ich wohl zurecht kommen würde unter dem Gelichter, das in unserm haus aus- und einfährt, wie die Hexen aus und in den Schlot. – Vergebt aber, Leuenbergerin, dass ich gerade von bösen Hexen sprach. Ich sollte wissen, dass Ihr's nicht liebt, wenn man von Truden redet." – "Hm!" meinte Petronella: "so man nur davon redet, mag es hingehen. Nur über die Schwelle dürfen sie nicht kommen, und dafür habt Ihr gesorgt, Frau Else, denn das Hufeisen, das unter Eurer Pforte angenagelt ist, bleibt ein wahres Gottesmittel dagegen, und so Ihr vollends nicht versäumt, jeden Morgen zwei Strohhalme kreuzweis drüber zu legen, so kommt Euch nimmer eine Hexe zu nahe." – "Ihr seid eine kluge Jungfrau," erwiderte Frau Else, "und ich werde mir noch manches von Euern Erfahrungen merken, ehe Ihr von dannen scheidet." – "Ho, die Base ist gelehrter, als ein Meister der freien Künste," fiel der Leuenberger ein; "besonders im erkennen zauberischer, übernatürlicher und verborgner Dinge." – "So?" fragten Else und Waltrade. "Das hätte man versuchen können;" fuhr die Erstere fort: "Ihr hättet meinem mann des heutigen Zuges Ausgang und Erfolg weissagen müssen." – "Hm!" meinte Petronella, den Kopf bedenklich wiegend: "dem Gastfreund geziemt's eigentlich nicht, des Wirts Tun und Lassen zu deuteln, aber, wenn man achtung hat, auf das was um uns vorgeht, so kann man manches in seinen Handlungen ändern, was erspriesslich und von Nutzen wäre." – "Ihr sprecht als ob's Lateinisch wäre," lächelte Else: "ich verstehe Euch nicht." – "Der Hund hat die ganze Nacht im Zwinger jämmerlich geheult," sprach die Alte weiter: "die Eule hat geschrien und die Todtenuhr hat gehämmert, als wollte sie nimmer aufhören. Das bedeutet nicht viel Gutes. Zudem ist heute kein glücklicher Tag, und ich hätte an Eurer Statt den Ritter nun nimmermehr reiten lassen." – "Ihr macht mir bange!" versetzte Else, ohne jedoch weiter eine Bewegung zu äussern: "Mein Mann lacht über solche Dinge, und fürchtet sich nicht, weil er ein geweihtes Amulet bei sich trägt, das er einem Pilger abgenommen, der es gerade von des Erlösers Grab geholt hatte. Wenn ihm nur das Heiligtum noch hilft, da er jetzt im Banne liegt?" – "Ei, wie sollte es denn nicht?" fragte Petronella entgegen: "die hochwürdigen Barfüsser Ordensherren weihen ja gewöhnlich diese Schutzmittel, und man weiss ja, dass sie sich nicht viel um Bann und Interdikt kümmern." – "Ihr beruhigt mich wieder völlig;" antwortete Else, dem alten fräulein gutmütig und derb auf den hohen rücken klopfend: "ich hatte schon den Gedanken gefasst, trotz Bann und Strahl eine Messe in der Kapelle lesen zu lassen auf die glückliche Heimkehr meines Alten." – "Eine Messe?" lachte Petronella: "wie das?" – "Wer versteht das Handwerk hier?" spottete Wallrade: "etwa der edle Herr, der vor uns steht, oder der taube Wächter, der endlich mit dem ersehnten Vorrat anlangt?" – "Hoho!" fiel Else ein: nur nicht so höhnisch, gefangnes fräulein Naseweis. Wir haben wohl noch andre Leute hier im schloss, die Kutte und Platte tragen. "Da unter uns sitzt ein armer Pater im Kühlen, dem Eure Gesellschaft, Leuenbergerin, Unglück gebracht hat, und der wohl jetzt, obschon Mittag vorüber, nüchtern genug wäre, um das Messopfer zu bringen." – "Wie?" schrie Petronella, erstaunt die hände faltend: "Wie? Der arme Mann, der mit uns hier angelangt?" – "Derselbe;" versetzte Frau Else kaltblütig: "er sammt dem Bäuerlein, das Euch den Wagen lieh, bewohnt unsern Turm, weil mein Alter meinte, die Leute seien mit der Gegend zu bekannt, als dass nicht der Gewahrsam der schönen Wallrade verraten hätte werden müssen. Sie werden sich's nun gefallen lassen, so lange hier zu verharren, bis des Fräuleins Haft vorüber." – "Ha, Euer Herr macht wackre Streiche!" rief Wallrade keck; "an schwachen Frauen und wehrlosen Mönchen erprobt sich des Helden Mut." – "O lasst den Heldenmut aus dem Spiele, gutes fräulein:" entgegnete Else: "einen schönen Falken lässt der tapferste und grossmütigste Mann nicht aus den Händen. Wahrlich, Wallrade, hätte ich einen Sohn, ich liesse Euch gar nicht mehr von meiner Seite; Ihr müsstet meine Schwieger werden, und noch heute müsste der Pfaffe da unten Euch trauen." – "Das ist ein Wort, vortrefflichste Nichte;" sprach Petronella beissend: "Frau Else denkt nicht an ihr alt Geschlecht." – "Ihr habt Recht, Base Stolperwitz;" liess sich Wallrade vernehmen: "unser halbadelig Wappen würde nicht zu dem des Ritters Bechtram passen, wenn er gleich Räuberei treibt. Beruhigt Euch indessen. Meine verehrte Wirtin hat ja keinen Sohn, der ihre Drohung verwirklichen könnte." – "Freilich nicht;" setzte Else seufzend hinzu: "das ist's, was mir oft blutige Tränen kostet. Was nützt meinem Alten seine schwere Mühe und saure Arbeit? Was nützt ihm