." – Indem trat der Herr von der Rhön auf sie zu, und vor seinem leichenmässigen Antlitz entsetzte sich Bechtram's Ehewirtin. – "Um Gott!" flüsterte sie: "Was ist Euch zugestossen, hochwürdiger Herr? Ist es doch, als hättet Ihr ein Gespenst gesehen, oder wärt selber eins!" – Da nun aber der sogenannte Mönch nicht antwortete, sondern unwillkürlich nach der tür des Turms ging, in welchem er bisher gewohnt war, seine Behausung zu sehen, so nahm ihn Frau Else ohne Umstände beim Arm, und sagte: "Was treibt Ihr denn, guter Herr? Seid Ihr schlaftrunken, oder hat Euch ein Gesicht erschreckt? kommt, kommt; dort in der Halle ist es warm und heimlich. Dort werdet Ihr ruhen und Eurer bisherigen Leiden vergessen. Ich werde meinem Alten sagen, dass es anders mit Euch wird. kommt nur! kommt!" – Sie schloss die Kirchentüre zu, und führte sorglicher, als man von dem harten weib hätte erwarten dürfen, den von seinem Schreck noch nicht zu sich Gekommenen, in das Haus. Wallrade floh bei seiner Ännäherung die Stiege hinan, und Bilger sank, nachdem Else mit eigner Hand die Holztreppe des Hauses in die Höhe gewunden, und in dem Schloss befestigt hatte, ermüdet von Gram und Entbehrung auf die dürftige Ruhestätte, die ihm die mitleidige Ritterfrau am fuss des Herdes bereitet hatte. Die Stunden schlichen aber über seinem haupt hin, wie saumselig zögernde Grabgestalten; und Gestalten des Grabes sah auch nur sein wacher Traum. Er hatte Wallraden nur wieder gesehen, um neues Unbill von ihr zu erfahren. Ein grössres hatte sie ihm indessen niemals zugefügt; denn die Kunde von Katarinen's und Agnesen's tod schlug seinen Mut völlig darnieder. Die Ungewissheit über seines Sohnes Schicksal, den er nur mit bangem Widerstreben, um sein geheimnis nicht zu entüllen, Wallraden überlassen hatte, vermehrte seine entsetzliche Stimmug, und der Gedanke, dass er Wallraden zuvor befreien müsse, ehe er erfahren werde, wo sein Sohn hingekommen, scheuchte auch die leiseste Annäherung des Schlummers von seinem haupt. Und da gegen Morgen die Erschöpfung ihr Recht geltend machen wollte, umstanden schon die Herren und Gäste des Hauses sein Lager, und weckten ihn unter Scherzen, wie sie in der Genossenschaft gäng und gäbe waren. – "Aufgestanden, Hexenmeister!" rief der Hornberger, aus dessen roten Augen noch die Flamme der gestrigen Ausschweifung loderten: "Halloh! an's Werk! Bechtram's Ross muss gesund sein, ehe noch die Sonne ganz über den Bergen ist." "Wo seid Ihr denn gestern hingekommen?" fragte Bechtram, der dem Herrn von der Rhön vom Lager aufhalf. "Nicht weiter als hieher, ich wette!" lachte der Leuenberger: "Der feurige Steinwein war dem armen Burschen ein ungewohnt Ding, und er ging an die Arznei, als schon der Kopf nicht mehr sein war. Da hat er sich gewisslich während des Kesselschwenkens nieder gelegt, um sanft zu entschlafen und selig." – "kommt, ihr Herren," erwiderte Bilger nach all diesen freundlichen und spöttischen Reden: "ich denke, ich werde nicht zu viel versprochen haben." – Der Versuch fiel glücklich aus. Bechtram's Gaul spitzte mutig die Ohren, da die schmerzhafte Heilung vorüber war, und scharrte mit dem Huf, als wollte er in's Weite. Bechtram jubelte ob dem Gelingen, und liess sorgfaltig den Gaul in den Stall zurückbringen. – "Habt Dank, Meister Kuttenmann!" sprach er freundlich zu Bilger: "Meine Anerkennung will ich Euch tätig beweisen, so bald ich kann. Vor der Hand könnt Ihr frei gehen, so weit der Zwinger reicht, und meine Hausfrau soll Euch nichts abgehen lassen. Ich hab' es ihr befohlen, und will bei meiner Rückkehr hören, ob sie Wort gehalten." – Der Herr von der Rhön nickte gleichgültig mit dem kopf, und entfernte sich langsam in's Innre der Burg. – "Ein närrischer Kumpan!" spottete der Hornberger: "Kurz angebunden, als ob er, – weiss Gott wer – wäre. Und wie nennt man ihn denn?" – Die Übrigen mussten bekennen, dass sie es eben so wenig wussten. "Wozu auch einen Namen?" rief der Leuenberg: "Ist 'Pfaffe' nicht genug? Pfaffe, und damit gut. Mag er uns ein Freudenamt singen, wenn unser Wirt gesund und wohlbehalten von Frankfurt wiederkehrt." – "Willst Du im Ernste hin?" fragte Doring den Ritter: "und lächelnd bejahte er es." Doring schüttelte den Kopf. "Traue den Krämerfüchsen nicht!" sprach er warnend: "Du wirst Dich verlassen auf das freie Geleit, dass sie Dir vor einer Woche zustellen liessen, für den heutigen Tag, und den morgenden, im Fall sich die Unterhandlungen in die Länge dehnen sollten. Aber wir erleben heute zu Tage gar oft das Beispiel, dass frei Geleit gebrochen wird, sonder Scham und Reue. Geh nicht hin." – "So tapfer im Strauss, so feig im Rat!" versetzte lächelnd wie oben der Burgherr: "Ich traue den Frankfurtern, und habe eher Recht, als sie, wenn sie mir vertrauen wollten. War ich nicht geraume Zeit ihr Stadt- und Feldhauptmann? Sie werden nicht hinterlistig handeln gegen einen Mann, der ihre Fahne trug."