leichname. Auf Befehl der strengen Hausfrau hatte hier der Torwächter geendet, welcher Wallradens Flucht nicht auf der Tat gehindert, und der alte Schmied, der von dem Schimmel gegangen war, dessen sich Bilger bemächtigt hatte. – "Spiegelt Euch daran!" sprach Frau Else harterzig und trocken zu Wallraden: "Allen, die es mit Euch halten, geht es also, und müsste ich den Letzten mit eigner Hand aufhenken. Diese Schlüssel aber, – sie zeigte hohnlachend das wiedergefundne Gebund, – diese Schlüssel vertraue ich nimmer Eurer gefährlichen Hand, obschon es mit dem Einsperren im Wartturm nicht so vieles auf sich hatte. Ihr habt vergessen, dass der Turmwärter eine Axt, und die grobe Frau Else Fäuste besitzt, die allenfalls, mit Eisen bewaffnet, ein Schloss auch ohne Schlüssel zu öffnen verstehen. Euch jedoch soll fürder weder Axt noch Schlüssel zu Gebote stehen, bis mein Herr sich mit dem Grafen abgefunden, und Euer Schicksal entschieden hat." – Der innere Raum der Veste wurde nun verrammelt, als ob ein die Acht vollstreckendes Heer des Kaisers vor derselben läge. Frau Else bewirtete ihren unvermuteten, aber längst erwarteten gräflichen Gast in der Trinkstube, und Wallrade betrat beschämt und von Zorn zerrissen, aber nicht verzweifelnd, das Frauengemach, das sie vor wenig Stunden auf ewig verlassen zu haben glaubte, und in welchem Petronella, vom Schreck über die plötzliche Flucht der Gefangenen, und die mutmassliche Teilnahme ihres Vetters, zusammengeschüttelt, krank zu Bette lag, und die mit dem Geschick grollende mit den härtesten Vorwürfen empfieng.
Zwölftes Kapitel.
Hast