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"Sie lugt hier nach dem zug der freien Lerchen," entgegnete Wallrade ebenfalls lächelnd: "und kann nicht begreifen, wie sich diese holden Sänger diesem finstern Turme nähern mögen, in welchem die Knechtschaft weint." –

"Ei, was kümmern Euch die Knechte im Turm?" versetzte Veit mit einer plumpen Verbeugung: "Ihr seid die Herrin von Neufalkenstein, mehr denn Frau Else selbst." – "O spart Euer höhnisch Schmeichelwort," erwiderte Wallrade leicht, "und vor Allem lasst ja dergleichen Frau Else nicht hören, Ihr wisst, sie versteht nicht lange Scherz, und ist eifersüchtig auf die Oberherrschaft." –

"Wie ich auf einen blick von Euerm holden Augenpaar;" fügte Veit wie oben bei. Wallrade zuckte die Achseln, und gab sich die Miene, seinen Worten keinen Glauben beimessen zu wollen, daher nahm der Leuenberger seine Zuflucht zu Beteuerungen. – "Pest und roter Hahn!" rief er: "Schönes fräulein, ich will den Hals brechen zur Stelle, wenn ich eine Lüge spreche. Ich würde lügen wie ein Schelm, wenn ich sagen wollte, dass ich Euch von Anbeginn gern gesehen, aber das Wohlwollen, undlasst es mich heraussagen, – die Liebe nistet sich ein, ohne dass man's vorher sieht, oder geradezu merkt. Das wisst Ihr auch gar wohl, denn Ihr seid ein verständig Frauenbild, und könnt unterscheiden, was blanke Zierhöfelei ist, was Ernst und baare Münze." – "Guter Leuenberger," erwiderte Wallrade: "die Männer sprechen alle auf diese Weise, wenn sie ein Frauenherz zu berücken suchen." – "Pah," lachte Veit: "Zeit meines Lebens habe ich mich noch nie damit abgegeben, Weiberherzen zu kirren, und habe das Falkenabrichten immer der Minne vorgezogen. Wie man einen Stossvogel zähmt, weiss ich; aber nicht, wie man ein Weib gewinnt." – Wallrade gab ihm in ihren Gedanken völlig recht. Er fuhr jedoch fort: "Hier ist der Spiess umgekehrt. Ihr habt mich berückt, ob ich gleich bis auf den heutigen Tag mein Herz bewahrte, und ob Ihr gleich meine Stiefnichte seid." – "Ihr schreibt mir einen grossen Sieg zu;" versetzte Wallrade scherzend, aber einen der gefährlichsten Blicke hinzufügend, deren sie nur Meister war. Dieser blick ermutigte den unbeholfnen Ritter, in seiner Herzensergiessung fortzufahren. – "Mich soll der Schwarze reiten, hier vor Euren Augen," sprach er, "wenn, was ich sage, nicht mein voller Ernst ist; wenn ich Euch nicht verehre, wie eine Nonne ihr Muttergottesbild. Ich habe in meinem Leben noch vor keinem Strauss gezittert, und bin auch jetzt zu jeder probe bereit, die Ihr mir auferlegen wolltet, um meine Treue zu erwahren. Vergebt mir: ich rede sonst nicht viel mit Weibern, aber heute, und Euch gegenüber bin ich in den Zug gekommen. Ihr wisst jetzt mein geheimnis, von welchem ich nicht einmal der Base ein Sterbenswörtlein verraten habe. Erwiedert mein Vertrauen mit dem Eurigen. Lasst mich wissen, ob ich vielleicht hoffen dürfte." – "Eure Rede wird sehr dringend und ernstlich;" meinte Wallrade, eine Aufmerksamkeit verratend, die des liebetrunknen Junkers Glut anfachte. – "Wenn Ihr nur endlich das Ernstliche einseht;" rief er: "Kreuz und Stein! Wie soll ich's anfangen, deutlicher zu reden? Ich denke, mit einem Wort, so gut als Euer Vater und meine Schwester ein Paar werden konnten, – so gut könnten wir's auch werden, und sollte die Verwandtschaft ein Hinderniss machen wollen, so martre ich einen pfaffen so lange, bis er einen Dispens herausgibt, gültig wie einer von Rom." – "Ei, Ihr sprecht ja ruchlos, wie ein böhmischer Ketzer!" rief Wallrade scherzhaft: "Nimmer werdet Ihr mich von der Wahrheit einer Liebe überzeugen können, die sich so gotteslästerlich ausdrückt." – "Pest und roter Hahn!" eiferte der Leuenberger, heftig mit seinen braunen Händen die Luft sägend: "Fordert eine probe meiner Liebe, – mehr kann ich ja doch nicht tun, als Euch die Wahl lassen. Soll ich den tauben Hund von Wächter, der dort wie ein Klotz auf der Matte kauert, und in die Ferne stiert. Kopf über Kopf unter vom Turm werfen? Oder soll ich mich mit Dreien raufen auf Leben und Tod? Oder soll ich in Frankfurt einreiten, trotz dem Stadtbann, in dem ich liege, und mich wieder herausschlagen, und das Dintenfass des Stadtpfaffen vom Römer mit heimbringen? Gebietet; was Ihr wollt, soll geschehen, und wenn sich der Satan dreimal dazwischen legte." – "Ihr stellt Euch Aufgaben, allzuschwer, als dass ich Euch beim Worte nehmen könnte;" entgegnete Wallrade; – "und gerade durch solches Überbieten in Gefahren, die Ihr bestehen wollt, macht Ihr mich misstrauisch. Kann ich an die Liebe des Mannes glauben, der, um mir zu gefallen, Andre mordet; mich selbst jedoch, ohne vor Schaam und Unwillen zu erröten, in dem Schlamm der Demütigung sehen kann? Wie mögt Ihr, ein freier adelicher Mann, Euch ein gefangen Liebchen wählen, das Ihr doch nicht erlösen wollt? Ihr fordert, dass ich Euer Herz prüfe. Wohlan; geht hin, öffnet mir die Pforte dieses Kerkers, löst meine Fesseln, und dann bewerbt Euch