"Friede!" rief er barsch dazwischen: "Stern und Kreuz! Ihr habt mich gestern verhindert zu raufen, ob ich gleich der Herr vom haus bin. Heute sollt I h r mir dafür keinen Lärm und Hader anzetteln, und müsste ich euch Beide vor das Schloss werfen. Vertragt Euch, und damit ihr's könnt, soll meine Wirtin Wein schaffen!" – Er klatschte in die hände, pfiff seinen wohlbekannten Forstruf, und da das Fenster erklang, und Frau Else herausschaute, begehrte er einen Valetund Satteltrunk. – "Ich bin heute so vergnügt;" fuhr er fort, und sah sich munter im Kreise um: "Ich gedenke heute einen frohen Tag zu feiern, und morgen spätestens wieder behaglich in Eurer Mitte zu sein." – Alle, sogar des maulende Veit reichten ihm die hände. Doring sagte jedoch kopfschüttelnd: "Gott verdamme den Weg, den Du machst, Bechtram. Ich habe böse Ahnung, Dein Gaul hat gestern das Vorzeichen gegeben. Es droht Dir entweder zu Frankfurt Unheil, oder Du bringst es von dannen nach Deinem haus. Bleib daheim." –
"Plaudertasche!" versetzte Bechtram lächelnd, ihn beim Schnauzbart zupfend: "sorge nicht; mir begegnet nichts Böses. Der alte Auerstier ist die Furcht des Waldes, und wäre ich's auch nicht allein, den die Städter fürchten, so sind es doch meine Freunde. Sieh einmal hin, auf die Hand voll Menschen, keck wie die Hähne, gespornt wie sie, und nicht minder hitzig. Ihr lasst mir nichts geschehen, Freunde, und in diesem Vertrauen lasst uns die Becher leeren auf fröhlich Wiedersehen!" – Frau Else kredenzte den Trunk, und mit einem jubel aufflogen die geleerten Humpen in die Luft. – "Nun keinen Tropfen mehr!" rief der Reifenberger. "Auf morgen, oder heute Abend schon, das Übrige!" setzte Henne von Wiede hinzu. – "Wiedersehen!" murmelte Doring, dem Bechtram die Rechte schüttelnd. – "Ehe wir aber uns hinsetzen, um über die hintergangnen Reichsstädter in's Fäustchen zu lachen, müssen wir unsern Freund an Frankfurts Tore geleiten!" sprach lebhaft der Hornberger. – "Ja! das müssen, das wollen wir!" jubelten alle insgesammt. – "Ich reite mit ihm in Sachsenhausen ein!" fügte der von Wiede hinzu: "ich gehe ihm nicht von der Seite!" – "Warum darf ich nicht ein Gleiches tun!" brummte Doring: "Aber ich habe einen Span mit dem Rate, und traue nicht." – "Wir erwarten den Bechtram zu Oberrad!" schlug der Hornberger vor, und Bechtram willigte gerne in das Geleit seiner Freunde und Genossen. – "So sei's!" sprach er: "so bald ich mit dem Magistrate im deutschen haus Frieden geschlossen, komme ich zu Euch, und sollte jener Unglücksvogel, der Kunz, recht haben, und sie mich einsperren auf ein Lösegeld, trotz Geleit und Furcht, so kommt der Wiede doch, und bringt Euch Kunde."
"Wehe dann, der Stadt!" beteuerten Alle mit Lärm und Geschrei. – "Dir, mein werter Schüler und Freund," wendete sich Bechtram zu Leuenberg: "Dir glaube ich eine Liebe zu tun, wenn ich Dich abermals zum Hüter der Frauen und des Hauses bestelle. Wallradens Gefangenschaft wird Dir weniger grausam erscheinen, wenn sie nur D e i n e Gefangene ist. Du magst indessen die liebe Base trösten. Bleibt der Montfort noch eine Weile aus, trotz Versprechen und Wort, so liefre ich das fräulein wieder aus an ihren Vater, der mir ein schweres Lösegeld dafür bezahlen soll. Dann magst Du um dasselbe freien nach Herzenslust, guter Veit, insofern Herr Dieter Frosch Deine Armut, und der Papst die Blutsfreundschaft übersieht. Bewahre mir also vor der Hand Turm und Haus mit treuem Sinn, und sorge, dass meiner Hausfrau und Deinen Basen nichts Böses, widerfahre." – Die Herren schwangen sich auf die Gäule, und nachdem Frau Else einen kurzen und männlichen Abschied von dem Gatten genommen, zogen die Reiter von dannen, einige wenige Knechte auf ihrer Spur. Der Leuenberger sah ihnen durch das Vorsprungfensterlein am Tore nach, und sprach zu sich: "Viel Glück auf den Weg, lieben Freunde; elendes Volk und Gesindel, das sich überhebt, als wäre es schon vor der Sündflut geadelt worden. Dass der Hornberg ein vorlauter, böser Geselle ist, war mir längst bekannt, und seine Freundschaft, so viel Wesens die Base Petronella davon macht, hat mir nie Erkleckliches in den Sekkel gelockt. Ich hasse den Buben jetzt von ganzer Seele, aber ich denke, ich hasse den alten Bechtram noch weit mehr seit einer Stunde. Wie mich der Graubart hingestellt hat vor aller Welt, wie man einen gemeinen Dieb an's Halseisen legt! Was er sich nur einbildet? Auf was er nur pocht? Auf seine Habe? Der Teufel danke ihm sein Geld, seinen Wein und seinen fetten Tisch. Hätte ich ein Paar Dutzend Knechte, und einige arme, aber handfeste Schlucker wie der Doring, der Wiede oder der Reifenberg zu meinem Befehl, ich wollte mich auch bald reich gearbeitet haben. – Oder pocht er auf seinen Stamm? Mein Adel ist so alt als der seine, und dem Kaiser wird es schon lange leid tun, dass er ihn zum Ritter geschlagen