minder vom Wein erglüht, mischten sich in den Handel, und ehe man sich's recht versehen konnte, sassen alle beisammen an einem Tische, um sich mit weniger Aufwand an stimme und Geberden zanken zu können. Petronella nahm keinen teil an dem Männerzwist, sah sich vergebens nach Elsen um, die aus der stube verschwunden war, und steuerte endlich auf den geistlichen Herrn zu, der jedoch von ihrem Vornehmen etwas merken musste, da er plötzlich aufstand, und aus dem Gewirre und Gelärm der Bezechten, wie vor der Redseligkeit der alten Jungfrau froh, um an den verglimmenden Kohlen des Herdes die Wundarznei zu bereiten, und daneben seine Schlafstelle zu suchen. Die Glut knisterte schon unter dem Topfe, in welchem das wasser gährte, vermischt mit dem notwendigen Wein und Gewürz, und der lange braune Mann stand sinnend, mit übereinander geschlagenen Armen, über die Dämpfe des Topfes hinwegsehend in den finstern Schlot, bis ihn ein Geräusch aufzuschauen bewog. Frau Else stand neben ihm, ergriff seine Hand, und küsste seinen Ärmel. Da sich nun der Mönch darob verwundert anstellte, so redete Frau Else also, mit demütigem gesicht: "Liegen wir gleich jetzt im Baum hier zu Falkenstein, so sind wir doch getaufte Christen, und keine Heiden oder Juden, die es gerne sehen, wenn die Geweihten des Herrn in Trübsal schmachten und Not. Hochwürdiger Herr; es hat mir oft das Herz geblutet, dass mein Alter Euch gefangen halten muss, seiner eignen Sicherheit wegen, und dass sich Euch nicht besser bewirten durfte, als bisher geschehen: ich bin aber die Frau, würdiger Herr, und der Mann führt den Befehl. Vergebt mir also." – "Hab' ich Euch gezürnt, Frau?" fragte der Mönch dagegen: "Wollt mir gütigst hier eine Weile beistehen, so lange das wasser kocht;" setzte er hinzu: "denn ich muss Euch bekennen, dass ich des Küchenhandwerks nicht allzu gewohnt bin." – "Ich glaube' es wohl, hochwürdiger Vater;" erwiderte Frau Else: "das Geschäft schickt sich eher für weibliche Hand, und ich will gerne, so Ihr mir begreiflich macht, was dabei zu beobachten ist, es ganz an Eurer Statt zu Ende bringen, wenn Ihr geneigt wärt, einer armet mit sich selbst und ihrem Gott zerfallnen Frau einen Liebesdienst zu erweisen, wie ihn die Kirche und der Heiland fordern und eingesetzt haben." – "Wie meint Ihr das, Frau, und ist von Euch die Rede?" fragte der Mönch ernstaft. – "Nicht von mir gerade, liebster Herr;" sprach Frau Else heimlicher: "ich liege im Bann durch meines Mannes Schuld, und darf ja von der Kirche nichts begehren, bevor wir nicht losgesprochen. Aber da ist eine Frau im schloss, eine Verwandte von uns, müsst Ihr wissen; und diese Frau sehnt sich plötzlich nach dem Sakrament der beichte und Busse, wie ein Sterbender nach dem Liebesmahl. Ich hab's nicht gern getan, allein ich musste ihrem Bitten nachgeben, da der Zufall gewollt hat, dass mein Herr Euch aus der engen Haft entlassen. Wollt also sagen: Ja, und die Schlüssel zur Kapelle empfangen, denn in das Gemach der Schwermütigen darf ich Euch nicht bringen, weil die Männer es merken könnten, und der Jähzorn meines Alten ist ohne grenzen, weil er im Bann liegt, und er kann daher nicht leiden was geistlich, oder geistlicher Verrichtung ist. Ich sende Euch die Bussbedürftige, ... in einer halben Stunde ist alles abgetan, und Ihr nehmt einen Gotteslohn mit Euch." –
Der Ordensmann war während dieser Erläuterung verlegen und unruhig geworden. Mit einer gewissen Heftigkeit weigerte er sich des Antrags, und schob der Weigerung, Schuld auf das Interdikt, das auf der Veste ruhe. Frau Else warf ihm dagegen ein, dass die Fremde nicht dem Banne unterliege, und es demnach nicht gegen das Gewissen des Paters laufen würde, wenn er das verlangte tue. Durch die abschlägige Antwort noch obendrein ein wenig gereizt, setzte das männliche Weib mit unverholner Bestimmteit hinzu: "Ihr Herren macht ja sonst keine Umstände, wenn es darauf ankömmt, einen Beichteller zu gewinnen. Den heilige Vater mag Städte und Weichbilder in Bann tun, und alle andre Welt- und Ordenspriester mit Kreuz und Fahnen von dannen ziehen, I h r bleibt zurück, und singt Eure Metten und Vesper, nach wie vor. Fügt Euch darum heute auch gutwillig, versteht Ihr mich? Eure Tafel soll Eure Willfährigkeit verspüren, hört Ihr? Hier ist der Schlüssel zum Kirchlein, setzte sie hinzu, indem sie den Mächtigen von dem breiten Schlüsselringe losmachte: hier steht eine Leuchte, mit der Ihr vorsichtig umgehen mögt, denn es liegt allerlei brennbares Zeug in der Kapelle, und sie ist etwas in Unordnung geraten, aber zum Beichtsitzen ist Platz genug vorhanden. Geht voraus; gleich sende ich Euch das fräulein. Lasst es aber unterwegs, mit demselben vielleicht eine List anzuspinnen, um zu entkommen; unsre Augen, sind scharf; man hintergeht nicht mich, nicht meinen Alten." – Somit drehte sie, ohne eine Antwort abzuwarten, dem Mönch den Rükken, und ging nach der Treppe, über welche das Gebrüll der Zecher, die ein Fechtlied angestimmt hatten, in die Halle schallte. "Wartet! wartet, ihr Trunkenbolde!" schalt die Hauskönigin, indem sie ihre Faust mit einem Besen bewaffnete: "