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nicht, welche Pflicht Euch gebieten kann," – versetzte der Mönch, – "die Gewalttätigkeit fortzusetzen, die jener junge unbesonnene Mann an mir und meinem armen Fuhrmann verübt hat. Allein eben in die Gewalt muss man sich fügen, so man nicht der Stärkre ist. Heile ich Euch jedoch den Hengst, und findet Ihr morgen, dass ich nicht zu viel versprochen, so erleichtert in etwas das Schicksal des armen Bauers, der mit mir in Euerm Turme schmachtet. Bedenkt, dass er ein Weib daheim hat, und fünf Kinder, die nicht ahnen, wohin ihr Ernährer geraten ist, und die vielleicht vergehen in Not und Jammer, wie Er dahin schwindet in Heimweh und verzehrendem Gram. Behandelt ihn nicht schlechter als Euere Rüden, die denn doch dann und wann eine bessere Atzung erhalten, als verdorbnes Haferbrod und schlammiges wasser. Mit einem Worte: haltet den Unschuldigen wie einen Menschen; dann habt Ihr mir reichlich den geringen Dienst vergolten, welchen ich Euch leisten will." – Bechtram schwieg etwas beschämt. Die edlen Herren sahen sich der Reihe nach verwundert an. – "Ein wunderlicher Heiliger!" lachte der Hornberger, der sich aus seiner Wut wieder zum Scherz gefunden hatte: "Wenn Ihr ihn auf der Fahrt hieher gesehen hättet, ... geschworen hättet Ihr, der Mensch sei stumm. Auch kein Wörtlein hat er verschwendet, so tapfer Leuenberger's Base ihn in's Gebet nahm. Ohren und Augen in die Kutte gehüllt, sass er da, wie ein Bild von Holz, und ich schwörs, er hat auch kein Wort gehört, was wir gesprochen. jetzt aber geht ihm der Mund frisch weg, wie ein fleissiges Rädlein. Glück zu, Pater!" – "Man rede nur zur gelegnen Zeit;" versetzte der Mönch ruhig. – "Man rede aber auch alsdann für sich, und nicht für Andre;" fügte Bechtram mit einer Gutmütigkeit bei, die ihm um so besser anstand, als er selten darein verfiel: "Mir wär's lieber, bei Gott; Ihr verlangtet etwas Bessres, als ein Stück Fleisch für den dummen Bauer." – "Mein Gewand ist das der Demut;" entgegnete der Mönch kurz: "ich begehre nichts für mich; aber hindert Euch denn dieses, mir freundlich entgegen zu kommen? – Für heute wünsche ich nichts als Ruhe, und dass man mir verstatten möge, in den Turm zurück zu kehren, um das Wundwasser für das Pferd zu bereiten." – "Wohl wird es kühl und dämmrig hier im Zwinger," – meinte Bechtram, – "und wir wollen Euch unter Dach und Fach bringen, guter Klostermann. Aber bei leib nicht in den Turm. An unserm Hausherde könnt Ihr weit leichter Euern Balsam brauen, und an unsrem Trinktische sitzt sich's besser, als in dem Kerker. kommt mit; einige Becher edlen Getränks werden Euch stärken, und ein Stück köstlichen Wildbratens-Euern Gaumen vergnügen. Ihr erzählt uns dabei aus Euerm Leben, und aus der Ferne, denn, weit seid Ihr hergekommen, und helft uns also den Abend verkürzen." – "Ich bin ein schlechter Erzähler," antwortete der Mönch: "im Turm aber wird mein Begleiter, der arme Bauersmann, meine Gesellschaft vermissen. Mein Trost allein und mein Zuspruch drückten ihm die Augen zu auf seinem elenden Strohlager." – "Pah!" rief der Leuenberger: "solch Volk braucht kein Einlullen." – "Keine Genossenschaft, als die der Ratzen und Spinnen," setzte Hornberg hinzu. – "Ja wahrlich!" bekräftigte Bechtram: "Ich sende dem mann einen Becher Wein, daran mag er sich Rausch und Schlaf zutrinken, und fröhlich sein. Ihr aber, Pater, – Kreuz und Stein! Ihr müsst mit, und ohne Zögern."

Der Ritter nahm den Arm des Mönchs unter den feinigen, und das ganze Häuflein der Gäste nahm seinen Weg zu dem Gattertore, an welchem die Hausfrau ihnen entgegen kam, und den Eheherrn bewillkommte. "Wo ist das fräulein?" fragte er schnell, und jeder Mund wiederholte die Frage, und jeder blick suchte sie. Frau Else gab jedoch eine unbedeutende Unpässlichkeit vor, versicherte, dass dieselbe bald vorüber sein würde, und führte die Herren sammt und sonders in das Gemacht des ersten Stockwerks, wo auf dem eichenen Tisch speisen aufgestellt waren, und vom Kandelbrett die glänzenden zinnernen Kannen herableuchteten, mit den sauber geformten Ängstern, den mächtigen Passgläsern und den bauchigen Krügen. Wie heisshungrige Wölfe fielen die Gäste über die derben Keulen her, und der duftige Wein strömte in die Becher. Frau Else schnitt das Fleisch vor, das fräulein von Leuenberg kredenzte in Ermanglung eines reizendern Mundschenks den Trunk, und bald verwirrte sich Alles in scherzhaften Gesprächen und Alletagsreden. Doring und Weide griffen nach der reisenden Uhr1, sich die Zeit zu vertreiben; der Reifenberger krähte ein Minnelied zu Petronellens Ehre, welches der tolle Hornberger mit einer verstimmten Laute begleitete; Bechtram, der Leuenberger und der Mönch sassen beisammen, und schwatzten von Jagd und Falkeniererskunst, in welcher der Letztere nieder ungemeine Fertigkeit verriet, und den Zuhörern manch Jägerstücklein und Falknergeheimniss zum Besten gab, von dem sie sich nichts hatten träumen lassen. Bald jedoch nahm der Wein in Bechtram's, wie in Veit's kopf überhand, und es entspann sich zwischen ihnen ein Hader über Wilderei und Forsterrngerechtsame. Die Übrigen, nicht