– "Schweig! Gelbschnabel," erwiderte Bechtram mit zorniger Geberde, indem er an die Hüfte schlug, wo das breite Schwert hing. – Friede! Friede! riefen jedoch die Andern dazwischen. Der Leuenberger nahm es über sich, den Hornberg zu besänftigen, und der ältere Döring machte sich an Bechtram. Die beiden gereizten Männer ergaben sich nicht alsobald in den Willen der Vermittler, und sträubten sich lange gegen eine Versöhnung des so schnell ausgebrochnen Zwists. Endlich hängte sich noch der Reifenberg an den Hornberger, Henne von Wiede an den Burgherrn, und sprachen, so gut es ihre rauhe und der Schmachreden mehr denn der Friedensworte gewohnte Zunge vermochte, kräftig genug zur Sühne. Während nun die eine Partei unter lebhaften Geberden auf der Scheibenbahn des Zwingers auf und ab lief, und die andre, heftige Worte wechselnd, sich an das Gattertor gezogen hatte, besah der Mönch das arme Ross nach allen Regeln der Kunst, so dass sich die Knechte selbst ob der Unerschrockenheit wunderten, mit welcher ein des Reitens unkundiger Klosterbruder das wilde und ungeduldige Tier zu behandeln wagte. Er war mit seiner Untersuchung zu Ende gekommen, als gerade die friedestiftenden Freunde auch an das Ende ihrer Bemühungen gelangt waren. Des Hornberger's Hitze war grösstenteils verdampft; der kältere Bechtram hatte erwogen, dass er des unerschrocknen Kämpen wohl noch ferner bedürfe, und beide boten endlich willig die Hand zur Ruhe und Minne. – "Lasst's gut sein;" brummte Bechtram, des Junkers Rechte schüttelnd. – "Gott strafe mich, wenn ich's Euch gedenke;" erwiderte der rohe Mensch, dem ältern Kumpan um den Hals fallend: "aber, setzte er hinzu: da sich zwei wackre Edelleute um solches Ungetüm – auf den Mönch zeigend – vermeinigt haben, so muss der Bube uns beiden Genugtuung leisten, und auf der Stelle den Teufel beschwören, der in dem Gaule sitzt, oder es geht ihm nicht gut." – "Recht, Hornberg;" bekräftigte Bechtram, der sich mit dem Übergewichte eines hochmütigen Zwingherrn gegen den Mönch wendete: Mache Dich fertig, Pfäfflein, sonder Widerrede, heile mir das Pferd. Ehe die Abendsonne hinter jene Linde sinkt, muss es geschehen sein. Mangelt Dir etwas vom geistlichen Staat, so zu diesem Werke nötig wäre, so soll es Dir gereicht werden. Weihkessel und Wedel, Stola und Messrock findet sich in meiner Kapelle. "Darum sprich und treibe Deine Schwänke, damit mein Gaul gesunde, und es Dir wohl gehe auf Erden."
"Muss ich denn wiederholen, was ich früher sagte?" fragte der Mönch achselzuckend, mit etwas verächtlicher Miene, so weit sich sein blasses Gesicht unter der Kaputze erkennen liess. – Bechtram stampfte wild mit dem fuss. "Hagel, Sturm, Pest und roter Hahn!" schrie der vorlaute Hornberg: "Tagdieb! willst Du wohl gehorchen? Seit einer Stunde schon gibt Dir ein biedrer Rittersmann die besten Worte, und Du, schmutziger Bettelgänger, treibst Deinen Spott mit ihm? An's Werk, oder ich lähme Dich wie den Gaul hier." –
Er griff nach seinem Lieblingswerkzeug, dem Messer am Gürtel. – "Bist Du denn toll?" rief ihm der Leuenberger in's Ohr, und hielt seinen Arm. Der wilde Junker sträubte sich jedoch ungeberdig, und rief ausser sich: "Lass mich, Veit, lass mich! Ich will die Kniesehne des Faullenzers treffen, so gut als die eines Pferdes!" – Leuenberg liess indessen nicht ab, und die Übrigen standen ihm bei. Der Mönch kehrte sich gelassen zu Bechtram, und sprach: "Ich weiss wohl, dass der gute ungestüme Junkherr Wort halten würde. Einen Menschen zu verstümmeln wie ein Tier fällt ihm nicht schwer. Demungeachtet kann ich Euerm Wunsche durch eine Beschwörung nicht genügen, wohl aber durch leichtere Hülfsmittel. Das Ross ist nicht behext, und wenn es der Hufschmidt Sr. kaiserlichen Majestät behaupten wollte. In seinem Hufe sitzt die ganze Zauberei, und diese Krankheit nennt man die Steingalle. Gefällt es Euch, so will ich noch diese Nacht ein wundätzend wasser bereiten, und morgen das Pferd damit von Grund aus heilen. Mit Zauberei gebe ich mich aber nicht ab." – Die Edelleute standen ungläubig und stumm bei diesen Worten. Als aber der Mönch mit gewandter Faust des Pferdes Huf aufhob, und ihnen Allen den kleinen braunroten Fleck darinnen zeigte, den ihr ungeübter blick übersehen hatte, und sie sich überzeugten, dass bei der Berührung dieses verletzten Fleckchens das Tier zusammenschauerte, und mit aller Macht zu hauen und zu beissen verlangte, da kam ihnen doch nach und nach zu Sinne, dass der verachtete Klostermann wohl Recht haben könnte, und eine gewisse Art von Bewunderung trat an die Stelle des pöbelhaften Hohns. – "Ei, hochwürdiger Herr," sprach Bechtram so verbindlich als es ihm möglich war: "Ihr verratet einen Mann, der nicht in die braune Haut gehört, die Ihr auf dem rücken tragt. Solch adlich Reitergewerbe zu verstehen, wie Ihrs versteht, was sich aus Euren Handgriffen und zuversichtlichen gerechten Worten ermessen lässt, – das lernt man sonst in Euern Klöstern nicht, worin der Bettelesel das einzige Tier ist, das von Ferne eine Ähnlichkeit mit dem edlen Rosse hat. Sagt, womit ich Euch erfreuen kann; nur die Freiheit muss ich Euch für jetzt versagen, da mir es eine andre Pflicht gebietet." – "Ich weiss zwar