– "Eben darum!" fuhr Doring lebhafter fort: "Hättest Du den Lappen nie getragen! Und wozu soll denn wohl der vorgeschlagene Vergleich dienen? Du wirst doch nicht die Artikel halten wollen, die das Bürgerpack Dir aufschwatzen möchte?" – "Beschwören und halten ist nicht einerlei;" sprach Bechtram dagegen: "aber mir kann's nicht einerlei sein, wenn ich sehe, dass die vorsichtigen Pfeffersäcke mir die Heerstrasse rein halten, so weit das Auge reicht. Darum will ich sie wieder kirre machen, und wimmelts alsdann wie ehedem von Körnern, Mezgerzügen und Weinfuhren, so will ich ihnen die Leichtgläubigkeit eintränken, und meine Vorräte anhäufen. Jährlich einen Span mit Frankfurt, und jährlich wieder Versöhnung! Dabei finde ich gute Rechnung. Haltet mich darum nicht auf, meine Freunde. Den alten Fuchs von Vilbel fängt man nicht so leicht, und die Herren von Frankfurt fürchten mich und meine Drohungen." – "Donner und zehntausend Teufel!" rief der Hornberger dazwischen: "Das dürfen sie auch. Wir heissen nicht umsonst die wilde Jagd in der Wetterau. Eine Lohe wollten wir anschüren über den Giebeln der Stadt, dass die Engel im Himmel die Füsse zusammenziehen sollten vor Brandschmerz; .. und so viel achtung und Freundlichkeit mir das fräulein von Baldergrün eingeflösst hat, – das Haupt schlüge ich ihr vom Rumpfe, und schickte es ihren Landsleuten zum Geschenke, wenn sie sich an unserm biedern Wirt vergreifen wollten." –
"Erbärmliche Prahlerei!" sprach der Leuenberger halblaut zu dem von Wiede: "Ich wollt es ihm doch raten, des Fräuleins Kopf ungeschorn zu lassen." – "Donner und Pestilenz!" erwiderte der Junker von Hornberg, der die Äusserung gehört hatte: "Wer spricht da? Veit! Veit! nimm Dich in Acht mit Deiner vorlauten Zunge! Einen Prahler schilt mich Keiner zweimal." – "'s käme darauf an, es zu versuchen!" entgegnete Veit, und warf die Nase in die Höhe: "Es gibt Dinge, die ich nicht einmal im Scherz begreife." – "Wahre Dich vor dem Hornberger!" redete Bechtram lachend dazwischen: "Du weisst ja, dass er mir gestern beinahe in aller Freundschaft und Kumpanei den Hals gebrochen hätte. Schäme Dich aber auch, alter, grosser Leuenberg, dass Du so unritterlich dem fräulein den Hof machst. Schon längst hab' ich's gemerkt, und ich glaube, in der ganzen Veste gibt es Keinen, dem es ein geheimnis wäre. Es gibt, weiss Gott, nichts Lächerlicheres, als einen verliebten Burschen, der schon beinahe über die Jahre hinaus, und in seinem ganzen Leben der Schönste nie gewesen ist." – Die Genossen des Ritters lachten hell auf, während eine Art von Schaamröte in Veit's braunes Gesicht stieg. – Bechtram fand Anerkennung seines rohen Witzes, und fuhr daher kecker fort: "Den Hornberg lob' ich mir dagegen. Die Blicke einer Dirne prallen von ihm ab, wie die Pfeile des Schützen von dem Kürass. Und doch wäre er ein andrer Mann als Du, mein guter Veit Lustiger, offner, und ... ich muss es sagen, – weit kecker als Du. Während Du auf der faulen Haut liegst, und denkst, die Sonne soll Dir Wein, Brod und fleisch in die kammer scheinen, sitzt der Hornberg risch und straff zu Gaule, und ist in der Wetterau gefürchtet, wie ich es nur war in meiner besten Zeit. Aber derselbe Mut, der im freien feld, sich herumschlägt, gewinnt auch in einsamer kammer die Herzen der Weiber. Merke Dir das, Veit; und vergib mir, dass ich Dir in etwas die Wahrheit sagte, wie man nur einem Freunde zu tun pflegt." – "An Eurer Ausrichtigkeit ist mir nie eingefallen zu zweifeln," versetzte Veit, seinen auf's Höchste gestiegenen Unmut hinter einem bittersüssen Lächeln verbergend: "ob es geziemend ist, einen Gast durch solche Reden zu kränken vor ansehnlicher Ritterschaft, meine ich nicht; allein ich übersehe es Euch, da Ihr eben mein Gastfreund und obendrein mein Lehrer seid, und Eures Alters wegen ein Wort voraushaben mögt." Dass ich überall dabei bin, wo es gilt, und ich einen Vorteil absehe, dass ich in Kühnheit und Mut es aufnehme mit Jedem, der es mit mir wagen will, behaupte ich, so wie, dass ich Jedem den Hals breche, der an den des Fräuleins will. "Sie ist meine Base, und wahrlich weder der Graf von Montfort, noch Ihr, verehrlicher Ritter habt Euch durch ihren Raub Ruhm erworben." – "Horch! horch!" spottete Hornberg, die Weise eines damalig beliebten Liedleins nachäffend: "Wie anders die Schalmeie klingt, denn sie zuvor erklungen! wie anders doch der Buhe singt, denn er zuvor gesungen! Wie hat der Leuenberg vor wenig Tagen noch gesprochen, und wie spricht er jetzt? So lernt man minnen, was man hasste. Was gilt's, hol' mich der Satan, er bedauert, der arme Schelm, dass ihn die Frankfurter in den Bann getan. In die Krämerladen würde er sich stellen, und das Einmal Eins lernen, und die Elle handhaben, um sein Liebchen zu gewinnen!" – "Wenn Du nicht schweigst!" – schrie Veit, nach dem Dolche fahrend. Bechtram stiess ihn indessen kurz und bündig zurück.