um meine Gunst. Oder, – tut das Leichtere: meldet nur meinem Vater den Ort meiner Gefangenschaft, und dann – nachdem ich in seine arme zurückgekehrt, – dann fordert meine Hand." – Der Leuenberger schwieg eine Weile betroffen, während Wallrade den scharfen blick auf ihn heftete. Verlegen spielte er mit den Knöpfen seines Ärmels, strich sich den Bart und kaute an den Lippen. "Edles fräulein," – sprach er endlich bedächtig: "Was Ihr verlangt, geht über meine Kräfte. Wir Edelleute halten fest an unserm Wort, und Bechtram hat das Meine; und von Euerm Vater vollends erwarte ich nichts als Undank. Er würde mir zehnmal eher vor dem Gallustor zu Frankfurt Nase und Ohren abschneiden lassen, als mich in seiner Sippschaft aufzunehmen." – "Ich weiss nicht, in wiefern Herr Dieter Euch gehässig ist;" erwiderte Wallrade seufzend; "allein ich dächte, auch m e i n e r Dankbarkeit solltet Ihr in etwas vertrauen." – Der blick, den sie bei dieser Rede auf Veit's Antlitz warf, sollte heftiger zünden, als die vorigen, aber seine Kraft prallte ab, an der Scheu des Leuenberger's vor Bechtram's Rache und Dieter's gegründetem Hass. – "Ei was!" brummte er: "Eure Haft kann ja doch wahrlich nicht ewig währen. Hat Bechtram vom Montfort erst erhalten, was er will, liegt ihm ferner nichts daran, Euch zu füttern. Dann wäre es an der Zeit, meinen Wünschen zu genügen, und eine fröhliche Ritterehe zu schliessen, zu welcher man nichts braucht, als einen Bettelmönch, der den Segen gurgelt, und ein stilles, sichres Kämmerlein. Was sagt Ihr dazu, mein süsses Lieb?" – "Dass Ihr ein Abscheulicher seid, der meine Verachtung verdient, aber nicht die Minne einer ehrsamen Jungfrau;" erwiderte ohne Hehl Wallrade, der das Blut in die Wangen geschossen war, bei dem unziemlichen Antrag des Stegreifritters. Veit, welcher seine Furcht vor den von dem fräulein vorgeschlagenen Prüfungen hatte hinter der Larve eines rauhen Mutwillens verbergen wollen, schwieg wie ein ertappter und geschlagener Schüler, und lehnte sich verlegen auf die Brustwehr des Turms. "Einfältiger, tölpischer Klotz!" murmelte Wallrade vor sich hin, und stützte verdrüsslich den Kopf in die Hand. Der Leuenberger gewahrte aber so eben seine Base am Erkerfenster der Burg, und winkte ihr und Frau Elsen, heraufzukommen auf die luftige Höhe. – "Muhme Petronella soll uns ein Mährlein erzählen," sprach er mit läppischem Lächeln zu Wallraden:"sie wird Euch dadurch auf andre Gedanken bringen, und mich vergessen machen, was ich von Euch vernehmen musste." – Wallrade machte eine unwillige Bewegung gegen ihn, und stand auf, um zu gehen. Der Versuch war aber umsonst, denn schon knarrte die tür des Turms, und die schwerfälligen Tritte der Frauen kamen bald näher und näher heran. Frau Else schritt wackrer und rüstiger zu, als die hinkende Base, und hielt die auf der Höhe der Steige unschlüssig verweilende Wallrade auf. "Ei, wo hinaus?" fragte sie mit ihrer männlichen stimme, die im haus Befehle erteilte, donnernd wie der Schlachtruf eines Feldhauptsmanns: "Da geblieben! Nicht davon gelaufen. Wir sind jetzt die alleinigen Herrn im haus, und wollen uns gütlich tun auf der kühlen Warte." – Somit drehte sie Wallraden mit einer Schwenkung des Ellbogens um, und reichte der mühsam heranklimmenden Base die Hand. – "Herauf! Herauf! alte Nixe!" rief sie der Keuchenden entgegen: "Hier oben ist's wohl sein. Hast Du dem Wilpert gesagt, dass er uns eine Kanne kühlen Weins heraufschleppe, und einen Korb mit Brod und Fleischkuchen?" – Petronella bejahte; Else klopfte beifällig und munter in die mächtigen hände, und zog Rocken und Spindel aus dem breiten Ledergürtel, der ihren stämmigen Leib umschloss. Der Turmwächter musste dem zögernden Wilpert entgegeneilen, und die Frauen machten sich's bequem auf den Mauerbänken zwischen den Zinnen. – "Wie ist es doch so schön hier oben!" sprach Petronella, nachdem ihr Husten, von dem Treppensteigen und der Einatmung reinerer Luft erregt, nachgelassen hatte: "Himmlischer Vater! wenn das Alles, was wir hier vor Augen sehen, unser wäre! Was meint Ihr, liebe Frau Else?" –
Bechtram's Ehewirtin zuckte verächtlich mit den Lippen. "Man hört's Euern Reden wohl an, fräulein," sprach sie derb, "dass Ihr kein Haus als Eigentum besitzt, sonst würdet Ihr nicht so tolle Wünsche von Euch geben. Mir kommt ein ähnlicher Gedanke nicht, denn ich bin zufrieden in meinem Hauswesen, und wenn dieses mir nach Wunsch geht, so frage ich nicht nach Allem, was um uns her liegt an Wald und Feld, an Häufern und Höfen." – Hier beschrieb sie mit dem hoch und drohend geschwungnen Rocken einen grossen Kreis rings um sich her, und schlug damit auf die Schulter des Leuenberger's, der in Gedanken verloren, den Weibern den rücken gekehrt hatte. – "Frau Else! Frau Else!" rief der Erschrockene, sich die Schulter reibend: "Ihr führt einen harten Zepterstab, und der Ritterschlag von Eurer Hand ist nicht sanfter, als der von einer Männerfaust." – "Meint Ihr?" entgegnete die Frau von Vilbel: "Ich möchte auch wissen, wie