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denn der Satan versuche an dem Tage sein Glück weiter, wo sein Leibpferd ihm abwarf. Das gedeutet Unglück, und vielleicht sogar Hexere. – "Wir hatten der bösen Zeichen viele," rief der Hornberger dazwischen: "eine alte Vettel war der erste Mensch, der uns begegnete, und der Teufel selbst kann kein grösser Unglück herbeiführen." – Die Übrigen hatten indessen das Pferd umringt, und belugten das Tier von allen Seiten, wie schon im Freien geschehen war, ohne die Ursache seines Gebrestes und seines Kollers entdecken zu können. – "Kreuz und Stern!" rief Bechtram ungeduldig, und zauste seinen grauen Knebelbart: "Irgend etwas muss doch die Schuld tragen. Wer weiss, ob Deine Base den Gaul nicht verhert hat, Leuenberg." – Die Übrigen brachen in lautes Gelächter aus. Doring fasste übrigens den Gedanken auf, und versicherte ernstaft und kopfschüttelnd, es sei hier wohl eher die Wahrscheinlichkeit einer Zauberei da, als nicht. – "Es wäre möglich, dass die Krämer zu Frankfurt Dir den Gaul geknüpft hätten;" meinte der Reifenberg, und der von Wiede schwor bei allen Wettern, Zauberei stecke dahinter, und weiter nichts. Sie standen mit untergeschlagenen Armen im Kreise um den Gaul, und Bechtram sprach endlich verdrüsslich: "Was verzaubert ist, muss, sich auch entzaubern lassen, wenn man's nur verstände." – "Warum liegt Ihr im Bann?" wieherte der Hornberger: "Warum nahm Euer Kaplan Reissaus? Die Schorköpfe kennen Teufelei und Hexenwerk wie ihr Messbuch, und beten dem Satan die Hörner stumpf." – "Wenn's nur das ist, da kann abgeholfen werden," meinte Bechtram: "in meinem Verliesse steckt ja ein Kuttenknecht, und man könnte ihn ja eine Weile aus dem Käfig lassen, um hier seine Schuldigkeit zu tun." – "Ja wohl," pflichtete der Leuenberger bei: "und so Ihr begehrt, verlange ich von Eurer Hausfrau die Schlüssel, und schleppe Euch den hagern Burschen her." – Bechtram gab nach einigem Bedenken die Einwilligung, und Veit eilte, seinen Auftrag auszurichten, und kehrte bald mit dem Mönch zurück, dessen gang sich sehr von dem schleichenden Katzentritt seiner Ordensbrüder unterschied. Kraftlosigkeit lag jedoch über sein ganzes Wesen ausgebreitet, und das Gesicht hielt er in der Kaputze verborgen, durch deren Öffnung ein verwirrter Bart sich sehen liess. "Willkommen, hochwürdiger Herr;" redete ihn Bechtram spottend an: "Ihr mögt vergeben, dass meines Gewerbes strenge Beschäftigung mir noch nicht die Musse gönnte, einen werten Gast, wie Ihr seid, von Angesicht zu Angesicht zu schauen. Ich hoffe indessen, dass Euch und euerm Begleiter die notwendige Atzung nicht gefehlt haben werde." "Der arme Schelm!" schaltete Doring mitleidig ein: "Frau Else hat nur für trocken Brod und klares wasser gesorgt." – Bechtram warf ihm einen finstern blick zu, und entgegnete mit trockner Kälte: "Ein Jeder, Freund, wird in meinem haus gehalten, wie es seinem stand geziemt. Mönch und Bauer sind auf die nüchternste Kost angewiesen, und darum hat meine Wirtin ihre Tafel also geordnet. Ich möchte Euch indessen, würdiger Vater, gern zu einem bessern Trunk und leckerem Bissen verhelfen, wenn Ihr mir dieses Pferd hier, das am Hinterfuss verzaubert und gebannt ist, wieder zurecht bringen wolltet durch euern Segen und Beschwörung." – Der Mönch, der bis daher noch kein Wort gesprochen hatte, sah auf den Gaul und dessen Herrn hernieder wie ein Fürst, und erwiderte ruhig: "Ich verstehe das nicht, Herr, was Ihr begehrt." – Bechtram war mit der Antwort nicht zufrieden. – "Ausflüchte," sprach er lächelnd: "Ihr Klosterleute pflegt doch sonst eher mehr zu versprechen als ihr halten könnt, und allzugrosse Bescheidenheit ist eure Sache nicht. Hängt sie an den Nagel, und stellt mir das Tier wieder her. Es soll euer Schade nicht sein. Höher als eines Menschen Leben schätze ich das Ross, und meine Dankbarkeit ist Euch gewiss."

"Ich wiederhole Euch, Herr," versetzte der Mönch gelassen, "dass ich nichts von Beschwörungen verstehe." – Bechtram's Stirne wurde glutrot, und der Hornberger fuhr auf. – "Bist Du ein Pfaffe," schrie er, "und kannst nicht einmal ein verhextes Vieh lösen? Schwänke über Schwanke! Das Zaubern lernt ihr aus euern Chorbüchern, die keine andre Christenseele versteht. Merkt Ihr nicht, Bechtram, dass der schmutzige Barfüsser Euch nur zum Besten hat? dass es ihm Freude macht, Euern Renner krumm und lahm zu sehen? Die pfaffen sind Eure geschwornen Feinde. Lass diesem hier nur die Peitsche geben, bis er sich bequemt. Kreuz und Dorn! ich mache nie so viele Umstände mit den braunen Untieren." – "Hm," erwiderte Bechtram: "ich werde doch in sechzig Jahren nicht weniger gelernt haben, als Ihr, mein Herr von Hornberg? Lasst das Hofmeistern auf gelegnere Zeit, wenn Euch der Bart grau geworden. Ich weiss schon selbst, wie mit Widerspenstigen, umzuspringen ist." – Der Hornberger wurde empfindlich über die öffentliche Zurechtweisung. "Bei allen Gewittern!" rief er: "Nicht so hitzig und beissig, Meister Bechtram. Dass ein grauer Bart nicht vor Torheit schützt, beweisst Ihr gerade jetzt, da Ihr einen erprobten Freund wegen eines Pferds und eines Tagediebs beleidigt."