von rechtlichem Aussehen sich hindurch drängte, und also sprach: "Ich will Dir Auskunft geben, Jude! Ich bin der Schmid Albrecht dort an der Ecke dieser Gasse, und kam vor Kurzem aus unsrer Herberge. Wie ich nun kaum zwanzig Schritte von meinem haus bin, so stolpre ich über den Rotkopf da, der halb besinnungslos in der Gasse liegt, wie ein Trunkner. Da ich ihn beleuchte mit dem Lichtstümplein, das ich in Händen trug, erkenne ich ihn wohl, und auch er macht die Augen auf, fährt zusammen, und ruft: 'Lasst mich los! ich bin unschuldig!' Es war leicht zu sehen, dass der Bube in augenscheinlicher Verwirrung befangen war, und nicht im Rausche. Ich begütigte ihn daher, und nun hat er, da er mich erkannt, erzählt, dass ihn auf dem Fischerfelde, von wannen er nach haus gehen wollen, mehrere Gesellen mit rot und schwarz gefärbten Gesichtern überfallen, geplündert und mit einem Streitammer verletzt haben; dass jedoch zum Glück der Streich schier fehlgegangen und nur gestreift habe, und er dem tod entgangen sei, indem er sich zur Erde fallen lassen, gleich als habe er die letzte Ölung. Da er zu Dir verlangte, hab ich ihm erlaubt, sich an meinem Arm zu führen, und auf sein klägliches Geschrei sind die Nachbarn herbeigelaufen."
Nach dieser Erzählung lief ein Gemurmel durch den Haufen, bedauernd, dass der Jude nicht umgekommen war unter den Streichen seiner Verfolger; und sich auflösend in ein rohes Gelächter, das sich den an der Stubentüre lehnenden, keines Worts mächtigen Menschen als Zielscheibe setzte. Ben David, ungeduldig, dem störenden Auftritt ein Ende zu machen, dankte höflichst dem wohlbeleibten Schmid für seinen Beistand, und öffnete die stube, um den Diener hineinzubringen. Die Menge quoll aber auch in das Gemach hinein, und musterte mit Luchsaugen die elenden Gerätschaften, die darin an den Wänden umherstanden. Mehrere junge Bursche hatten nicht wenig Lust mit ihren flackernden Lichtspänen über gang und Treppe in das Oberhaus zu dringen. Aber Gretens abweisende Geberden, und noch mehr die Einflüsterung älterer Leute, die ihren Uebermut vor den in jedem Judenhause verborgenen Falltüren und mit Vorbedacht offen gelassenen Kellergruben warnten, hielten die Verwegenen von ihrem Vorsatz ab. Zugleich drängten sich auch einige benachbarte Juden herein, schwatzend, neugierig wie die übrigen, und zudringlich mehr, als hülfreich in ihren angebotnen Dienstleistungen. Vergebens bat Ben David diese letzteren den Misshandelten ihm ganz allein zu überlassen, – sie wichen nicht; vergebens flehte er die anwesenden Christen an, endlich doch mit seinem besten Danke das Haus zu räumen. Sie gingen nicht, und forderten endlich ziemlich trotzig ihren Lohn, dass sie den Judenknecht nach haus geleitet hatten. Ben David, solcher unziemlichen Forderungen nicht ungewohnt, bezeugte sich nun, die Ungestümen auf den Sonntag zu vertrösten, da ihm das Gesetz verbiete, am Sabbat Geld anzurühren, allein damit machte er das Uebel nur ärger. "Seht den Juden an!" rief Einer aus der Schaar: "Gälte es, unsre Taschen zu leeren, würde er sich wenig um das Gesetz kümmern." – "Am Sonntag haben wir Schabbes!" rief ein Andrer: "also muss er heute zahlen, der Hundsjude." –
Umsonst suchte Ben David die Ungerechtigkeit zu beschwichtigen; der Pöbel wurde schwürig; die Habsüchtigsten erwischten von den in der kammer umherliegenden Trödelwaaren was ihnen am Dienlichsten schien, und machten sich damit davon. Die Händellustigen aber brachen aus in Schimpfworte, und mehrere geballte Fäuste schlugen durch ihre drohende Bewegung die Nachbarjuden in die Flucht, die ihre Glaubensgenossen feig im Stich liessen, und die Luft nur von ihrem mörderischen Hülfsruf erschütterten.
Eine gute Folge schien jedoch ihr Zetergeschrei herbeizuführen, denn der Oberstrichter der Reichsstadt, der gerade zufällig die Strassen durchritt, um die Nachtschwärmer und Trinkbrüder zu Paaren zu treiben, hörte das Getöse, und erschien in schnellem Trab auf dem Schauplatz, wo Ben David gerade in Gefahr stand, körperliche Misshandlungen zu erfahren. Die Ratsknechte, die des Oberstrichters Ross umgaben, wiesen mit ihren Hackenstangen die Angreifer bald zur Ruhe, und der Friedensstifter erfuhr in wenig Augenblicken, von was hier eigentlich die Rede sei. Gleichgültig zuckte er die Achseln und sprach mit verächtlichem Tone zu Ben David: "Was hat Dein Knecht noch in später Dämmrung auf dem Fischerfelde zu schaffen? Kein Wunder ist's, dass er in die hände der Blutzapfer fiel, die jetzt wiederum innerhalb und ausser der Stadt ihr Wesen treiben sollen, wie mir der Küfermeister, Andreas von Liebfrauenberg, vor einer Stunde geklagt hat, der auch von den Mordbuben nächst dem Hirschgraben angefallen worden ist, sich aber durch seine Faust befreit, und einige von den Hunden übel zugerichtet hat. Das vermag freilich ein Hebräer nicht."
Ein wieherndes Gelächter der umstehenden Knechte und Bürger lohnte das Witzwort des Gewaltigen, der, Stille gebietend, also fortfuhr:
"Ich befehle Dir daher, Jude, dass Du Deinen Knecht ehrlich zu haus haltest. Für die heute verursachte Störung hergebrachter Ordnung, – denn die lange Glocke ist schon lange geläutet worden – büsse ich Dich um fünf Goldgulden, die Du unerlässlich nächsten Montag auf dem Rententurm zu erlegen gehalten bist. Auch hast Du von Rechts wegen diesen wackern Bürgern zu zinsen, jedem einen dicken Groschen, dass sie Dir den Knecht nach haus geführt; denn die Menschenliebe, die sich um einen Juden kümmert, muss belohnt werden. Sie mögen am Sonntagsmorgen das Geld